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Bismarck 04

Bismarck 04

Titel: Bismarck 04 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl Bleibtreu
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Carlepont an Boehns rechtem Flügel sich anhing. Es galt den Gegner aus dem Gelände zwischen Noyon und Compiegne zu entfernen und den Winkel zwischen Oise und Matz zu säubern, von wo der Feind unbemerkt Angriffsmassen verdeckt ansammeln konnte. Oettinger ging am rechten Flügel westsüdwestlich vor, Webern auf den nach Roye führenden Straßen, Schöler im Matztal über Roye, Hoffmann von Lassigny auf Elincourt und Canbronne. Das 34. franz. Korps des Generals Nudent vor Noyon erwartete vorbereitet schon vier Tage lang den Angriff, die Artillerie Humberts war genau eingeschossen und fügte dem Korps Hofmann im Divettegrund ernste Verluste zu. Hinter den acht Divisionen des Vordertreffens standen zehn andere, die 3., 10. franz. Armee befanden sich in Überzahl. Nichtsdestoweniger erkämpfte Oettinger sogleich Boden über Rubescourt bis 10  km südwestlich Montdidier, bei Auteuil 6  km südwestlich Moreuil, Webern war am 10. bis über St. Maur und Mery hinaus, Schöler erreichte den Talgrund Matz–Aronde. Hofmann fand zwar den heftigsten Widerstand, warf aber bis 11. den General Nudent aus Ribecourt und Bethaucourt, etwa 7  km südwestlich Noyon. Doch die Kraft ließ nach. Mangins starker Gegenstoß gegen Hutiers Rechte blieb nicht erfolglos, nur der Höhenraum zwischen Matz und Oise in deutscher Hand. Am 12. setzte Hofmann seinen Vormarsch über die untere Matz fort, mußte aber vor sehr überlegenen Kräften Fochs ans Ostufer zurückgehen. Erneut verstrich seit 13. Juni eine sehr lange Pause fast kampflos, nur hier und da gelang den Alliierten ein mit großen Opfern erkaufter bescheidener Geländegewinn der Gegenstöße.
    Staunenswert ist die rasende Schnelligkeit, mit der die deutschen Sturmmassen am 27. Mai nach kurzer heftiger Kanonade schon um halb 5 Uhr früh bis Missy ihren Siegeslauf durchsetzten, die Ailette überschritten, den Damenweg in seiner ganzen Länge erklommen und die Franzosen bis über die Aisne warfen, ohne daß den Fliehenden ein Zerstören der Übergänge gelang. Boehns Linke hatte abends die Aisne hinter sich, die Engländer von Corbeny über Berry ans Ufer der Vesle verjagt und bis Sappigneul verfolgt, wo die Rechte der Armee Fritz Below (Korps Ilse) eingriff. Hier war wieder wie so oft im Weltkrieg ein zentraler Durchbruch erfolgt, durch den alles nördlich Stehende der alliierten Linie im Rücken gefaßt wurde. Soissons selbst behaupteten die Franzosen noch bis 29., wo Wichura die Stadt erstürmte, über Fort Condé und Vregny–Vailly vordringend. Die Franzosen hatten auf ihrer Linken sich einen Tag länger als die Engländer gehalten, die sofort überrannt und weit über die Aisne und Vesle zurückgeschleudert wurden. Freilich darf man nicht übersehen, daß dies lauter im April abgekämpfte Divisionen waren, die man seltsamerweise nach der Aisne, wo man sich keines Überfalls versah, ins »Ruhequartier« verlegt hatte. Die kurze Ruhe kam ihnen teuer zu stehen! Foch warf zwar gegen den Angriffsflügel der 1. Armee zahlreiche Reserven vor, doch konnten bis 1. Juni die Nordwestforts von Reims nicht mehr gehalten werden. Boehns Linke drang über Fismes, Hauptquartier der alliierten Aisne-Armee, immer weiter südöstlich bis Dormans vor, während die Mitte und bisher etwas verhaltene Rechte ins nördliche Ourcqtal nachstießen. Dieser Sturmlauf von fünf Tagen über Ailette, Aisne, Vesle bis an Ourcq und Marne zählt zu den erstaunlichsten Leistungen des ganzen Weltkriegs. Überhaupt gehörte der Hauptsieg überall dem Kronprinzen. Das heben wir um so mehr hervor, als die Pariser Presse, die es stets auf diesen Heerführer abgesehen hatte, als ob sie ihn besonders fürchte und daher diskreditieren wolle, später beim Juli-Erfolg Fochs heulte: der Kronprinz habe jetzt zum zweiten Mal wie vor Verdun versagt, das eine so unwahr wie das andere. Die Operation stellte sich bisher völlig als strategischer Zentrumsdurchbruch dar und wir unterstreichen wiederum hier, daß der zentrale Stoß sich auch taktisch als erfolgreichste Form erwies.
    Übrigens übte Wirkungsschießen deutscher Artillerie bei all diesen Erfolgen wenig Einfluß. Auch den ungestümen Einbruch Quasts in das morastige Kanalgewirr ging nur vierstündige Kanonade voraus, dem an der Aisne nur dreistündiger Feuerwirbel mit Vergasung und Minenexplosionen. Dynamik überraschend eingesetzter lebendiger Kräfte erwies sich überall dem »Materialkrieg« überlegen. Wenn französische und englische Chirurgen feststellten,

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