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Blutsverwandte: Thriller (German Edition)

Blutsverwandte: Thriller (German Edition)

Titel: Blutsverwandte: Thriller (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jan Burke
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Ich trat aufs Gas und wirbelte eine riesige Staubwolke auf. Als ich ein leises Ploppen hörte, dachte ich, sie schösse auf die Reifen.
    Im Seitenspiegel sah ich, wie der Mann leblos zusammensackte.
    Die Frau sah ihn nicht an.
    Sie starrte uns nach.

46. KAPITEL
     
    DIENSTAG, 2. MAI, 12:35 UHR ANTELOPE VALLEY
     
    Vielleicht starrte sie so, weil sie etwas wusste, das ich nicht wusste – nämlich dass der Feldweg nach einem kurzen Stück endete. Ich bremste und wich schlitternd aus, um nicht in einem ausgetrockneten Bachbett zu landen, wies Carrie brüllend an, sich festzuhalten und sich möglichst gut zu schützen, ehe ich wendete. Dabei glitt die Schiebetür zu und fiel ins Schloss. Wenigstens würde Carrie nicht hinausfallen.
    Ich musste den BMW unbrauchbar machen. Wenn die Bewaffnete in ihren Wagen stieg, könnte sie den Van mit Leichtigkeit einholen.
    Als ich erneut auf sie zufuhr, lächelte sie. Sie hatte die grö ßere Waffe aus dem Halfter gezogen. Vermutlich erwartete sie, dass ich mich einfach ergab, denn als ich mit dem Van auf sie zuhielt, zog sie eine verblüffte Miene. Vielleicht war es nur Wunschdenken meinerseits, doch ihre Hände schienen ein wenig zu zittern. Ich duckte mich, so tief ich konnte, hinters Lenkrad und hielt direkt auf sie zu. Sie hob die Waffe und schoss. Ein Regen von Glaspartikeln ergoss sich über mich, nachdem einige ihrer Schüsse die Windschutzscheibe zertrümmert hatten, und ich hörte das Pfeifen und den Aufschlag der Kugeln auf dem Metall, wo sie die Karosserie beschädigten. Trotzdem fuhr ich weiter und hoffte bei Gott, dass keine Kugel querschlug und Carrie oder mich traf.
    Das Erstaunen der Schützin machte einem Blick nackter Angst Platz. Mit einer ungeschickten Drehung hechtete sie vom BMW weg.
    Ich konnte mir nicht erlauben, den BMW auf eine Weise zu rammen, die womöglich den Van außer Gefecht gesetzt hätte, und ich wollte Carrie nicht verletzen oder gar umbringen, indem ich sie bei einem heftigen Aufprall hinten durch den Van fliegen ließ. Also bremste ich und kam schlitternd zum Stehen, wodurch eine noch dickere Wolke Staub hereinwallte. Dann manövrierte ich den Van so, dass sein Heck gegenüber der linken Vorderseite des BMWs war, legte den Rückwärtsgang ein und gab Gas.
    Es knallte laut, ehe ich wieder vorwärtsfuhr. Das Vorderrad des BMWs stand in einem hässlichen Winkel ab, und der Reifen war platt. Ich hatte eindeutig mehr Schaden angerichtet, als nur den Lack zu zerkratzen. Sehr schön.
    Wie von Furien gejagt raste ich davon.
     
    Sobald ich mir sicher war, dass ich genug Abstand zwischen die Schützin und uns gebracht hatte und wir fürs Erste außer Gefahr waren, hielt ich an und ging nach hinten zu Carrie. Sie hatte es alleine geschafft, sich die Decke vom Gesicht zu ziehen und sich aufzusetzen. »Es tut mir unheimlich leid«, sagte ich. »Bist du verletzt?«
    Sie schüttelte den Kopf. Tränen liefen ihr über die Wangen und über das Isolierband auf ihrem Mund.
    Ich sah mich um. Der Boden des Vans war übersät von Glasscherben und dem Inhalt meiner Tasche. Nur mein Handy lag leider draußen in der Wüste in der Tasche eines Toten.
    »Ich hole dich zu mir nach vorn, damit du dich nicht an den Scherben schneidest, und dann befreie ich dich von dem Klebeband, okay?«
    Sie nickte.
    Ich zog die Decke weg, worauf weitere Scherben herunterfielen. Wenigstens hatte die Decke sie vor dem ersten Schauer aus Windschutzscheibenteilchen bewahrt. Ich hob sie so vorsichtig wie möglich hoch, was in der Enge des Vans nicht ganz einfach war, doch wir schafften es zu den Vordersitzen. Dort stellte ich sie auf die Beine, fegte den Beifahrersitz frei und half ihr beim Hinsetzen, ehe ich sie anschnallte. »Nur für den Fall, dass wir überstürzt aufbrechen müssen«, sagte ich.
    Sie nickte verständnisvoll.
    Insgeheim fürchtete ich, die Schützin könnte irgendeinen Weg finden, uns einzuholen. Immerhin war sie bewaffnet und trug eine Polizeiuniform. Vielleicht würde sie jemandem ein Auto abpressen oder eine Abkürzung benutzen, von der ich nichts wusste.
    Ich fasste ins Handschuhfach und fand einen Erste-Hilfe-Kasten. Darin war auch eine Schere mit abgerundeten Enden.
    »Zuerst mache ich deine Hände frei, dann kannst du selbst den Rest ablösen«, sagte ich zu Carrie. »Ich will unbedingt noch ein Stück weiter weg von dieser Frau.«
    Carrie nickte heftig.
    Ich schnitt das Klebeband zwischen ihren Handgelenken entzwei und legte die Schere so hin, dass sie danach

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