Castle 3: Heat Rises - Kaltgestellt (German Edition)
durchdringenden Blick, der Nikki Unbehagen bereitete. Sein kahler Schädel glänzte, und sie bemerkte, dass das Fenster hinter ihm, das zur Straße hinausführte, zu beschlagen anfing, vermutlich eine Folge seines erhitzten Gemüts, das sich nun auch auf seine Körpertemperatur auswirkte. Das Licht, das durch die milchige Scheibe fiel, umgab Montrose und ließ ihn wie seinen eigenen Geist wirken. „Was haben Sie erfahren?“, fragte er.
Ihre Zunge fühlte sich an, als würde sie in einer Socke stecken. „Dass Sie Pater Grafs Pfarrhaus am Abend seines Todes durchsucht haben, zum Beispiel.“
„Diese Fragen haben Sie bereits gestellt, und ich habe sie bereits beantwortet.“ Seine Stimme war erschreckend ruhig und sein Gesicht vollkommen ausdruckslos. „Wenn Sie noch mehr darüber erfahren haben, dann raus damit. Gibt es noch mehr?“
„Captain, lassen Sie uns das nicht jetzt durchkauen.“
„Durchkauen? Tatsächlich wollen Sie doch andeuten, dass ich etwas mit seinem Tod zu tun hatte, oder?“ Trotz seines gemäßigten Tonfalls konnte Nikki die nächste Welle des Zorns spüren, die sich anstaute. „Denken Sie das etwa?“
Als sie zögerte, übernahm der erfahrene Ermittler in ihm das Ruder. Nikki war schon immer davon beeindruckt gewesen, wie einschüchternd ihr Mentor sein konnte, wenn er einen Verdächtigen in die Mangel nahm. Doch jetzt konzentrierte er diese Fähigkeit auf sie. „Sie stecken ohnehin schon bis zum Hals in Ärger, Detective, also raus damit. Es sei denn, Sie wollen riskieren, dass Ihrer Akte eine offizielle Verhaltenskritik hinzugefügt wird.“
Heat ging die kurze Liste im Geiste durch. Sie sah auf das frische Pflaster an seinem Finger und rief sich das Blut am Kollar des Priesters vor Augen. Dann dachte sie an die TENS-Verbrennungen auf Grafs Körper und daran, dass bei dem Fall, in dem Montrose 2004 ermittelt hatte, ähnliche elektrische Verbrennungen aufgetaucht waren. Und dann war da noch die neueste Erkenntnis: dass der Bluterguss auf dem Kreuz des Priesters von Handschellen stammte … Ja, diese Tatsachen warfen viele Fragen auf, und Nikki gefiel nicht, in welche Richtung sich die Sache entwickelte. Allerdings bewies das alles noch gar nichts. Und sie konnte nichts davon laut aussprechen, zumindest nicht, ohne eine ohnehin schon angeschlagene Beziehung ernsthaft zu schädigen. Also sagte sie: „Es ist wirklich nicht der Rede wert.“
Er schlug mit der flachen Hand auf den Schreibtisch, und sie zuckte zusammen. „Lügnerin!“ Am Rande ihres Sichtfelds sah Nikki, wie sich die Kollegen im Hauptraum in ihre Richtung drehten. „Ich sehe es Ihnen doch an. Kommen Sie schon, Detective, raus damit. Oder sparen Sie es sich für Ihre neuen Freunde im Hauptquartier auf?“
„Captain … nein, ich …“ Sie verstummte und nahm eine Verteidigungshaltung ein.
„Oh, oder vielleicht sparen Sie es sich auch für Ihren nächsten Artikel auf.“ Er deutete ihre Reaktion und sagte: „Sie haben es noch gar nicht gesehen?“ Er griff in seine Aktentasche und zog die Morgenausgabe des
Ledgers
heraus. „Im Lokalteil, auf Seite drei.“ Er warf die Zeitung vor sie auf den Schreibtisch. Sie war auf einer Seite aufgeschlagen, auf der sich ein kurzer Artikel mit der Überschrift A UFRUHR IM R EVIER DER U PPER W EST S IDE befand. Die Verfasserin war Tam Svejda. „Wollen Sie immer noch behaupten, Sie hätten nicht mit dieser Reporterin geredet?“
„Das habe ich nicht.“
„Irgendjemand hat es aber. Und dieser Jemand hat ihr Einzelheiten genannt, einschließlich der Tatsache, dass sich Gallagher frustriert aus der Ermittlung zurückgezogen hat. Ich frage mich, wer das gewesen sein könnte.“
Der Anruf, den Rook von der hüpfenden Tschechin erhalten hatte, kam ihr wieder in den Sinn, aber Nikki schloss diese Möglichkeit aus. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass er so etwas tun würde. „Ich habe keine Ahnung.“
„Schwachsinn.“
„Captain, was auch immer hier sonst noch vorgeht, ich hoffe, Sie wissen …“
Doch er unterbrach sie, indem er seine Hand hob. „Wir sind fertig“, sagte er. In seinen Worten lag eine Schwere, eine alles umfassende Endgültigkeit. Montrose erhob sich. Sie blieb sitzen und sah zu ihm auf. Wie hatte diese Besprechung nur so außer Kontrolle geraten können? Nikki hatte nur eines gewollt, als sie in sein Büro gegangen war, und das hatte sich in einem giftigen Nebel aufgelöst. „Und wenn Sie über irgendetwas in diesem Fall sprechen wollen, dann
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