City of Lost Souls
ihr Ohr. »Und fühlst du dich nun besser, jetzt, da du es weißt?«
»Klar«, schwindelte Isabelle und starrte zu Boden. »Ich fühl mich viel besser.«
Nach dem Mittagessen hatte Clary behauptet, sie sei müde, und sich in das Zimmer im Erdgeschoss zurückgezogen. Hinter sorgfältig verschlossener Tür hatte sie erneut versucht, Simon zu erreichen, obwohl ihr durchaus bewusst war, dass er aufgrund des Zeitunterschieds – er in New York und sie in Venedig – sehr wahrscheinlich gerade schlief. Zumindest hoffte Clary inständig, dass er schlief: Diese Erklärung war wesentlich angenehmer als der Gedanke, dass die Ringe vielleicht nicht funktionierten.
Clary war gerade mal eine halbe Stunde in ihrem Zimmer, als es an der Tür klopfte. Sie rief »herein«, lehnte sich zurück und stützte sich dabei so auf ihre Hände, dass der Ring an ihrem Finger nicht zu sehen war.
Die Tür schwang langsam auf. Jace stand im Rahmen und schaute herein. Clary erinnerte sich an eine schwüle Nacht im Hochsommer, ein Klopfen an ihrer Tür. Jace. Frisch geduscht, in Jeans und grauem T-Shirt, seine noch feuchten Locken umgaben sein Gesicht wie ein goldener Heiligenschein. Die Verletzungen und blauen Flecken waren bereits zu einem hellen Grau verblasst und er hielt beide Hände hinter dem Rücken versteckt.
»Hi«, sagte er nun. Diesmal waren seine Hände deutlich zu sehen und er trug ein bequemes Sweatshirt, dessen Bronzeton die Farbe seiner Augen besonders gut zur Geltung brachte. Kein einziger Bluterguss verunstaltete sein Gesicht und auch die tiefen Schatten unter seinen Augen, an deren Anblick Clary sich fast schon gewöhnt hatte, waren verschwunden.
Ist er etwa glücklich in diesem Zustand? Wirklich glücklich? Und wenn ja, wovor versuchst du ihn dann zu bewahren? Entschlossen schob Clary die Stimme in ihrem Kopf beiseite und zwang sich zu einem Lächeln. »Was gibt’s?«
Jace grinste – ein freches Grinsen, das dafür sorgte, dass das Blut in Clarys Adern ein klein wenig schneller pulsierte. »Lust auf eine Verabredung?«
Da sie auf diese Frage überhaupt nicht vorbereitet war, konnte Clary nur stottern: »Eine was?«
»Eine Verabredung«, wiederholte Jace. »Oft auch ›eine Vereinbarung, an die man sich halten muss‹, aber in diesem Fall ›ein Angebot für einen Abend voll glühend heißer Leidenschaft und Romantik mit meiner Wenigkeit‹.«
»Wirklich?« Clary war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte. »Glühend heiß?«
»Hey, wir reden hier von mir«, erwiderte Jace. »Mein Anblick bei einer Partie Scrabble reicht in der Regel schon aus, um die meisten Frauen in Ohnmacht fallen zu lassen. Und jetzt stell dir nur mal vor, wie das erst wird, wenn ich mir tatsächlich Mühe gebe.«
Zögernd setzte Clary sich auf und schaute an sich herab. Jeans, grünes Seidentop. Sie musste unwillkürlich an die Kosmetikartikel in diesem schreinartigen Schlafzimmer denken und wünschte, sie hätte etwas Lipgloss dabei.
Doch Jace streckte ihr seine Hand entgegen und meinte: »Du siehst klasse aus. Lass uns gehen.«
Clary nahm seine Hand und ließ sich von ihm auf die Beine ziehen. »Ich weiß nicht so recht … «
»Ach, komm schon.« In seiner Stimme schwang jener spöttische, verführerische Ton mit, an den sie sich noch gut erinnerte: An jenem Abend hatten sie sich zum ersten Mal etwas besser kennengelernt … damals, als Jace sie zum Gewächshaus im Dachgeschoss des New Yorker Instituts geführt hatte, um ihr die Mitternachtsblume zu zeigen. »Wir sind in Italien. In Venedig. Eine der schönsten Städte der Welt. Es wär doch eine Schande, sie nicht wenigstens ein bisschen zu erkunden, oder?«, fuhr er fort und zog Clary mit einem kleinen Ruck an sich, sodass sie gegen seine Brust fiel. Der Stoff seines Sweatshirts fühlte sich weich an und er roch vertraut. Clarys Herz machte einen Satz. »Aber wir könnten natürlich auch hierbleiben«, fügte er ein wenig atemlos hinzu.
»Damit ich in Ohnmacht fallen kann, während du mit einem dreifachen Wortwert haushoch punktest?«, spottete Clary und löste sich von ihm. »Und erspar mir deine Witze zum Thema ›Punkten‹.«
»Verdammt, Weib, du kannst meine Gedanken lesen«, grinste Jace. »Gibt es denn kein einziges schmutziges Wortspiel, das du nicht vorhersiehst?«
»Das ist meine besondere magische Begabung: Ich kann es dir ansehen, wenn du an etwas Schmutziges denkst.«
»Also in fünfundneunzig Prozent aller Fälle.«
Clary lehnte den Kopf in den Nacken und
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