Castle 3: Heat Rises - Kaltgestellt (German Edition)
daran?“
„Natürlich. Was ist damit?“
Es war ihr während der Morgendämmerung eingefallen, als sie mit Rook im Bett gelegen hatte. Heat konnte nicht mehr schlafen und dachte über die Konfrontation mit ihrem Captain nach, die ihr in ein paar Stunden drohte. Neben ihr hatte Rook sich auf die Seite gerollt, und Nikki drehte sich herum, betrachtete seinen Rücken, und glättete mit ihren Fingern seine zerzausten Haarwirbel. Er kam ihr dünner vor als vor seiner Reise. Seine Schultermuskulatur wirkte sehniger, und selbst im Dämmerlicht konnte sie erkennen, dass seine Rippen ein klein wenig mehr hervortraten als früher. Sie ließ ihren Blick an seiner Wirbelsäule entlang bis zu seinem Kreuz wandern, wo sie den verblassenden blauen Fleck entdeckte. Während sie sich nach dem Duschen gegenseitig abtrockneten, fragte sie ihn, wie er ihn sich zugezogen hatte.
Rook erzählte ihr daraufhin, dass er vor zwei Wochen auf einem Frachtschiff von Rijeka über das Adriatische Meer nach Monrovia an der westafrikanischen Küste gefahren war, wo er etwas beobachtet hatte, das er als das Ausladen von Schwarzmarktwaffen am helllichten Tag bezeichnete. Der Händler, der sich auf dem Kai befand, um den Transfer von dreißig Tonnen AK-47-Munition sowie einigen Kisten voller Granatwerfer auf die bereitstehenden Lastwagen zu überwachen, schaute aus seinem Range Rover ständig zum Navigationsturm des Schiffes hoch, wo Rook herumlungerte und versuchte, sich möglichst unauffällig zu verhalten. Doch nachdem der Konvoi den Pier verlassen hatte, ging Rook nach unten in sein Mannschaftsquartier und wurde dort von drei Schlägern des Waffenhändlers gepackt. Sie stülpten ihm einen Sack über den Kopf und fuhren eine Stunde lang mit ihm durch die Gegend, bis sie eine Plantage in den Hügeln erreichten. Dort befreiten sie ihn von dem Sack, legten ihm aber Handschellen an und sperrten ihn in eine leere Pferdebox im Stall, wo er wartete.
Als die Nacht hereinbrach, wurde er auf die große Wiese neben einem gelben Plantagenhaus gebracht, wo der Waffenhändler, ein ehemaliger Agent des MI6 namens Gordon McKinnon – zumindest benutzte er diesen Namen –, an einem Picknicktisch saß und unter Partylaternen in Form von roten Chilischoten Caipirinhas schlürfte. Rook beschloss, sich nicht anmerken zu lassen, wie viel er dank seiner Recherche über McKinnon wusste. Der ehemalige Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes hatte ein Vermögen damit verdient, Schwarzmarktwaffen an Nationen in Afrika zu verhökern, denen ein Handelsverbot auferlegt worden war. Das Blut, das in Angola, Rwanda, dem Kongo und erst kürzlich im Sudan vergossen worden war, ging auf das Konto des betrunkenen, rothaarigen Mannes mit Sonnenbrand, der direkt vor ihm saß.
„Nehmen Sie Platz, Jameson Rook“, sagte er und deutete auf einen Holzhocker auf der anderen Seite des Tischs. „Ach, kommen Sie. Ich wusste schon, dass Sie es sind, als Sie in Kroatien an Bord gingen.“ Rook setzte sich, sagte aber nichts. „Nennen Sie mich Gordy.“ Dann lachte er und fügte hinzu: „Aber ich wette, Sie kennen meinen Namen bereits, nicht wahr? Na, hab ich recht?“ Er schob ein hohes Glas über den rauen Holztisch. „Trinken Sie, das ist der beste verdammte Caipirinha auf dem ganzen verdammten Kontinent. Sowohl mein Barkeeper als auch die Cachaça wurden aus Brasilien eingeflogen.“ Vielleicht war er zu betrunken, um sich daran zu erinnern, dass die Hände seines Gastes hinter dessen Rücken mit Handschellen gefesselt waren und er sein Glas nicht erreichen konnte.
„Ich habe alle Ihre Artikel gelesen. Nicht schlecht. Bono und Mick. Bill Clinton. Gute Arbeit. Aber mal im Ernst, der verdammte Tony Blair? Und Aslan Maschadow? Ich habe mit Sicherheit mehr zu bieten als diesen Scheiß, den Sie über diesen verdammten Tschetschenen geschrieben haben. Maschadow, hah! Ich bedaure nur, dass nicht ich die Granate verkauft habe, die ihn erledigt hat.“ Er setzte sein Glas an, und ein Teil des Inhalts lief auf sein Gesicht und sein Ed-Hardy-T-Shirt. Sein Barkeeper ersetzte das Glas durch ein neues, und er fuhr fort. „Also, runter damit. Das ist Ihr letzter Drink.“
Und dann stand er auf und zielte mit der größten Handfeuerwaffe auf Rook, die dieser je gesehen hatte: einer fünfzigkalibrigen israelischen Desert Eagle. Doch plötzlich wirbelte er nach links herum und feuerte in die Nacht hinaus. Dem donnernden Knall der Eagle folgte umgehend ein Zischen und ein weißes Glühen, das
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