Cataneo - Der Weg Splendors (German Edition)
sich vorwärts.
Zur selben Zeit waren die verbliebenen Zwölf in der kleinen, aber gemütlichen Stadt Caldera eingetroffen. Diese lag östlich des Exindur-Waldes und weit südlich der Ebene Zorthans.
Es war eine Stadt des Wassers, da sie nah an einem Fluss lag und somit reichlich frisches Quellwasser bot. Der Fluss floss vom nordöstlichen Sturm-Gebirge der Zwerge bis in den mittleren Teil Cataneos und erfrischte alle Reisenden mit seinem erquickenden Nass. Er verlief durch den See der Götter und wurde daher »Göttlicher Fluss« genannt. Die Stadt bot jedoch nicht nur frisches Trinkwasser, sondern auch Badeanstalten mit großen Becken zum Baden. Das Wasser wurde durch unterirdische Röhren in die Stadt geleitet und war somit eine Neuheit auf Cataneo. Die Obscuras waren begeistert und genossen das Wasser genauso wie die gute Laune der Bewohner. Keiner scherte sich um die Obscuras – jeder Calderaner ging konzentriert eigenen Tätigkeiten nach. Die Priester waren dort keine Attraktion, es gab jeden Tag mehr als genug Reisende aus ganz Cataneo, die diese herrliche Stadt besuchten. Rund um Caldera gab es keine Schutzmauern, das Leben hier wirkte freier als an anderen Orten Cataneos. Die zwölf Gelehrten wollten hier einige Tage verbringen und planten, erst nach einer ausreichenden Ruhephase weiter in den Osten ziehen. Ziel der Reise war die Stadt Bricas Terpo. Sie lag weit entfernt an der östlichen Küste Cataneos. In dieser Stadt hielten sich bekanntlich viele Obscuras auf, deshalb wollten die Zwölf versuchen, dort Anschluss und Antworten auf ihre quälenden Fragen zu finden. Zudem wollten die Priester dort den Schutz der Engel Splendors erbeten, denn diese – so hieß es – lebten inzwischen in großer Zahl an der Ostküste Cataneos.
Dieses Ziel vor Augen hatte dem Ältesten für einige Stunden den Husten genommen. Erst als er sein Zimmer in dem Gasthaus betrat, in dem sie vorübergehend wohnten, spürte er wieder seine Krankheit. Der Hustanfall, der ihn schüttelte, war so stark, dass er nicht mehr die Kraft hatte, sich aufrecht zu halten. Mit einem dumpfen Poltern fiel er zu Boden. Er krümmte sich – der Husten nahm ihm die Luft zum Atmen. Der Obscura ahnte, dass das Leben ihn langsam zu verlassen drohte und flehte Vell an, ihm die nötige Kraft für diese Reise zu schenken. Bricas Terpo zu erreichen war ein großer Wunsch von ihm, denn er hoffte, dass die Kinder Splendors ihm helfen konnten. Sie waren gesegnete Kreaturen und vielleicht würden diese engelsgleichen Wesen ihm den Schmerz aus der Lunge nehmen.
Schließlich verebbte der Anfall. Er holte tief Luft. Es dauerte einige Zeit, bis seine Kraft wieder zurückkehrte und er sich mit viel Ächzen erheben konnte. Der Hals brannte ihm so sehr, als hätte er einen hochprozentigen Schnaps getrunken. Er nahm einen großen Schluck aus dem Glas mit dem erfrischenden Quellwasser, das er sich mit auf sein Zimmer genommen hatte. Es war so schmerzlindernd, dass er nur schlückchenweise daran nippte, damit das kostbare Nass nicht zu schnell zur Neige ging.
Einer seiner jüngeren Mitbrüder klopfte voller Sorgen an die Tür. »Geht es Euch gut, Oberster?«, fragte er fast beschämt weil er den lauten Husten erst so spät vernommen hatte.
Der Älteste öffnete die Tür und lächelte ihm entgegen. »Gewiss, mein Freund, mir geht es gut. Wir werden einige Flaschen des guten Wassers mitnehmen, es lindert den Schmerz und ist bei unserer langen Reise sicherlich von Nutzen.«
Frisches, kühles Wasser vermissten auch die beiden Freunde auf den Grasebenen. Sie hatten zu Beginn ihrer Reise genügend Wasser eingepackt, jedoch dauerte diese nun schon viele Wochen länger als ursprünglich geplant. Die Gefangenschaft Failons war nicht vorhersehbar gewesen, ebenso wenig wie die Reise über die offene Ebene Zorthans während der heißesten Tage Cataneos. Der Fuß des Sandaris hatte dank der Heilkünste des Obscuras wieder festen Tritt und machte den beiden längst keine Sorgen mehr. Schlimmer empfanden sie die Sinnestäuschungen, die plötzlich über Xeroi kamen. Er wanderte mit Failon nun schon seit Anbeginn des Morgens und sie hatten schon lange nichts mehr getrunken. Xerois Beine fühlten sich taub an und die Grasebenen schienen vor ihm zu tanzen. Während er weiter ging und kurz die Augen schloss, fand er sich auf einmal an einem anderen Ort wieder. Es war, als wäre er zurückgekehrt auf das Schlachtfeld seines Traumes, den er vor einiger Zeit in dem zerstörten Haus
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