Bismarck 04
dagegen 6., 4. genügend stark gewesen, so war gerade das Ergebnis nahegerückt, was L. wünschte: Aufrollen nach Norden. Griff Byng an, wozu er schwerlich im Stande war, um den Druck von 2., 6. A. auf Bapaume und Lens zu mildern, so waren Belows Brave Mannes genug, ihn zu fesseln. Das zeigten sie nachher, als sie am längsten von allen sich zwischen Cambrai und Valenciennes behaupteten. Selbst das mangelhafte Ergebnis der Märzschlacht brauchte aber den durch Hutier erzielten mehr noch strategischen als taktischen Gewinn nicht zu mindern. Gewiß wäre es erwünscht gewesen, den Bahnknotenpunkt Amiens in die Hand zu bekommen, rein taktisch war aber Amiens nichts weiter als eben eine Bahnstation. Der Besitz von Moreuil und Hangard genügte, um die unter Kanonade liegenden Bahnstrecken unbefahrbar zu machen und zu Transportumwegen zu zwingen. Trennung der Briten von den Franzosen war ein politischer Gesichtspunkt von geringem militärischem Wert, die strategische Hauptsache vielmehr, daß überhaupt ein Zerschneiden der Feindesfront stattfand. Das geschah durch Hutiers Aufstellung an Avre und Südoise genügend, sie unterbrach die Ost- und Nordfront der Verbündeten, flankierte in der Luftlinie zugleich Amiens und Aisne. Bei solcher Bewandtnis hätte sich Lud. kurz resolvieren sollen, fortan die Front der 2., 17. A. als bedeutungslos zu betrachten. Verlust von Amiens zog Bedrohung von Paris nicht dringender nach sich als Vorstoß bei Semlis-Creil, deshalb wäre richtiger gewesen, von jetzt ab den Stoß ganz südlich zu richten, höchstens Scheinangriffe an der Ancre fortzuführen, die den Feind bis zur Anhäufung übermäßiger Kräfte beunruhigten.
L. sagt denn auch, daß er »den so überaus schweren Entschluß« faßte, »den Angriff auf Amiens endgültig einzustellen«. Das trifft indessen nicht zu, denn noch am 24. April wagte Marrwitz einen nutzlosen Versuch. »Es war einwandfrei erhärtet, daß der feindliche Widerstand stärker war als unsere Kraft.« Dies soll sich auch auf 18. A. beziehen, kam aber nur für deren Rechte in Betracht. Blickt man auf frühere Schlachten zurück, stimmt solches Bekenntnis peinlich. Doch sahen wir nicht, daß schon Bülow bei Charleroi, Mudra bei Longwy ähnlich dachten und sowohl die Spannkraft ihrer Truppen als die Zerrüttung des Gegners unterschätzten. Am 26. März sprach ein Kriegsrat im Beisein von Lloyd George schon über Räumung von Paris! Trotz allem »eisenharten« Willen Fochs ist schwer zu glauben, daß man im April nirgends mehr ordentlich nach Süden vorwärts kam, zumal erwiesenermaßen noch viele Reservedivisionen intakt waren. Förster spricht von deren Übermüdung durch Bahnfahrt und schlechte Unterkunft! So weit war es mit den Überwindern jeder Unbill in Rußland, bei Ypern, in der Winterschlacht gekommen? Griffen nicht schon 1870 wiederholt Truppen unmittelbar nach Gewaltmarsch ein? Tatsächlich hatte man sich zu entscheiden, ob man ganz im Süden oder ganz im Norden gewinnen wolle. Letztere Operation war schon verpfuscht, die Reserven standen alle südlich, 15 Div. mehr (siehe früher) an der Lys konnten nichts Großes entscheiden, ein nördlich kombinierter Angriff von 17., 6. A. blieb aus, Belows fruchtloses Anpacken von »Mars« (nördlich der Scarpe) schreckte ab. Mag man über dies alles denken, wie man will, so mußte doch der in seiner Größe überraschende Aisnesieg, würdiges Seitenstück zu Hutiers Erfolgen, jedem Zweifel ein Ende machen. Hier war durch unerwartete Entwickelung der Entschluß gegeben, fortan nur noch im Süden sein Heil zu versuchen. Schulter an Schulter mußten Hutier und Boehn diesen gewaltigen strategischen Zentrumstoß erweitern. Die stürmische nachhaltige Tapferkeit der Truppen hätte das übrige getan. Dazu gehörte aber eine volle Umgruppierung, d. h. Verdünnung der zwecklos festgerannten Massen der 2., 17. A. Zum großen Ärger Prinz Rupprechts gab Lud. zwar weitere Offensive nach Westen auf und beschränkte sich auf passives Verharren in der eroberten Stellung, verfiel aber auf den unglückseligen Gedanken, sein Licht an zwei Enden anzuzünden, indem er jetzt auch zwischen Reims und Ripont angriff, doch keineswegs Massen der 2., 17. A. herauszog, um den Südangriff zu verstärken, sondern in gleicher Formierung vor der feindlichen Ostfront stehenblieb. Ein weiteres Anbrechen der Nordfront nördlich und südlich der Lys hätte jetzt nur noch Zurückbiegen Haighs nach Dünkirchen veranlaßt, was vielleicht die
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