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BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

Titel: BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manfred Weinland / Timothy Stahl / Adrian Doyle
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seine Hände in den Taschen seines Mantels um die Kruzifixe schlossen, die er Vater und Mutter geweiht hatte. Beide lebten nur noch in Wenzels Erinnerung. Aber gerade sie schenkten ihm Kraft, wann immer er sich schwach und nichtig fühlte.
    Wie jetzt. Unter
ihren
Augen...
    "Wer bist du?“, fragte er in einer der Sprachen, die sie zu beherrschen schien.
    Tatsächlich füllte sich die Leere ihres Blicks unverzüglich mit etwas, das Wenzel nur als Hoffnung interpretieren konnte. Erstmals kamen ihm Zweifel, ein Ungeheuer wie das vom Grafen Martinic geschilderte vor sich zu haben.
    "Wer bist du?“, wiederholte er und bemerkte, wie ihre Lippen seine Frage nachäfften. Lautlos. Als souffliere sie ihm in zaghafter Pantomime.
    "Wer bist
du
?“, krächzte sie plötzlich heiser. "Warum... bin ich hier?"
    "Das weißt du nicht?"
    "Ich weiß gar nichts! Ich... erinnere mich an nichts – nicht einmal meinen Namen!"
    Er war versucht, ihr zu glauben. "Du weißt nicht, dass du dich vergangen hast?"
    "Vergangen?"
    "An zahlreichen deiner Mitmenschen. Du hast sie getötet – und um herauszufinden, auf welche Weise, hat man mich gerufen. Darum, und um dir das Handwerk zu legen!"
    "Getötet?“, echote sie so unschuldsvoll, dass ihr ein jeder die Lauterkeit abnehmen musste, sofern er kein Herz aus Stein in seiner Brust herumtrug.
    Sie seufzte abgrundtief. "Tod... O ja, der Tod sagt mir etwas... Aber nicht der Tod anderer, sondern..."
    "Ja?"
    Ihr Kopf sank nach vorn auf die angezogenen Knie. "Nein! Es ist... Unsinn! Wo bin ich? Warum erscheint mir alles hier so... seltsam?"
    "Beantworte mir erst die Frage, woher du kommst", sagte Wenzel. "Danach..."
    Sie drückte das Gesicht noch fester gegen die Knie. "Ich – weiß – es – nicht! Ich sagte es schon!"
    "Dein Starrsinn wird dir nichts helfen", warnte er.
    "Nenn es, wie du willst, aber ich verstelle mich nicht: Ich erinnere mich wirklich nicht!"
    "An gar nichts?"
    "Nein!"
    "Das lügst du!"
    "Warum sollte ich?"
    "Vielleicht... um dem Scheiterhaufen zu entgehen?"
    "Dem
Scheiterhaufen
?“, Sie zuckte zusammen, hob das Haupt, dessen helles Haar Wenzel an feinste Fäden eines edlen und unglaublich biegsamen Metalls erinnerten.
    Alles
an dieser Frau besaß diesen Ruch des Kostbaren – und zugleich des Verdorbenen. Aber vielleicht rührte letztere Impression einzig aus der Furcht, die sie gesät hatte und deren dämonischer Kraft auch Wenzel sich nicht zu entziehen vermochte.
    Eine Vampirin, so viel stand fest, war sie nicht. Auch dass sie einem der geheimen Zirkel angehörte, die sich durch abenteuerliches Gebräu die Lebenszeit verlängern oder Unglück über ihre Feinde bringen wollten, erschien ihm unwahrscheinlich.
    Wer aber war sie dann? Und warum hatte er von einem Geschöpf wie diesem noch nie auch nur gehört?
    "Du wirst brennen", versicherte er jetzt. "Du hast so Schlimmes angerichtet, und an deiner Täterschaft gibt es so geringen Zweifel, dass sie dich, wenn sie wollten, auch ohne vorherigen Prozess deinen Taten angemessen strafen könnten!"
    Sie blieb stumm. Lange starrte sie ihn an, als wäre
er
dieses Ungeheuer, das man sie beschuldigte zu sein.
    Schließlich fragte sie matt, beinahe schicksalsergeben: "Und warum macht man sich die 'Mühe'?"
    Wenzel antwortete offen: "Weil sie Angst haben. Angst vor einer Wiederholung deines Falles, mit der man dann, würde man dich gleich verbrennen, ebenso unerfahren umgehen müsste wie mit dir. Es scheint ihnen und mir klüger, dich erst zu studieren, dein Wesen zu ergründen, ehe man es auslöscht..."
    Vielleicht begriff sie ihre Lage erst jetzt in voller Konsequenz. Matthäus Wenzel jedenfalls wusste nicht, wie er ihre Blicke – beschattet von ähnlichem Entsetzen, wie sie es ihre Opfer gelehrt hatte – anders hätte deuten können...
     
     
    Justus erwachte, als die Sonne bereits warm und freundlich durch die Fensterchen seines Turmzimmers hereinschien. Müde und zerschlagen, als hätte er kein Auge zugetan, richtete er sich auf.
    Der seltsame Traum schwang in ihm nach.
    Er hatte von der kopflosen Frauenleiche und dem Mädchen geträumt, denen er bei seiner Ankunft auf der Burg begegnet war. Besonders das rothaarige, weinende Mädchen hatte tiefen Eindruck bei ihm hinterlassen.
    Das weite Hemd, das er vor dem Schlafengehen angelegt hatte, bezeugte dies, denn es klebte feucht an einer Stelle, die keinen Zweifel darüber ließ, welche Gefühle ihn im Traum bewegt hatten.
    Peinlich berührt und in Sorge, seinem Vormund könnte es

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