Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Blutsverwandte: Thriller (German Edition)

Blutsverwandte: Thriller (German Edition)

Titel: Blutsverwandte: Thriller (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jan Burke
Vom Netzwerk:
Carrie einen kleinen Kuss und umarmte sie, ehe sie auch die anderen küsste und drückte.
    Dad blieb zurück, als sie das Tablett wegtrugen und die Jungen hinausscheuchten. Carrie warf einen Blick zurück und sah, wie er Mom einen langen Kuss gab, den Mom zu erwidern schien. Bei jeder anderen Gelegenheit hätte sie eine solch demonstrative Zurschaustellung von Leidenschaft verlegen gemacht, doch nun gab es ihr ein klein wenig Hoffnung. Vielleicht wusste Mom nur nicht, was sie wollte.
    Vielleicht würde zwischen den beiden doch alles wieder gut.
     
    Nach dem Frühstück sausten die Jungen auf ihr Zimmer. »Ich rufe Ms. Kelly noch mal an und sage ihr, dass sie heute nicht kommen soll«, flüsterte Genie.
    »Danke«, erwiderte Carrie.
     
    Carrie begann die Küche sauber zu machen. Dabei registrierte sie, dass die kleine Schale, die Dad benutzt hatte, ein Mörser war. Der Stößel lag zum Trocknen daneben. Der arme Dad. Er musste sich tatsächlich die Mühe gemacht haben, für die Bloody Mary frische Kräuter zu zermörsern. Der Gedanke ließ die nächste Welle der Hoffnungslosigkeit in ihr aufwallen. Ein Kuss würde das Verhältnis zwischen Mom und Dad nicht verändern.
    Genie kam in die Küche gestürmt. »Scheiße!«
    Carrie riss die Augen auf.
    »Als ich noch mal angerufen habe«, fuhr Genie ungerührt fort, als hätte sie nicht gerade ein total verbotenes Wort ausgesprochen, »habe ich keine Nachricht hinterlassen können.«
    »Was soll das heißen?«
    »Dass ihre Mailbox voll ist.«
    »Zerbrich dir nicht den Kopf. Sie fährt hierher, ich bin nicht da, und sie fährt wieder weg. Ich meine, es tut mir leid, dass sie ihre Zeit verschwendet, aber wir können es nicht ändern.«
    »Vermutlich nicht«, sagte Genie. »Aber es könnte schwierig werden, sie dazu zu bewegen, noch mal hierherzukommen.« Sie hielt inne. »Nehmen wir doch die Kamera, die Großvater dir geschenkt hat, heute mit zu ihm und machen Fotos von dir. Dann bitten wir ihn, sie für dich entwickeln zu lassen. Wenn wir sie haben, können wir sie Ms. Kelly schicken.«
    Carrie sah mehrere Möglichkeiten vor sich, wie das schiefgehen könnte, doch sie stimmte begeistert zu, da Genie sich so ins Zeug legte, um ihr zu helfen. Sie glaubte zwar nicht, dass sie ihrer Schwester etwas vormachen konnte, doch vielleicht war Genie einfach enttäuscht, weil sie ihre Pläne ändern mussten.
     
    Das Haus war immer sauber und ordentlich, doch es gab noch ein paar Dinge zu tun. Geschirr spülen, Wäsche zusammenlegen, abstauben – es nahm nie ein Ende. Genie beaufsichtigte die Jungen, während Carrie die Aufgaben erledigte, die sie den beiden nie anvertrauen würde.
    Als Carrie den Mörser und den Stößel wegräumte, sah sie ein Glas Erdbeermarmelade, das ihnen eine ihrer Tanten geschenkt hatte. Ein Mason-Glas.
    Sie dachte an Genie und an deren Bitte, Ms. Kelly nach jemandem namens Mason zu fragen.
     
    Noch vor zehn Uhr waren sie mit dem Haushalt fertig. Genie hatte es sogar geschafft, dass die Jungen angezogen und bereit waren.
    Mom und Dad waren noch nicht wieder aus dem Schlafzimmer gekommen.
    »Und was machen wir jetzt?«, fragte Aaron.
    »Ich weiß was«, sagte Carrie, während sie sich fragte, ob sie von ihrer Mutter das Talent zum Schauspielern geerbt hatte. »Spielen wir doch Verstecken.«
    Genie starrte sie an. »Meinst du wirklich?«
    »Na sicher. Ich bin mutiger, als du glaubst.«
    »Das halte ich für ausgeschlossen«, erwiderte Genie und wandte sich den Jungen zu. »Ich suche als Erste.«
    Sie hielt sich die Augen zu und begann zu zählen. »Eins-Alligator, zwei-Alligator, drei-Alligator …«

39. KAPITEL
     
    DIENSTAG, 2. MAI, 08:30 UHR REDAKTION DES LAS PIERNAS NEWS EXPRESS
     
    Wenn man seinem Büro einen Tag fernbleibt, kann man darauf wetten, dass einem der nächste Morgen frisch gebacken und kochend heiß direkt aus der Hölle serviert wird.
    Ich hörte mein Telefon schon klingeln, als ich durch die Redaktion auf meinen Schreibtisch zuging. John winkte mich in sein Büro, Mark rief meinen Namen, und Lydia Ames wedelte herrisch mit einem dicken Stapel pinkfarbener Notizzettel nach mir.
    Ich hob den Zeigefinger, um John, Mark und Lydia wie eine Bedienung »Komme gleich« zu signalisieren, und nahm den Telefonhörer ab, während ich gleichzeitig meine Handtasche auf den Schreibtisch stellte.
    »Irene? Hier ist Caleb. Entschuldige, dass ich dich im Büro belästige, aber ich wollte fragen …«
    Erdrückt von meinem schlechten Gewissen ließ ich mich

Weitere Kostenlose Bücher