BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)
alles in dieser Stadt. Und weit darüber hinaus.
Von dieser Stunde an würde Prag ein verbotener, ein unbetretbarer Ort sein. Zumindest für jenes Gezücht, das dem Schoss einer Mutter entsprungen war, die in grauer Vorzeit lebendig von
ihrem
Schöpfer begraben worden war...
Aber was für die Vampire nur lästig war – den Menschen würde es Tod und Verderben, Seuchen und Armut, Mord und Niedertracht bedeuten, für lange, lange Jahre.
Das Wesen hatte die Weichen dafür gestellt, so wie es schon unzählige Male in die Geschicke der Welt eingegriffen hatte, um das Böse zu schüren. Oftmals bedurfte es dafür nur eines kleinen Anstoßes, eines falschen Wortes zur richtigen Zeit, einer eigentlich unbedeutenden Verletzung, gleichgültig, ob körperlicher oder nur seelischer Natur. Die Menschen waren schwach, manipulierbar in solch vielerlei Weise, dass es ihm leicht fiel, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Tod und Leid...
Auch jene seltsame Frau, die das Wesen im Kerker vorgefunden hatte, würde die Saat ausbringen, auf ihre eigene Art.
Wo sie herkam, wer ihr diese Fähigkeit (diesen
Fluch
!) verliehen hatte – es interessierte den aus einem Tier Geborenen kaum. Er hatte die Anwesenheit der Frau gerochen und sie aufgesucht, um sie zu prüfen. Ein einziger Blick in ihren Geist hatte genügt.
Die Frau würde weiter töten, um selbst zu leben. Damit arbeitete sie seiner Passion, seiner
Bestimmung
zu. Den nagenden Zweifel, den er in ihren verwirrten Gedanken gefunden hatte und der ihre Effizienz mindern mochte, hatte er fortgewischt.
Das Wesen lächelte – was bei ihm aber nicht mehr bedeutete, als dass es seine Masken beherrschte.
Mit der Illusion eines Schuhs, den es über die Illusion eines Fußes gestreift hatte, stieß es gegen die beiden mumifizierten Hüllen, die unter dem Anstoß knisterten. Zu mehr waren sie nicht mehr fähig.
Wie hatten sie glauben können, ihm zu entkommen?
Und war es nicht ebenso lächerlich, wie sich ihre Hände selbst im Tode noch aneinander klammerten, als könnten sie dadurch eher dem Schicksal trotzen?
Ihre Zukunft war hier und jetzt zu Ende gegangen, während die des Schrecklichen, der ihnen wieder den Rücken kehrte, gerade erst begonnen hatte...
Der Hort der Wächter
»Allmächtiger Vater...
Die Zeichen stehen danach, als würde sich erfüllen, was einst Deinem Diener Johannes offenbart wurde und was er verkündete und niederschrieb. Du hast mich gesandt, auf dass ich mich dem entgegenstelle. Dafür erbitte ich Deinen Beistand und Deine Kraft, o Herr.
Ich spüre, dass der Kreis sich schließen wird. Was vor einer Ewigkeit begann, als ich den Abtrünnigen in ewige Verdammnis stürzte, soll hier und jetzt sein Ende nehmen.
Auf die eine oder auf die andere Weise...«
Kühle Feuchtigkeit füllte die Felskammer wie ein steter Hauch aus dem Jenseits. Obwohl der Raum weder in Länge noch Breite mehr als zehn, allenfalls elf große Schritte maß, waren seine Wände nicht auszumachen. Das Licht einer einzelnen Kerze reichte gerade aus, um das steinerne Podest, auf dem sie flackernd brannte, in eine rotgoldene Glocke zu hüllen.
Selbst den Mann, der mit nacktem Oberkörper und gesenktem Haupt kaum einen Meter davon entfernt am Boden kniete, berührte ihr Schein nur, ohne ihn den Schatten ringsum zu entreißen.
Salvats Hände lagen auf dem Knauf eines gewaltigen Schwertes, dessen breite, bizarr geformte Klinge im Kerzenlicht wie in frisches Blut getaucht aussah. Seine Stirn ruhte am Griff, der zwei Fäusten Platz bot. Und zweier Fäuste – zweier
sehr kräftiger
Fäuste! – bedurfte es gewiss, die sichtbar schwere und seltsam monströse Waffe zu führen.
Trotz der klammen Kühle, die hier, tief im Berg unter dem Kloster Monte Cargano herrschte, liefen glänzende Rinnsale entlang der tiefen Linien, die wie mit einem Messer in das markante Gesicht geschnitten schienen, weiter über Hals und Nacken, um schließlich den sehnigen Oberkörper in ein glitzerndes Netz zu spinnen. Allein der Gedanke an das Bevorstehende genügte, dem Führer der Illuminati den Schweiß aus den Poren zu treiben.
Das »Bevorstehende«...
Gespenstisch wehte Salvats Stöhnen durch die düstere Kaverne. Er wusste doch selbst nicht, wie es sich äußern würde, dieses »Bevorstehende«...
Noch
nicht...
Aber er würde es erfahren, bald schon. Salvat war entschlossen, endlich zu tun, was getan werden musste, um es in Erfahrung zu bringen – um die Geheimnisse der Para-Träumer
Weitere Kostenlose Bücher