Castle 3: Heat Rises - Kaltgestellt (German Edition)
Belvedere Castles befand sich ein Notruftelefon der Polizei.
Durchnässt, durchgefroren und unbewaffnet änderte Detective Heat die Richtung und bewegte sich nun parallel zum Kurs ihrer drei Verfolger, die dieses Manöver hoffentlich nicht von ihr erwarten würden, leicht nach Norden.
Sie verließ das Wäldchen auf dem Fußweg, der zum Schloss führte. Diesen Weg zu nehmen, stellte ein Risiko dar, das sie auf sich nahm, denn auch wenn sie dafür ihre Deckung aufgeben musste, würde sie so schneller vorankommen. Es gab keine weiteren Fußabdrücke außer ihren eigenen, während sie durch den frisch gefallenen Schnee lief. Unglücklicherweise hatte das Wetter die Zahl der Jogger und Spaziergänger an diesem Tag reduziert – und somit auch ihre Hoffnung zunichte gemacht, Hilfe oder Zugang zu einem Handy zu erhalten.
Die Schneeflocken fielen nun dichter, reichten aber nicht aus, um ihre Fußspuren zu verdecken. Doch das spielte keine Rolle. Diese Männer würden sie auch ohne Fußspuren verfolgen können. Der Gedanke führte dazu, dass sie noch schneller lief und einen Blick über ihre Schulter warf. Und als sie das tat, rutschte Nikki auf einer vereisten Stelle auf dem Weg aus. Die harte Landung presste ihr die Luft aus der Lunge. Ihr Knie schmerzte, als wäre es mit einem Hammer bearbeitet worden. Während sie sich sammelte, knackte in dem Wäldchen, das sie gerade verlassen hatte, ein gefrorener Zweig. Sie waren ganz nah. Sie rappelte sich auf. Mit brennender Lunge rannte Heat weiter.
Das Belvedere Castle war in den 1860ern als Beobachtungsturm errichtet worden und ragte über dem alten, künstlich angelegten See des Central Parks auf. Mit seinen verzierten Türmchen, Torbögen und dem Hauptturm aus Granit und Schiefer wirkte es wie ein Dornröschenschloss mitten in Manhattan. Heat schenkte ihm kaum Beachtung. Ihr Fokus lag allein auf einem Laternenpfahl, an dem sich das Notruftelefon befand. Nikki verlangsamte ihre Geschwindigkeit und achtete darauf, nicht auf dem Eis auszurutschen, das sich auf dem gepflasterten Innenhof gebildet hatte. In diesem Augenblick riss die Fünfzigkaliberkugel das Telefon samt Halterung vom Laternenpfahl.
Das Krachen des abgefeuerten Gewehrs hallte von der Fassade des Schlosses wider und sandte Schockwellen durch den Wald. Heat wartete nicht auf den nächsten Schuss. Sie warf sich über die niedrige Steinmauer, die den Innenhof umgab. Die nächste Kugel prallte an der Granitverzierung über ihrem Kopf ab, während sie sich duckte und sich mit dem Rücken gegen das Gestein drückte. Nikki musste ihre Absätze ins Eis bohren, um zu verhindern, dass sie den vier Stockwerke hohen, felsigen Abhang hinunterstürzte, auf dem sie kauerte. Ein Ausrutscher – und sie würde sich auf dem Weg nach unten den Hals brechen oder sich zumindest eine Schädelfraktur zuziehen.
Ihre Verfolger mussten sich aufteilen, um sie zu erwischen. Sie wusste, dass sie diszipliniert waren und taktisch vorgingen, also würden zwei von ihnen ausschwärmen, um sie zu flankieren. Der dritte würde warten, bis sie ihre Positionen eingenommen hatten, und dann von vorne auf sie zukommen. Das verschaffte Nikki Zeit, mehr aber auch nicht. Selbst wenn sie den Abstieg vom Vista Rock überlebte, käme es einem Selbstmord gleich, in ihrer dunklen Kleidung über die weiße offene Fläche unter ihr zu laufen. Der einzige Unterschied zwischen ihr und einer Zielscheibe würde darin bestehen, dass sie aus Fleisch und nicht aus Papier gemacht war. Nein, sie musste die Chancen erneut zu ihren Gunsten wenden und zum Angriff übergehen.
Doch sie konnte nicht all ihre Verfolger gleichzeitig angreifen. Und genau darin bestand ihre winzige Chance. Wenn sie sich wie erwartet aufgeteilt hatten, würde einer von ihnen allein sein und irgendwo in der Nähe warten. Auf ihrem Hintern rutschte Nikki Stück für Stück seitlich an der Mauer entlang und achtete darauf, mit den Füßen nicht den Halt zu verlieren. Ein Sturz in die Tiefe würde ihr Ende bedeuten. Sie erreichte eine Ansammlung chinesischer Winterblüten und benutzte die kahlen Büsche als Deckung, als sie sich aufrichtete, um einen vorsichtigen Blick über die Mauer zu werfen.
Er stand etwa neun Meter von ihr entfernt allein da und hatte ihr die Seite zugewandt. Er hielt sein Gewehr in den Händen und hatte die Augen hinter der Skimaske auf die Stelle gerichtet, an der sie über die Mauer gesprungen war. Mit pochendem Herzen ließ sie sich wieder nach unten sinken und schloss die
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