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Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition)

Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition)

Titel: Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Christin Thomas
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Sicherheit gebracht wurden. Trotzdem beschlichen ihn noch immer unangenehme Gedanken, wenn er an die Zwölf dachte. Von Ihnen wusste Xeroi nichts zu erzählen. Er hatte sie nicht gesehen, und selbst dem Sandari erschien der Gedanke abwegig, dass sie mit den anderen zusammen aus der Stadt gezogen waren. Xeroi wusste, wie es war, mit verachtenden Blicken leben zu müssen. Er konnte deshalb mehr als gut verstehen, warum die Priester nicht mit den anderen Stadtbewohnern mitgekommen waren. Es war bestimmt genauso schlimm, wenn die Leute nicht verachtend reagierten, sondern verängstigt. Es war ganz sicher eine schwere Bürde, die die Obscuras zu tragen hatten. Umso enger war die Freundschaft zwischen ihm und Failon geflochten. Es bestand ein unsichtbares Band zwischen ihnen beiden. Als sie sich das erste Mal trafen, hatte Xeroi weder Angst verspürt, noch hatte Failon etwas Herablassendes über den Sandari gesagt. Sie waren freundlich zueinander gewesen und begegneten sich ohne Vorurteile. Mit der Zeit lernten sie die Gesellschaft des jeweils anderen zu schätzen. Dieser Respekt und diese Freude entwickelten sich zu einer Freundschaft, die keiner der beiden vorher so erlebt hatte. Es war, als kannten sie sich schon ewig. Sie teilten nicht nur ähnliche Erfahrungen, sondern auch den gleichen Humor, die gleichen Ängste, und was dem Priester mehr als wichtig war: den gleichen Glauben. Durch diese außergewöhnliche Verbindung in ihrem Sein gestärkt, fiel es beiden leichter, die unangenehmen Blicke zu ertragen, die ihnen von den meisten anderen zugeworfen wurden.
    Mit diesen Erinnerungen vor Augen trat Xeroi näher an seinen Freund heran. »Du wirst deine Glaubensbrüder wiedersehen«, versicherte er dem Obscura und legte ihm die Hand auf die Schulter.
    Failon nickte hoffnungsvoll und versuchte, fest daran zu glauben, dass sich Xeroi nicht irrte.

    Mit dem Morgengrauen setzten sie ihre Wanderung fort. Von nun an ging es in den Norden. In dieselbe Richtung, in die auch Morris gewandert war. Ihre Reise hatte sie inzwischen weit von ihrem Zuhause weggeführt und die trockenen Ebenen der Orkgebiete lagen längst hinter ihnen. Das grüne satte Gras unter ihren Füßen roch wie der Frühling und die Vögel sangen laut ihre Lieder. Das, was passiert war, lag hinter ihnen und das, was ihnen bevorstand, war noch weit entfernt. Sie genossen die momentane Leichtigkeit des Seins, die sie fühlten und sprachen kein Wort mehr über die Zukunft. Sie befanden sich in der schönsten Zeit ihrer Reise und speicherten jeden Moment davon in ihrem Gedächtnis ab. Sie plauderten über dies und das und kamen im Laufe des Tages weit voran. Als sie sich schließlich zur Nachtruhe niederließen und zurückblickten zum Horizont, erschien ihnen der Weg, den sie zusammen gegangen waren, viel weiter als es sich angefühlt hatte. Die Zeit war während ihrer Wanderung im Nu verflogen.
    Der Obscura sammelte in der Nähe Holz für ein Lagerfeuer und dachte lächelnd an den Abend im Wald der Exindur zurück, kurz bevor die Namenlose Bestie ihn verschleppt hatte. Der jetzige Moment erschien ihm ähnlich, denn Xeroi saß erneut träumerisch auf dem Boden, nur, dass er dieses Mal alles andere als betrübt war. Und wie es so oft zwischen guten Freunden der Fall ist, dachte Xeroi genau in jenem Augenblick auch an diesen Abend und umfasste dabei glücklich den Anhänger seiner Kette. Er war unendlich dankbar, denn sie hatte ihm tatsächlich seinen Freund zurückgebracht.

DIE ANKUNFT
    Die Schutzmauern reichten hoch in den Himmel und das Tor war massiv und wuchtig. Es öffnete sich langsam – wie zwei Arme zu einer Umarmung – um die Neuankömmlinge einzulassen. Die königliche Stadt Neckmar glich einer Festung. Auf der Stadtmauer befanden sich alle hundert Meter Wachtürme, die rund um die Uhr besetzt waren. Die Sicherheit des Königs war das oberste Gebot. Doch Neckmar war nicht nur sehr gut gesichert, sondern auch sagenumwoben schön. Die Häuser waren viel höher gebaut als die Zitelias und boten nicht nur Platz für je eine Familie, sondern für mehrere. Viele der Ankömmlinge hatten solch Bauwerke noch nie zuvor gesehen und waren auch von den gepflasterten Straßen begeistert. Das Volk Neckmars hatte sich versammelt, um die Weitgereisten festlich zu begrüßen. Sie jubelten und warfen Blumen in die Luft.
    Annoth führte die Fünfhundert durch die Straßen der Stadt. Es erschien manchen von ihnen wie ein Traum. Sie entdeckten prunkvoll geschmückte Gebäude

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