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Bélas Sünden

Bélas Sünden

Titel: Bélas Sünden Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Petra Hammesfahr
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Sie war eine intelligente junge Frau, die man für das, was sie getan hatte, zur Rechenschaft ziehen würde. Keine Gnade. Lebenslänglich. Nein, Zweifel hatte ich nicht, überhaupt keine Zweifel. Ich kannte doch Béla, er hätte wahrscheinlich versucht, mit Heinz zu reden, zu verhandeln, zu beschwichtigen. Meine Tochter hatte abgedrückt, weil Heinz ihr den Kopf zurechtsetzen wollte. Eine andere Möglichkeit sah ich nicht. Aber Marion weiter auszufragen, hatte keinen Sinn, nicht in dieser Nacht. Sie war zu keiner vernünftigen Antwort fähig. Das sah auch Offermann ein. Er und sein Kollege brachten mich heim. Noch während der Fahrt ging es weiter mit Fragen. Und es ging offensichtlich in eine ganz bestimmte Richtung, meilenweit von uns weg. Metas Verhalten war ihnen nicht geheuer gewesen. Wie lange ich die Familie schon kannte, wollte Offermann wissen. Ob die Ehe der Böhrings glücklich gewesen sei. Welch ein Hohn nach den Auskünften, die Meta höchstpersönlich gegeben hatte! Obwohl ich nur seinen Nacken und den vollendet frisierten Hinterkopf sah – ich saß im Fond, und er drehte sich beim Sprechen nicht um –, konnte ich seine Gedanken lesen. Danach hatte Meta gewusst, dass bei uns abends niemand zu Hause war. Sie hatte ihren Mann unter einem Vorwand in unsere Wohnung gelockt und ihn dort erschossen. Anschließend war sie über den Balkon geflohen, weil sie damit rechnen musste, dass die Schüsse in der Nachbarschaft gehört worden waren und sie gesehen wurde, wenn sie das Haus durch den Vordereingang verließ. Dann hatte sie daheim abgewartet. Es war im Prinzip einfach, kein Anzeichen von Trauer, nicht einmal ein Erschrecken bei der Nachricht. Die Frage, wie Meta in den Besitz einer Schusswaffe gelangt sein könnte, stellte sich Offermann anscheinend nicht.»Die Ehe war nicht glücklich«, erklärte ich.»Sie war auch nicht unglücklich, es war gar keine Ehe. Sie lebten seit der Geburt der jüngsten Tochter wie Bruder und Schwester zusammen. Manchmal gab es Krach, den gibt es unter Geschwistern auch.«
    Damit erreichte ich, dass Offermann sich zu mir umdrehte. Ich wollte nicht, aber etwas in mir machte sich selbständig und sprach es aus.»Sie liegen falsch. Meta hat ihren Mann nicht erschossen. Sie hatte keinen Grund, das zu tun. Es war so, wie sie sagte. Es war ihr egal, was Heinz tat.«
    Offermann grinste.»Das können Sie aus eigenem Erleben beurteilen, nehme ich an. Ich darf wohl auch annehmen, dass Herr Böhring sich anderweitig getröstet hat, nachdem Sie das Verhältnis beendet hatten. Er war ein gut aussehender Mann.«
    Ich nickte andeutungsweise. Offermann fragte mit so gönnerhaftem Unterton, dass er auch gleich hätte anfügen können, ich glaube Ihnen kein Wort:»Aber Sie wissen nicht, mit wem?«
    In meinem Hinterkopf sagte Heinz noch einmal:»… musste zu einer Nutte gehen.«
    Da Offermann mich immer noch anschaute, reichte es, den Kopf zu schütteln. Er drehte sich wieder nach vorne und schwieg erst einmal. Für ihn war die Sachlage klar. Er erklärte mir, welche Spuren sie gefunden hatten. Fußabdrücke in dem Stück aufgeweichter Erde zwischen dem regengetränkten Rasen und den Betonplatten, die um das Haus herumführten. Die Abdrücke waren zwar nicht sonderlich scharf, sie hatten sie trotzdem mit Gips ausgegossen und vermessen. Schuhgröße siebenunddreißig oder achtunddreißig, kleine Füße. Frauenfüße in Pumps oder Stiefeletten. Die Absätze hatten sich tief in die weiche Erde eingedrückt. Darauf basierte ihre Annahme, dass eine Frau die Wohnung in großer Eile verlassen hatte. Ich glaubte zu wissen, was sich abgespielt hatte. Wenn Béla das Haus zusammen mit Marion verlassen hatte und alleine weggefahren war. Es war ihm zu riskant gewesen, mit Sonja zusammen auf die Straße hinauszutreten. Wo die Gefahr bestand, dass Marion sich noch auf dieser Straße befand. Und wo Marion so gerne Geschichten erzählte von Mädchen, die sie kannte, die mit ihren Vätern oder Stiefvätern schliefen. Béla hatte nach meiner kurzen Unterhaltung mit Marion im September nicht locker gelassen, wieder und wieder gefragt, worüber ich mit ihr gesprochen hatte. Oder sie mit mir. Vermutlich hatte er Angst gehabt. Er wusste schließlich, dass Sonja und Marion beinahe wie Geschwister aufgewachsen waren. Und wahrscheinlich dachte er, dass sie sich nun, wo sie älter waren, das eine oder andere anvertrauten. Wie auch immer; Sonja blieb allein in unserer Wohnung zurück und wartete auf Béla, der vielleicht

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