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Bismarck 04

Bismarck 04

Titel: Bismarck 04 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl Bleibtreu
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aus, wo Foch eine große gesammelte Übermacht entgegenwarf. Nichts geschah, ihn daran zu hindern, denn 18., 2., 17. A. pausierten.

VII. August-Unglück
I.
    Die Offensive der 9., 7., 1., 3. A. endete also mit weitläufigem Rückzug, doch sind wir nicht gesonnen, die französische Darstellung geduldig hinzunehmen, da sie ähnlich wie bei der ersten Marneschlacht sich in nachweislichen Unwahrheiten ergeht, ohne daß wir deshalb Ludendorffs eigene Ausführungen für uns pachten möchten. Daß er schon am 16. mittags den kaum begonnenen Angriff abzubrechen beschloß, halten wir für unrichtig. Man befiehlt nicht am 16. Abzug für 20. nachts über die Marne. Auch östlich Reims focht man noch lange. Daß Generaloberst v. Einem dort die zweite feindliche Linie nicht brechen konnte, ist wahr, von »vollständigem Mißerfolg« kann aber keine Rede sein. In welcher Form die frühere Armee Mudra an den Argonnen östlich eingriff, ist nicht ersichtlich, die noch östlicher versetzte A. Gallwitz tat gar nichts, zu beiden Seiten von Verdun beobachtete man sich nur. Zwischen Dormans und Reims fochten Hälfte 1. und Hälfte 7. A. bis 2. August fort und gingen erst dann hinter die Vesle zurück, als Boehn und Below den Schutzgraben der Aisne zwischen sich und den über Ch. Thierry nachstoßenden Feind bringen mußten. »Die Verluste waren bedeutend«, an dieser ziemlich bescheiden gefaßten Wendung Buats zweifeln wir an dieser Stelle nicht, niemand wird uns einreden, daß Abzug aus dem Brückenkopf von Thierry ohne erhebliche Opfer zu bewerkstelligen war. Indes ist ebenso sicher, daß das kriegshistorisch von 1814 her wohlbekannte Nordufer dem Abzug eine gute Deckung gewährte. Ob schon hier peinliche Symptome von Erschlaffung und moralischem Niedergang im kampflosen Ergeben und Überlaufen ganzer Abteilungen auffielen, wie die Fama munkelt, wissen wir nicht. Bei Polen in Posener Regimentern könnte man dies schimpfliche Betragen freilich voraussetzen. Obschon in ziemlicher Unordnung, erfolgte der Rückzug trotzdem ohne ernstlichen Nachteil, keine Abteilung wurde abgeschnitten, nicht mal im Ourcq-Winkel, das Vorbrechen Mangins aus den Wäldern von Cotterets gegen Boehns rechte Flanke, das Buat schon im Juni betonen möchte, wurde offenbar von der 9. A. genügend aufgefangen und vorerst grausam abgeschmettert. Die 7. A. hielt Soissons und die Aisneufer noch fest, die 1. wurde so wenig gedrängt, daß sie noch bei Fismes verweilte. Man denke an Klucks und Bülows kopfloses Ausreißen am 12. Sept. 1914, die damals einen doppelt und dreifach so weiten Rückzug ihren siegreichen Truppen zumuteten. Nur weil Unwissenheit und Parteilichkeit keine Vergleichsperspektive kennen, kann man diesen durchaus anständigen Abzug als Niederlage auffassen. Wohl aber hatte die unvorsichtig angelegte Operation allen Offensivplänen ein Ende gemacht und das war Ludendorffs eigene Schuld. Hätte er methodisch gearbeitet und vorerst 1., 3. A. zurückgehalten, dagegen mit der neuverstärkten 9., 7. A. allein zwischen Compiegne und Thierry den Feind über Ourcq und Marne gedrängt unter Mitwirkung der Linken Hutiers, so wäre seine Oisefront ungemein gefestigt worden, ohne daß irgendwie Rückschlag zu befürchten war. Denn eine Offensive der A. Mitry und Berthelot aus dem Rheimser Bergwald hätte sich an der noch frischen 1. A. gebrochen und es kam lediglich darauf an, Mangin und Desgouttes zu schlagen, welch letzter 6. Armee nach ihrer furchtbaren Niederlage zwischen Aisne und Marne sich vorerst in wenig beneidenswerter Lage befand. Warf aber Foch so viel Reserven dorthin, dann mußte eben Hutier erneut mit ganzer Kraft vorbrechen und entweder so den Keil zwischen Oise und Amiens erweitern oder diese Reserven wieder auf sich abziehen. Natürlich ist bei 18. A. und der Heeresfront Rupprecht passiv weiter gewurstelt worden, im Ganzen aber hat man zwischen 13. Juni und 4. Aug. dort einfach die Hände in den Schoß gelegt. War der innere Zustand dieser Truppen schon ein derartiger, daß man ihnen keinen Angriff nach so viel Ruhepausen zumuten durfte? Nichts berechtigt zu solcher Anschauung. Die einzige Erklärung wäre, daß L. jedes Opfer scheute, wenn er nicht einen taktischen bestimmten Erfolg voraussah. Wenn die Legende ihm also »Büffelstrategie« und wüstes Draufschlagen andichtet, so begeht sie eine ihrer üblichen Falschheiten. Ach nein, das Gegenteil fällt ihm zur Last, daß er nicht begriff, wie strategisch in diesem Falle

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