Bismarck 04
dies zunutze machend, am linken Oiseufer vorgingen, geriet die ganze französische Linie ins Wanken.
Buat spricht von einer besseren mittleren Stoßrichtung, indem er Below als Zentrum auffaßt, vergißt aber, daß die zusammenhängende Front des Kronprinzen und des Prinzen Rupprecht ihr Zentrum in Hutier hatte, der rechts und links unterstützt werden konnte, was bei Below nicht so der Fall war. Daß Ludendorff den Angriff sonst im April südwärts einstellte, kann an sich nicht getadelt werden. Denn die Truppen bedurften dort nach so großer Anstrengung einiger Ruhe. Dafür verlegte er jetzt den Stoß zur 6., 4. A. im Norden. General Quast setzte sich rasch in Bewegung und erreichte bald genug Bailleul, die Portugiesen auseinandersprengend und die englische Ypernarmee flankierend, die schon am 12. vor Armin bis Ypern wich. Nur rechtzeitig per Bahn abgeladene französische Reserven setzten der Aufrollung ein Ziel. Auch dies war ein großer, doch nicht entscheidender Erfolg. Obwohl 53 englische Divisionen verbraucht waren, wehrte Haigh sich noch zwischen Bassée-Bethune und in einer Art Brückenkopf nördlich der mittleren Lys und trommelte in England die letzten Ersatztruppen zusammen. Lloyd Georges Erinnerung an Waterloo zeigt, wie schwarz man sich die Lage malte. Die Hälfte aller französischen Kräfte war gleichfalls verbraucht, hätte L. besser disponiert. Marrwitz' Stoß aufs äußerste gefördert, den Belows unterlassen, bis er ihn mit dem Quasts und Armins kombinieren konnte, so war Entscheidung da. Die deutschen Verluste seien bisher erstaunlich gering gewesen, wird offiziell gesagt und Einzelquellen bestätigen es. Besonders die Gasgranaten hatten den feindlichen Widerstand anfangs überall schnell gebrochen. Indessen schienen jetzt auch 4., 6. A. vorerst abgekämpft. Das sonstige Gefecht blieb stationär zwischen Arras–Amiens–Montdidier. Buat behauptet, Ludendorff sei zu wenig sparsam mit seiner Infanterie umgegangen, wir sehen jedoch kein Anzeichen für zu verschwenderische Ausgaben der Angriffsdivisionen. Starke Reserven waren nötig, den Angriff fortzusetzen, aber B. empfiehlt ja selbst, L. habe neue Angriffe gegen andere Stellen beginnen sollen, um die letzten französischen Reserven dorthin zu locken.
Das tat er denn auch an der Aisne, wo die französische Front dünner und nur durch abgekämpfte englische Divisionen ergänzt war. Auch das geschah auf Antrag des Kronprinzen. Der Erfolg gab ihm Recht und die Betrachtung Buats, daß man auf solchem Wege nicht der Entscheidung näher rückte, machen wir nicht mit. War es denn eine Kleinigkeit, die Zentrumlücke derart zu erweitern, daß man zwischen Ourcq und Ch. Thierry unmittelbar Paris bedrohte? Allerdings war ein so großer Erfolg nicht vorauszusehen. Jedenfalls mußte aber dieser neue unvermutete Angriff die Reserven Fochs aufsaugen und so seine Front Amiens–Bassée schwächen. Wir sehen also keinen Unterschied zwischen dieser und der von Buat vertretenen Taktik. Gewiß sind wir der letzte, das Übergewicht des Strategischen über das Taktisch« zu leugnen, und ein Durchbruch bei Amiens oder Castel hätte den strategischen Zweck verfolgt, die Engländer von den Franzosen zu trennen und die Bahnbeförderung der Amerikaner lahmzulegen. Aber das ewige »wenn« setzt eben voraus, daß dieser Durchbruch damals, wo Foch seine ganze Hauptmacht in dieser Richtung vereinte, schon möglich war. Marrwitz' Kampf gibt aber dafür keine günstige Vorstellung. Ob dieser Vorstoß kürzer gewesen wäre, als der frühere im März und April, bedeutend kürzer als das folgende Vordringen des Kronprinzen, oder ob man dort eine noch nicht gefestigte Linie ohne rückwärtige Einrichtung traf, warum konnte dann die allmählich verstärkte 2. A. nicht durchdringen, nachdem Marrwitz vermutlich den richtigen Anfangsaugenblick zögernd verpaßte? Sollte man etwa neue Massen auf beschwerlichem Weg dorthin werfen? Auch dann blieb Erfolg zweifelhaft. Da kann man L. nicht verdenken, daß er lieber einen sicheren taktischen Sieg an anderer Stelle suchte und sich erneuten Angriff der 2., 18. A. für später vorbehielt. Ernster freilich klingt die Frage, warum er bis Ende Mai pausierte, auch im April wesentlich nur 6., 4. A. fochten, während es dringend in seinem Interesse lag, den größten Märzsieg schleunigst auszubeuten, ohne daß die Verbündeten sich erholten und neue amerikanische Reserven anlangten. Jede stichhaltige Begründung bleibt L. uns schuldig. Die
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