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Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition)

Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition)

Titel: Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Christin Thomas
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bereits angefangen hatte. »Sie entfernt sich von ihm. Wie damals …« Indyrah verstummte, als Azur plötzlich ihre Hand nahm. Sie sah ihn erschrocken an.
    »Ich kann verstehen, wie er sich fühlt, wenn er sie jede Nacht ansehen, aber nicht berühren kann.«
    Sie zog rasch die Hand zurück und ihre gerade noch wehmütige Stimmung schlug prompt in Empörung um. »Er hat sie wahrlich geliebt, nicht nur begehrt, Azur!«
    Enttäuscht über die Annäherung Azurs zu solch trauriger Stunde, setzte sie ihren Weg einen Schritt schneller und allein fort. Sie spürte so viel Hass in sich, weil sie das Leben nicht wirklich genießen konnte. Sie war an die Finsternis gefesselt wie die Sterne und hatte nur in Büchern gelesen, wie schön ein Tag war. Sie verfluchte die Geschöpfe, die ihr Leben frei führen konnten und erhoffte sich vom letzten Krieg Cataneos, dass die Welt danach in die Dunkelheit fiel, damit sie endlich ein Leben ohne diese ständige Sehnsucht führen konnte. Oft fragte sie sich, weshalb Splendor so hochmütig gewesen war und die Liebe Vortex’ plötzlich weggeworfen hatte. Indyrah wusste zwar nicht, wie sich eine verlorene Liebe anfühlte, jedoch kannte sie Schmerzen sehr gut und stellte sich vor, dass es wohl so ähnlich war wie der Schmerz einer klaffenden Wunde. In einem Buch hatte sie einmal gelesen: »… mein Herz blutete vor Traurigkeit über den Verlust meiner Liebsten …« Und so stellte sie sich auch Vortex’ Schmerz vor – ein Schmerz, der einen fast umzubringen schien und den man dennoch überlebte.
    Sie kletterte eine Mauer empor und setzte sich auf einem Dach nieder. Ihre Gedanken wanderten zu dem Mann, dem sie eines Nachts in den Straßen Zitelias die Hand auf die Lippen gepresst hatte. Sie hatte ihn gebeten, still zu sein und im Schutz der Finsternis gehofft, nicht entdeckt zu werden. Seine Augen hatten trotz seines Schreckens sehr lebhaft gewirkt. Sein Gesicht war markant gewesen und obwohl sie die Bärte der menschlichen Rasse abstoßend fand, war der Bart dieses Fremden nicht ganz so unansehnlich gewesen. Sie beneidete ihn um die Fähigkeit, Liebe empfinden zu können. Sie fragte sich, was er wohl geantwortet hätte, hätte sie ihn in jener Nacht gefragt, ob sie es wert wäre, geliebt zu werden. Nachdenklich blickte sie in den Himmel. Dann schüttelte sie die Gedanken an den Menschenmann jedoch ab und rief sich in Erinnerung, weshalb sie hier war. Sie streckte die Hand aus und betrachtete ihre langen Krallen. Schon bald würde sie bekommen, was sie verdient hatte: Das Blut und das Leben jener, die ein Leben führten, von dem sie nur träumen konnte. Der grenzenlose Neid, der sie innerlich zerfraß, würde mit den ersten Toten aufhören und sich in puren Hass verwandeln – ein Gefühl, mit dem sie sehr viel besser leben konnte. Obwohl Indyrah die Grausamkeit dieses Wunschs nach Blutvergießen ganz klar erkannte, fühlte sich dieser Drang für sie nicht falsch an. Sie hatte kein Mitleid und kannte kein Bedauern. So sehr sie auch versuchte, die Völker Cataneos zu verstehen und ihre Angst, ihr Mitgefühl und ihre Liebesgefühle zu teilen, scheiterte dieser Versuch an der Gleichgültigkeit, die ihr naturgemäß angeboren war. Dies ärgerte sie maßlos. Vorallem, weil Dämonen nicht fähig waren, Zuneigung zu empfinden oder Verständnis für jemand anderen zu haben. Es war ein gnadenloses und grausames Leben, und kaum jemand wusste, welch verletzliches Wesen sich hinter ihrer finsteren Hülle verbarg. Zitternd dachte sie an vergangene Zeiten zurück, in der sie brutal misshandelt worden war, weil sie zum einen ihre Kraft unter Beweis stellen musste, und zum anderen, dass sie würdig genug war, um zur Brut des Vortex’ zu gehören.
    Hinter ihr ertönte plötzlich die Stimme von Azur, er schien ziemlich verärgert zu sein und in seiner Ehre gekränkt.
    »Es gibt keinen Grund sich vor mir zu verstecken, Indyrah.«
    Ihr war sofort klar, weshalb er ihr gefolgt war. Sie kniff die Augen zu und flehte darum, ihn nicht begleiten zu müssen. »Ihr wisst genau, dass ich das Recht habe, mir zu nehmen, wonach mir begehrt.«
    Die Schritte des Dämons näherten sich ihr und Indyrah presste die Hände zu Fäusten.
    »Ich habe lange Zeit gebettelt«, sprach er fast flüsternd.
    Indyrah kamen keine Worte über die Lippen. Sie fühlte nur Abscheu und zwar so sehr, dass ihr beinahe schlecht davon wurde. Azur stand noch immer hinter ihr und wartete auf ein Zeichen von ihr. Sie spürte seinen bohrenden Blick in

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