Blutsverwandte: Thriller (German Edition)
nickte.
»Zerbrich dir wegen Graydon nicht den Kopf.«
Als sie mit Blake Ives bekanntgemacht wurde, lächelte Carrie unsicher und sagte hallo. Bei Graydons Anblick stürmte sie auf ihn zu, rief »Großvater!« und brach in Tränen aus, während sie ihn umarmte.
Ich musste Blake Ives bewundern. Er war überglücklich, Carrie zu sehen, ja, er weinte sogar, doch er bedrängte sie weder, noch machte er eine Szene. Geduldig wartete er, während Graydon Carrie tröstete.
Graydon beruhigte sie, und als sie sich wieder gefasst hatte, fragte er sie: »Carrie, weißt du, wer Mr. Ives ist?«
Sie nickte.
»Ich bin ja so froh, dass er dich gefunden hat«, sagte er. »Wir haben alle eine Menge Fragen darüber, wie ihr getrennt worden seid, und du hast natürlich einen schlimmen Tag hinter dir. Aber er ist ein guter Mensch, und er hofft seit Jahren darauf, dich wiederzusehen, daher bin ich extra mitgekommen, um dir zu versichern, dass abgesehen von den anderen Ereignissen des heutigen Tages dieser Teil deines Lebens in Ordnung kommen wird. Dass du deinen Vater wiedersiehst, ist ein Grund zur Freude.«
Carrie sah zwischen den beiden hin und her, ehe sie sich an Blake wandte. »Ich habe Ms. Kellys Artikel über Sie in der Zeitung gelesen. Es … freut mich, Sie zu sehen.« Sie hielt ihm ihre Hand hin.
Er nahm die Hand, und obwohl ihm anzusehen war, dass es ihn fast umbrachte, verkniff er sich, mehr zu tun, als sie einen Moment lang sachte zu schütteln.
Dann bückte er sich zu ihr herunter. »Carla – ich meine, Carrie -, soll ich dich Carrie nennen?«
Sie überlegte, ehe sie schließlich fragte: »Wäre das schlimm für Sie?«
»Nein«, antwortete er leise.
»Okay, also wenn es Ihnen recht ist, ich bin eben daran gewöhnt, Carrie gerufen zu werden. Ich mag den Namen Carla, aber womöglich denke ich nicht daran, dass ich gemeint bin, wenn ich ihn höre.«
»Na gut, dann eben Carrie. Ich freue mich darauf, dich noch einmal kennenzulernen. Mr. Fletcher hat mir auf dem Weg hierher von dir erzählt. Er hat recht – wir sind beide so froh darüber, dass du heil bist und dir nicht allzu viel passiert ist, und wir wollen uns beide darum bemühen, dass du glücklich und in Sicherheit bist – daran liegt uns am allermeisten, weißt du?«
»Danke«, sagte sie und sah Graydon an. »Wo ist Dad?« Sie lief rot an und wusste nicht weiter. »Ich meine …«
»Ist schon gut«, sagte Blake.
»Ich weiß nicht, wo er ist, Carrie«, antwortete Graydon. »Ich mache mir Sorgen um ihn und um deine Geschwister. Außerdem habe ich eine Menge Fragen an ihn, aber vor allem mache ich mir Sorgen.«
»Mom …«
»Es tut mir leid.«
Erneut kamen die Tränen. Schließlich ließ sie sich in ihrem Gefühlsaufruhr auch von Blake trösten.
Zwei Fletcher-Söhne, die Anwälte waren, erschienen offenbar aus eigenem Antrieb. Graydon lehnte es ab, auf ihren Rat hin jede Aussage zu verweigern, und sagte ihnen, sie sollten still sein oder zu Hause auf ihn warten. Er besaß nach wie vor eine gewisse Macht als Familienpatriarch, denn sie hielten tatsächlich den Mund.
Graydon konnte weder Carrie noch den verschiedenen anwesenden Polizeibeamten erklären, warum Giles Fletcher seine Nichte und eine Zeitungsreporterin als Geiseln genommen hatte. Er konnte sich auch keinen Grund dafür vorstellen, warum Giles Bonnie – die er Victoria nannte – oder irgendjemand anderem ein Leid hätte zufügen sollen. Er sagte, er sei schockiert gewesen, als er in der Morgenzeitung die Geschichte über Blake Ives gelesen habe. »Ich habe die Zeitung erst am späteren Vormittag in die Hände bekommen, aber ich habe Victoria auf dem Foto sofort erkannt, und auch wenn ich mir bei Carrie nicht so sicher war, ist mir die Ähnlichkeit aufgefallen. Ich … ich wollte mit Roy sprechen. Ich habe ihm mehrere Nachrichten hinterlassen.«
»Er ist nicht zu dir gekommen?«, fragte Carrie.
»Nein, Schätzchen, ist er nicht. Hat er gesagt, dass er das vorhätte?«
»Ja.« Sie runzelte besorgt die Stirn.
Carrie erzählte, wie der Morgen verlaufen war, einschließlich einiger Passagen, die mir neu waren. Wären ihre Angst und eine gewisse Naivität nicht gewesen, hätte man leicht vergessen können, dass sie ein Kind war. Ihr Wortschatz übertraf den etlicher Erwachsener aus meinem Bekanntenkreis ebenso wie ihre Intelligenz.
»Ich hab mir alles noch mal überlegt«, sagte sie. »Ich glaube, Dad hat Mom ein Beruhigungsmittel oder so was ins Glas getan.«
»Erzähl uns das mal
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