Bismarck 04
furchtbarer Wirkung. Desgouttes' Amerikaner fielen in Masse vor Tardenois, das die Garde bis 30. festhielt, erst am 2. August hatte Mangin das planmäßig geräumte Hurtennes, an dem er sich fünf Tage lang die Zähne ausbiß. Jetzt erst zogen Chasseurs des Generals Guillemont in Soissons ein; die Deutschen lagerten verschanzt hinter Aisne und Vesle zwischen Vregny und Fismes. Schon begann das Siegesgeschrei in Paris zu verstummen, schon erhoben sich neue Stimmen für baldigen Frieden.
Foch hatte bisher 52 französische, 5 alliierte und später noch 3 englische Divisionen zur eigentlichen Offensive eingesetzt und diese offenbar ständig vermehrt. Daß 54 oder gar 60, ob auch schwächere, deutsche hierdurch zurückgedrängt seien, ist natürlich unmöglich, das Zahlenverhältnis muß sehr zugunsten Fochs gelegen haben. Wahrscheinlich rechnete man Reserven mit, die noch gar nicht im Kampfe standen. Nur in diesem Sinne stimmt, daß »62 D. in Bewegung waren« (Bayr. Kr. Arch.). Auch sickerte durch, Prinz Rupprecht habe 100 Divisionen in der Front und dahinter noch große Reserven!
Jedenfalls war die ganze französische Hauptmacht abgekämpft unter Verlusten, die teilweise wohl sicher denen jener Nivelleschen Schlächterei Mitte April 1917 gleichkommen, wo das 1. Korps bei Craonne zwei Drittel, das 7. bei Brimont-Reims zwei Drittel an einem einzigen Tage einbüßten für Gewinn von ein paar Kilometern. Da aber die neue österreichische Offensive an der Piave gescheitert war, so hob sich in Italien der traurig gesunkene Mut, auch langten dort amerikanische Verstärkungen an. Aber es war den Alliierten nicht geheuer dabei, man erwartete neue Offensive unter deutschem Kommando. Die russischen Verhältnisse waren zwar immer noch verworren, immerhin besänftigten sich die polnischen und sonstigen Überpatrioten in den Randstaaten, Ukraine und Krim konsolidierten sich als deutsche Schutzstaaten. Die gegenrevolutionären Putsche in Moskau verliefen übel, von Ermordung des deutschen Gesandten Mirbach und des Exzaren begleitet. Nur die tschechoslowakischen Überläufer und Gefangenen führten einen Bandenkrieg, zu dessen Nährung in Sibirien die Japaner und Chinesen einige Hilfstruppen vorrücken ließen. Es scheint, daß die deutschen und österreichischen Gefangenen, seit lange bewaffnet, auf Seite der Bolschewiki dort kämpften. An der Murmanküste bei Archangel nisteten sich gelandete Ententetruppen ein, ohne daß rote Garden sie vertreiben konnten. Es fiel also Deutschland die Aufgabe zu, gemeinsam mit Finnland diese Küste zu besetzen; Ermordung des Feldmarschalls Eichhorn in Kiew bewies, wozu die Söldner der Entente fähig waren. Jedenfalls blieb die Ausdehnung unserer Okkupation zu weit gedehnt, da sich sogar im Kaukasus deutsche Truppen befanden.
Armee Boehn nahm bis Anfang August eine Verstärkung ihrer Front vor, was zu allerlei Nachhutgefechten führte, wobei Ost- und Westpreußen sich auszeichneten. Bis 3. August machten die Franzosen einige Fortschritte auf der Straße Dormans–Reims sowie im Tardenois. Unser Gefangenenverlust seit Ende Juli stieg angeblich auf 40 000, was sich aber bald auf 35 000 in späterer Meldung verminderte. Eine gewisse Niedergeschlagenheit bemächtigte sich vieler Flaumacherkreise im deutschen Publikum und die Verhältnisse in Rußland schienen sich zu verschlimmern, zumal die Japaner nun endlich ihre Intervention in Ostsibirien in Szene setzten. Aber noch wachten Hindenburg und Ludendorff über Deutschlands Schicksal und die gefürchteten neuen Schläge hoben an, wie Haigh glaubte. Es war hohe Zeit. Denn die Amerikaner landeten mit Macht. Foch soll hier nach deutscher Angabe 1½ Millionen Streiter aufgeboten haben, was etwa 100 Divisionen nebst Artillerie entsprechen würde und daher zu viel erscheint, da sonst nur etwa 90 alliierte Divisionen auf der ganzen übrigen Front bis Arras verfügbar geblieben wären. Daß er davon neuerdings zwischen 10 und 20 % verlor, ist glaublich, da er sehr schwere Verluste hatte, »150 bis 200 000« ist zu wenig, aber sie dürften doch wohl unter »300 000« betragen haben. Die allzu hitzigen sechs amerikanischen Divisionen verloren 32 000, also wohl relativ am meisten. Die französische Sanität versagte wie gewöhnlich. Nur der berühmte Überfall bei Cotterets war spottwohlfeil gewesen, wohlfeil auch in anderer Hinsicht. So unerfreulich für deutsche Truppen, denen man solche Seitenstücke zu »Athis« oder »Beaumont« nicht zugetraut
Weitere Kostenlose Bücher