Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition)
wusste, wo er sich genau befand. er hatte sich tatsächlich verlaufen. Auf der Suche nach dem Marktplatz erblickte er schließlich ein gastliches Lokal und seine Wut verrauchte im Nu. Das Schild mit den Bierkrügen lud ihn geradezu ein und das Lokal lockte mit festlicher Musik, begleitet von der zarten Stimme einer Frau. Als er die Türen öffnete und das Wirtshaus betrat, war er froh, dass er in Neckmar ein Fremder war. Der Klavierspieler schlug weiter in die Tasten und auch die Gäste blickten ihn nicht streng an. An diesem Ort wusste niemand, dass er Hauptmann war und ohne seine leichte Rüstung mit dem Wappen Zitelias würde das auch sicherlich niemand so schnell herausfinden. Morris zeigte deutlich, dass er keine Lust auf ein Gespräch hatte, und so wurde ihm von der Bedienung wortlos ein Met nach dem anderen eingeschenkt. Der Gesang der Frau ließ ihn für den Moment alle Befürchtungen und Sorgen vergessen. Es war, als würde ihre Stimme seine Seele beruhigen und seinen Schmerz lindern. Zudem war sie eine wahre Augenweide. Er erfreute sich so sehr an dem Anblick ihres schmalen Körpers in dem knappen Kleid und ihrer atemberaubenden Stimme, dass er beschloss, das Gasthaus so schnell nicht wieder zu verlassen.
VISIONEN
Die Sonne brannte auf sie herab und die Hitze setzte Failon und dem Sandari unter ihren langen Kutten schwer zu. Sie waren seit vielen Tagen und Nächten unterwegs, längst vorbei an der Gegend des Grauen Sees. Die beiden hatten sich ihren Weg zu den Grasflächen der Ebene Zorthans schwer gemacht. Sie waren einen großen Umweg gelaufen, damit sie des Nachts Schutz im Waldrand der Exindur fanden. Dort waren Sie in Sicherheit, denn die Waldbewohner griffen nur jene an, die ihren Wald tiefer betraten. Keiner von beiden fühlte sich bereit, um einen Kampf – gegen wen auch immer – zu führen, und so hatten sie beschlossen, den drohenden Gefahren lieber aus dem Weg zu gehen. Womit sie nicht gerechnet hatten, war die quälende Hitze, die jeden Meter, den sie weitergingen, unerträglicher werden ließ. Zudem sprachen sie seit Stunden kaum noch miteinander. Sie hatten aufgehört sich auszumalen, was kommen könnte und versucht, vorerst mit der Angst vor dem Krieg abzuschließen, um nicht gänzlich den Verstand zu verlieren.
Die Grasfläche erstreckte sich vor ihnen. Ein weiter Marsch, bei dem sie der Sonne gnadenlos ausgeliefert waren. Dass vor einiger Zeit auch Hauptmann Morris diesen Weg bestritten hatte, ahnten beide nicht. Anfänglich hatten Sie versucht herauszufinden, wohin die Gruppe genau gereist war, doch schon bald hatten sie dieses Vorhaben aufgegeben, denn es gab viele große Städte im Osten, die genug Schutz für die Bewohner Zitelias bieten konnten. Je mehr die Sonne sich aufwärmte, desto langsamer wurden die beiden und die Ebene Zorthans wurde zu einer wahren Herausforderung. Sie wussten, dass sie diese schnellstmöglich hinter sich lassen mussten, denn sobald die Dunkelheit einkehrte, war dies auch eine beliebte Reisestrecke für Wesen, denen sie lieber nicht begegnen wollten. Wolfsrudel waren dort manchmal gesichtet worden, da dieses Gelände zu einer ihrer bevorzugten Jagdgebiete zählte. Ebenso schlichen hin und wieder vereinzelt Orks über die Ebene – manche von ihnen ritten auf Pferden, denen man nachsagte, sie wären so verflucht wie die Letifer.
Selbst andere wilde Tiere – wie beispielsweise Bären – machten diese Gegend für Menschen unsicher, da es hier keine Bäume gab, auf die man hätte flüchten können. Der Sandari hatte keine Übung mehr im Kampf, traute sich nicht, einen Hieb zu machen, und obwohl Failon das Schwert des Mannes in dem verfallenen Haus mit sich genommen hatte, fühlte er sich noch immer zu schwach, um sich einer der nächtlichen Kreaturen entgegenstellen zu können. Hinter den Grasebenen lag ein kleiner Wald, dieser war wie viele andere nicht auf den Karten Cataneos verzeichnet, doch Failon kannte sich gut aus und führte sie geradewegs dorthin. Dort wären sie vor dem Grauen der Nacht sicher. Beide hatten in den vergangenen Tagen genug erlebt und erleidet und trotzdem trieben sie sich immer weiter voran. Wasser war ihn schon vor vielen Tagen ausgegangen. Sie hatten sich zwar anfangs mit einigen saftigen Früchten aus dem Wald der Exindur erfrischen können, da aber selbst dieser Vorrat schon lange aufgebraucht war, blieb ihnen jetzt nur noch quälender Durst. Somit begann der Kampf mit der eigenen Kraft, und Schritt für Schritt schleppten sie
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