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Berge Meere und Giganten (German Edition)

Berge Meere und Giganten (German Edition)

Titel: Berge Meere und Giganten (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alfred Döblin
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sterben.« Die stämmige breite rotgesichtige Frau trat auf Marduk zu: »Es richtet sich zuletzt gegen uns. Wir können uns doch gegen den Tod wehren.« Marduk schlug auf den Tisch: »So wehr dich doch. Ihr könnt es nicht. Keiner von uns kann es. Selbst wenn ich zu euch trete, kann ich es nicht. Ich dreh es nicht zurück. Ich kurbele nicht ab. Ich will nicht.« »Du meinst, wir liegen im Sterben. Nein, du, du Marduk, bist hilflos. Hier ist der Tod.« »Das meinst du. Ich glaube nicht einmal, daß dus meinst.« Die Frau richtete, sich bezwingend, auf: »Du mußt nicht lachen, Marduk. Du siehst, daß wir zusammen hier sind.« »Um mir zu helfen? Ihr seid meine Gäste. Ich habe euch gewiß nicht gerufen.« »Die Welt schließt sich zusammen.« »Um mich auf die Knie zu kriegen? Nur zu.« »Wir sind nicht dazu da, für die Ewigkeit zu sorgen. Vielleicht hast du recht, wenn du sagst, wir tragen Todeszeichen an uns. Wir sehen sie nicht, fühlen sie nicht, helfen uns von heute auf morgen weiter. Laß dich von uns bitten, Marduk, an unserer Arbeit teilzunehmen, wenn sie auch sehr vergänglich ist. Und – Delvil lacht so freudig: sprich du für mich.« »Ich halte es nicht für Kleinarbeit, was wir tun, Marduk. Ich freue mich der Dinge, wie sie jetzt laufen. Wir sind Schwärmer, wir drei. Gut werden die Dinge laufen, gut.« »Delvil, Pember, Baker, ich danke euch, daß ihr gekommen seid, mir das zu sagen. Ihr werdet an mir Widerstand finden, ich sage es euch heraus, so daß die Dinge nicht gut laufen.«
    Delvil senkte den Kopf, erhob sich langsam. Marduk ging schon rückwärts. »Wir werden keinen Krieg gegen dich führen, Marduk. Es ist nicht nötig, daß wir mit dir Krieg führen. Du erliegst ohne Krieg.« »Dessen bist du sicher, Delvil.« »Ja.« Marduk trat dicht vor Delvils Stuhl heran: »Wie kommst du dazu, dies zu mir zu sagen. Durchschaust du mich so, achtest du mich so wenig, daß du so sprichst.«
    Die Fremden waren weiter in den Saal getreten. Marduk hatte sich umgewandt, war sich verneigend an seinen alten schützenden Platz zwischen den Flammenbergwerken zurückgewichen.
    Pember, der spitzbärtige schlanke, der mit den andern geschwiegen hatte, pfiff vor dem Ratsgebäude: »Er ist verrückt. Habt ihr ihn gesehen. Er ist vollkommen hin. Was wollen wir mit ihm. Zieh in Frieden, liebe Seele.« Die Frau zog sich einen braunen Schleier vor das verfinsterte Gesicht: »Pember, es gibt da nichts zu lachen. Er ist ein böser Mensch. Wir dürfen ihn nicht lassen.« »Was willst du tun, liebe Freundin.« »Er fürchtet sich vor uns und wird gegen uns ausfallen. Er ist ein Bube, ein Barbar.« Delvil lachte und streichelte den Arm der Frau: »Ich zweifle, daß er Dummheiten machen wird. Sie würden uns auch nur nützen.« Die breitschultrige stand still, blickte Delvil glühend hinter ihrem Schleier an.
    Der krümmte den linken Arm, wog ihn wie ein Boxer: »Ich täusche mich über nichts. Ist dies Land still, so sind wir ein Regen, der es begießt und ihm wohltut. Wir sind ruhig und sanft. Will der Konsul es anders, so kann er es haben. Wir können auch Gewitter spielen. Ich hab keine Sorge, daß wir ihn nicht in die Hand bekommen.«
    Im Befehlszimmer Marduks standen am Morgen die Senatoren. Der Konsul, Wachen vor sich, gestikulierte über die Schweigenden: »Man will uns ausrotten. Man wird uns offen und geheim bekriegen. Sie wollen uns in ihren neuen Völkerkreis hinein. Ich rate allen, die ihrer Sache unsicher sind, das Land zu verlassen. Ich warne die Lauen im Land zu verbleiben.« Das Gerücht von der Absicht der kontinentalen Beherrscher hatte er verbreiten lassen. In die Höfe des Ratsgebäudes waren Menschen eingeströmt. Grüne Fahnen, darauf goldene Ähren, wurden ihnen vorausgetragen. Der Gesang »Ein friedlich Volk« hallte gegen die Fenster, feierlich durch die heiße Luft. »Wir werden siegen. Man will uns vernichten« es kam aus Marduk, tobte im Saal, auf den Höfen, durch die gewölbeartigen Räume. Er selbst riß sich aus dem Lärm. Das Gesicht der drei Abgesandten stand vor seinen Augen, die Macht des halben Erdkreises hinter ihnen. Unten auf dem Haupthof preßte man sich dichter. Völlige Stille trat ein. Plötzlich ein Tosen Zittern Armeausstrecken. Marduk am Tor des Hofes, ohne Hut. Schweißperlen auf der Nase. Sein Gesicht von einer bläulichen Weiße. Er machte einen erschöpften Eindruck. Seine Stimme war undeutlich. Er werde von jetzt ab das Ratsgebäude offen halten; der Schutz des Gebäudes werde

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