Bismarck 04
herangezogen. Erneut entbrannte der Kampf nunmehr seit 21. auf der Front der Armee Mangin und der französisch-amerikanischen Gruppe des Generals Desgouttes sowie weiter im Osten der Armee Mitry. Längs der Straße Cotterets–Soissons scheiterten nach anfänglichem Gelingen alle Angriffe Mangins viermal. Die Gruppen Watter, Staabs, Winkler, Schöler machten ihre Überrumpelung wieder gut, die noch frischen K. Hofmann und Etzel eilten herbei. Indessen war man doch genötigt, die südlich der Marne aufgebauten Truppen unbemerkt ans Nordufer zurückzunehmen. Fruchtlos fegten Fliegerbomben und Trommelfeuer den Wasserspiegel, der ans Ufer rennende Verfolger traf nur zerstörte Stege und von Condé her platzende Granaten, die ihn verscheuchten. Der Feind mochte dies als Erfolg auffassen, aber man begreift, daß angesichts des Höchstmaßes der vorgeführten Massen Fochs ein Verweilen am Südufer nicht tunlich war. Wir setzen dabei voraus, daß keineswegs die Absicht bestand, eine Generaloffensive durchzuführen, sondern nur durch den Keilstoß die ganze Aufmerksamkeit des Feindes dorthin zu lenken. Die eigentliche Absicht war, westlich, und östlich von Reims in Richtung Epernay und Chalons einen Bruch zu üben, hierdurch den Reimser Berg zu isolieren.
Die französische 8., 40., 51., 124., 132. Div. verloren dort an Gefangenen gleich anfangs rund 8350 (8. am meisten), die 8. italienische 3680. Dazu kommen bis 17. abends an anderen Stellen noch 5500 französische, 250 italienische, 233 amerikanische, Summa 18 000 (410 Off.). Da bis 19. noch mehrere Tausend hinzutreten, kann auch Fochs Vorrücken an der Marne nirgendwo durchschlagend gewirkt haben, während auf der von Noyon über Soissons–Villers Cotterets–Neuilly südwärts laufenden Zwischenlinie nur einige Höhenwellen südwestlich Soissons von Foch errungen wurden. Die neue deutsche Linie Condé–La Chapelle südlich der Marne hätte schwerlich schon die Kraft besessen, sich weiter südlich zum Morintal vorzubauen. Es kam lediglich darauf an, dem Feind solchen Durchbruch vorzuspiegeln. Immerhin zogen die Franzosen am 21., 22. in Chateau Thierry wieder ein, wo die K. Kathen und Etzel sich besonnen unter schmerzlichen Blutopfern aus ihrer Winkelklemme loslösten, nachdem Boehn die Südwestecke des Angriffskeils und den südlichen Brückenkopf aufgab, und behaupteten 20 000 Gefangene erbeutet zu haben. Bei Hartennes und Thierry brach sich das Nachstoßen an einer Posener und einer Hannoverschen Division. Moralische Schlappe? Nur in Meinung der Entente. Es ist möglich, daß viel Gefangene verloren gingen (angeblich am 22. neuerdings 6000) und 700 Gesch. stehen blieben, aber die lächerliche Angabe, Armeegruppe Gouard habe beim ersten deutschen Vordringen am 15. nur 4000 Mann verloren, zeigt die geringe Glaubwürdigkeit solcher Ziffern. Wenn behauptet wird, der deutsche Rückzug über die Marne sei rechtzeitig bemerkt und mit »riesigen« Verlusten begleitet worden, so widerspricht dies so sehr der ausdrücklichen deutschen Darstellung, daß hier wirklich einer von beiden kraß gelogen haben müßte. Übrigens schrumpften obige angeblich 50 Divisionen in späterer Ententemeldung auf 30 ein, denen sich 7 Reservedivisionen am 21. zugesellt hätten! Später hieß es dann wieder, der Kronprinz habe 54 Div. in der Front gehabt. Lauter Widersprüche. Zugleich erfolgte aber Warnung der Pariser Presse vor Armee Hutier, die auf neuen Angriff lauere. Dieser mußte umso wirksamer werden, je mehr Foch seine Massen ostwärts gegen Soissons verausgabte. Am 22. mußten zwei amerikanische Divisionen kampfunfähig aus der Front gezogen werden, ebenso die 57. Marokkaner Division. Allerdings war jetzt die Lage Boehns schwierig, doch die Fochs mußte sich umsomehr verschlimmern, wenn Hutier in seinem Rücken vorstieß! Beiläufig konnte Fortsetzen des deutschen Angriffs über Chateau Thierry strategisch nicht mehr ernstlich beabsichtigt sein, da von dort Bedrohung von Paris längs der mittleren Marnesehne kaum möglich war. Nichtsdestoweniger schwelgte die Ententepresse in überschwänglichen Zukunftshoffnungen und prahlte eine »zweite Marneschlacht« aus. Tatsächlich stand das Gefecht der Armee Berthelot östlich von Reims keineswegs günstig für die Franzosen, Armee Mitry westlich davon hob zwar den Druck auf Epernay auf, dem sich auch Armee Einem schon halbwegs näherte. Erst am 23. besetzte Berthelot freiwillig geräumte 7 km . Denn Boehns Linke hatte bei Dormans
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