Bismarck 04
hätte, zumal sie selber sich warnten, der Großwald stecke voll Franzosen, verschwor sich die Natur selber gegen uns. Hochkircher Nebel und Regenschleier a. d. Katzbach vereinten sich, Donner übertönten das Prusten der Tankwalzen, nur diese unberechenbaren Zufälle ermöglichten Mangins Erfolg. Ludendorffs eigene Einbußen hielten sich in mittlerer Höhe und schränkten sich beim Rückzug immer mehr ein, wie die Gegner zuletzt kleinlaut zugestanden, nachdem sie wieder mal von enormen deutschen Verlusten gefabelt. Nimmt man Differenz von 2. b. zu 11. b. zur Grundlage (700:4000), so betrug der Verlustdurchschnitt wieder nur 2500 pro D., also 175 000 auf 70 ernst fechtende D. einschließlich Gef., bei denen viel Schipper, in Getreidespeichern versteckte Grippekranke und Überläufer, mit der Waffe in der Hand ergaben sich nur wenige. Der letzte Rückzug über Fismes kostete nicht einen einzigen Mann! Besonderes Lob erwarben die Lastkraftwagen, die kolonnenweise allen Schießbedarf und Proviant herbeitrugen, da die Bahnlinie hinter der Aisne spärlich und im eroberten Gebiet zerstört. Schwere Artillerie traf schon bald in der Vorderlinie ein, sie war ohne Einbuße über die Aisne zurückgeschafft. Die Armee Mitry (am Kemmel durch amerikanische Ersatz-Divisionen abgelöst) folgte äußerst vorsichtig, Berthelot kam kaum vom Fleck, die Armeen Desgouttes und Mangin bezeichneten ihr Fortschreiten am äußersten linken Flügel durch eine endlose Blutspur, alle Kornfelder lagen voll Leichen. Daß jene allein gefährlich schienen, bewies das Herumschwenken eines großen Teils von Boehns Artillerie, die anfangs ostwärts (Richtung Epernay) feuerte, nach Westen. Das Ganze ergab sich nach dem ersten Taumel als ein »Sieg«, dessen die Entente nicht froh werden konnte. Indessen hatte Hindenburg auch am Avretal und an der Ancre bei Albert eine rückwärtige Frontverkürzung angeordnet. Alles wies darauf hin, daß sein Hauptstoß wieder an der Lys und Yser erfolgen werde, wo seit so lange nur heftige Artillerietätigkeit herrschte. Zur Hebung der gedrückten Stimmung in Deutschland mußte etwas geschehen, zumal wöchentlich neue amerikanische Divisionen landeten.
Aus den Klagen über französische Sanität geht hervor, daß die Schlächterei groß war. Nun sind tatsächlich nördlich der Marne 47 französische, 8 alliierte Divisionen eingesetzt worden, zu beiden Seiten von Reims 18 französische und 3 alliierte, zusammen 76, während möglichenfalls 24 andere in Reserve blieben. Daß man letztere aufsparte und Foch hauptsächlich die Bundesgenossen opferte, wird allseitig berichtet. Die »schwarzen« Divisionen litten hier noch mehr als die Amerikaner, die zwei italienischen wurden kampfunfähig. Rechnen wir also sehr niedrig für etwa 30 Angriffsdivisionen nur ein Drittel Verlust und für alle übrigen 46 nur je 2500, so kommt ein Verlust von 265 000 für die Julischlacht heraus, was wohl stimmen wird, da auch die Kavallerie litt. Diese sollte wieder mal »verfolgen«, wurde aber im Reimser Gebiet bei solchem Versuch in alle Winde zerstreut, auf dem Weg nach Soissons konnten zwei Kav. Divisionen dem Befehl zum Einhauen nicht nachkommen, durch Kanonade gefesselt. Das taktische Ergebnis war keineswegs erfreulich für Foch, den man zum Marschall beförderte. Die Manöver Mangins und Mitrys hatte er gut geleitet, wie auch Ludendorff anerkannte. Doch im Grunde hatte er nur erheblichen Raumgewinn – von südlich der Marne bis Fismes in der größten Tiefe 40 Kilometer – äußerlich erzielt, die Deutschen in eine bessere Verteidigungslinie zurückgetrieben, deren Verkürzung ein Dutzend Div. freimachte.
II.
Im Einzelnen nahmen die Kämpfe einen eigentümlichen Verlauf. Bei 3. A. war jetzt das Münchner K. unter General Endres südwestlich Sommepy vereint neben 30. Els. D., hier donnerten 41 schwere Batterien, 240 D. folgte als Rückhalt. Obschon die 15er den Kirchhof von Souain eroberten und 9. Art. auf der Tahurechaussee unerschrocken auffuhr, blieb die 2. fr. Linie unangetastet, Einbringung von 500 Gef. erkaufte das K. mit 2200 Verl. Bei Navarinfarm hielten Einems 88. und Garde Kavallerie-Schützendivision mit Mühe aus gegen die Front des fr. 21. K. (3, später 5 D.), auch hatten 30., 228. D. und die hierher versetzte 7. R. D. bei Massiges nur Anfangserfolge. Bei 1. A. erreichte ebensowenig 15. b. D. (30., 31., 32.) an der Römerstraße Reims–Prosnes, obschon auch hier 7. Art. sich heroisch weit vorn
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