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Bismarck 04

Bismarck 04

Titel: Bismarck 04 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl Bleibtreu
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Truppen waren gehobenen Mutes und man konnte von ihnen damals noch viel erlangen. Da man sie aber mit der Hoffnung bezauberte, ein großer Sieg werde raschen Frieden bringen, mußte das plötzliche Stilliegen nachteilig auf ihre Stimmung wirken. Das alte Unkenlied: Zu spät! gellt uns auch hier in den Ohren. Ende April hätte der Aisneangriff mit der frischen A. Boehn viel schneidendere Folge gehabt. Nahm man schon damals Spuren moralischer Zersetzung bei den bisherigen Angriffsheeren wahr? Das wird bestritten, jedenfalls wurde nichts offen bemerkbar und Fortsetzen erfolgreichen Angriffs war das sicherste Mittel, dem vorzubeugen. Wartete man auf großen Munitionsersatz? Alle Schäden, unter denen ein Sieger leidet, macht der Besiegte dreifach durch, die Verbündeten befanden sich nach eigener Aussage in furchtbarer Zerrüttung und staunten über Nachlassen deutscher Angriffe. Was immer er zur Rechtfertigung vorbringen könnte, diese April-Mai-Pause bei 17., 2., 18. A. wird ihm wohl nachträglich das Gewissen beschweren, denn unter allen Umständen war Beschleunigung der Offensive geboten. Doch erst Ende April erhielt der Kronprinz Befehl, sich vorzubereiten. Seine Aufgabe war schwerer als die bisherige der anderen Heere, denn ob auch schwächer besetzt, war die französische Stellung längs dem Damenweg und Bergwald von Reims viel stärker als anderswo. Die Vorbereitung nahm ungebührlich viel Zeit in Anspruch, der Kronprinz soll der Angriffsrichtung widerstrebt haben. Sicher wäre es auch richtiger gewesen, vorerst nicht am Damenweg anzurennen, sondern nur mit Boehns rechtem Flügel in Richtung Compiegne vorzubrechen, was längst im April hätte geschehen sollen. Diesen allein vollberechtigten Tadel äußert Buat nicht.
    Komisch klingt aber seine sachliche Schmähung, das deutsche Heer hätte nur noch leichte Angriffe durchführen können, keine auf gut bewachte Fronten, unfähig auch zu ruhiger stoischer Verteidigung, man habe ihm nur so noch den Glauben an Siegmöglichkeit einflößen dürfen. Rechnen wir an, dies sei wahr, in welchem Zustand befanden sich da wohl die Verbündeten! Sie waren in der Tat zu keiner Verteidigung mehr fähig, das bewies der unerhörte Sieg des Kronprinzen. Denn es ist wirklich unerhört, in einem einzigen Anlauf das ganze Plateau des Damenweges zu nehmen und erst bei Ch. Thierry haltzumachen, während Fritz Below bis in den Westrand des Reimser Bergwalds drang. Dieser trat jetzt 1. A. an Mudra ab und übernahm 9. A., die neu umgruppiert aus K. Woyna, Watter, Staabs, Hofmann bestand. Bei 7. A. treffen wir nicht mehr Larisch, dafür K. Schöler (Hutier), Kathen (Marrwitz), Borne (Below). Es waren also 3 Heergruppen von anderen Heeren losgelöst, eine in Reserve ausgeschieden. Die Deutschen standen wieder fast so weit südlich wie in den Tagen vor der Marneschlacht. Daß Hutier keinen zeitlichen Zusammenhang mit Boehns Vorsturm erstrebte, verspätet durch Fochs starken Gegenangriff zum Stehen kam, war sehr unerfreulich. Jene Gleichzeitigkeit der Angriffe, auf welche Joffre stets so großen Wert legte, hielt L. sie für unnötig oder vermochte er nicht, sie durchzuführen? So hatten jetzt 9. A. und K. Winkler und Schöler die peinliche Aufgabe, die von Hutier noch nicht gesicherte rechte Flanke zu decken mit Front nach Westen, während Kathen, Wichura, Conta, Schmettow, Borne östlich und südöstlich gerichtet, eine unangenehme Lage. Nördlich schlossen K. Ilse und Lindequist an, während Mudras K. Gontard (von Marrwitz) und Langer nebst K. Krug, Endres, Hohenborn, Kleist in der Champagne Einems Angriff vortragen sollten. Daß man jetzt das Gewicht wieder weiter weg an andere Stelle verlegte, wäre an sich noch nicht fehlerhaft zu nennen, wie nachher unberufene deutsche Kritiker den Angriff auf Reims sogar als Todsünde ausschrieen. Durch Verrat deutscher Überläufer war dem Feind bekannt geworden, daß die Armeen Boehn, Fritz Below, Einem zu neuem Angriff ansetzen wollten. (Armee 5 östlich von Einem wird wohl irrig mitgerechnet; sie scheint vorerst nicht mitgewirkt zu haben.) General Gouard schickte sich an, unter elastischer Aufgabe seiner Vorderlinie auf Prosnes–Perthes zurückzufallen, während Berthelot zwischen Marne und Reims dem Feind den Zutritt in den »Reimser Berg« zähe verwehren wollte. Es standen 40 französische, 12 andere alliierte Divisionen bereit, den Anprall aufzufangen, der sich wohl konzentrisch auf Chalons richten sollte, ein Teil Boehns jenseits

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