Cruel World
können, weil keiner auch das Geringste an Geld besaß.
Ich konnte mir gut vorstellen, dass Aaran alle Gelder auf den heute zerstörten Banken zu sich bringen lassen hat und irgendwo im Regierungsgebäude versteckt hielt. Bei ihm konnte man alles erwarten.
Auch dass er mich wirklich vergewaltigt haben könnte, kam mir jetzt gar nicht mehr so abwägig vor.
Seufzend legte ich meinen Kopf in den Nacken und starrte nach oben an die nasse Wand. Alex war der Meinung, diese Höhle wäre weltberühmt. Wieso hatte ich sie dann vorher nicht gekannt? Hielten mich meine Eltern damals so sehr von der Außenwelt fern? Hatte ich nie einen Computer mit Internet gehabt? Erst jetzt fiel mir auf, dass ich mich wirklich nur an ganz wenige Dinge in meiner größtenteils gefälschten Vergangenheit erinnerte.
Aaran musste mich wirklich sehr lieben, wenn er tatsächlich gewollt hatte, dass ich ein normales Leben wie jeder andere Mensch auch führen soll. Wieso aber hatte er mich geheiratet, wenn er doch gewusst hat, dass ich ihn nicht liebe? Also musste ein Teil von ihm ziemlich selbstsüchtig sein. Wahrscheinlich hatte er damals überhaupt nicht auf meine eigenen Gefühle geachtet. Nur Teresha war immer für mich da gewesen. Sie fehlte mir jetzt schon. Es war nicht richtig gewesen, dass wir im Streit auseinandergegangen sind. Waren wir denn noch beste Freundinnen oder wollte sie nichts mehr mit mir zu tun haben? Der Gedanke tat ziemlich weh. Andererseit hatte ich gedacht, ausgerechnet sie würde mich verstehen. Es war nicht so leicht für mich, Sydney freiwillig zu verlassen. Ich hing viel zu sehr an dieser Stadt, obwohl dort die schrecklichsten Ereignisse meines Lebens geschehen waren. Mein Herz konnte sich nicht lösen. Ich wollte einerseits mal wieder in das Viertel zurückgehen, wo unser einst so schönes, kleines Einfamilienhaus stand, doch andererseits fürchtete ich mich davor. Was, wenn sich all die Erinnerungen an meine Vergangenheit urplötzlich wie in einem schnellen Film abspielen würden? Womöglich wäre das zu viel für meine schwachen Nerven.
Ich wusste nicht, wie lange ich noch im Wasser blieb, doch als mir auffiel, dass meine Finger langsam schrumpelig wurden, beschloss ich hinauszusteigen. Das Hochziehen am Bachrand wurde schwieriger als gedacht. Ständig rutschte meine Hand aus, sodass ich mit fest zusammengepressten Lippen auch meine verletzte Hand benutzen musste. Schwer atmend lag ich nun auf dem Boden und versuchte langsam aufzustehen.
Der Schmerz der meinen ganzen Arm daraufhin durchflutete, brachte mich zum Aufstöhnen.
Verdammt!
Ich war wirklich ein Unglückspilz. Ständig verletzte ich mich aufgrund meiner unglaublichen Dummheit!
Mein Blick glitt umher - nicht, wegen einem Handtuch, denn das befand sich direkt unter meinen Füßen, sondern, um vielleicht ein neues Verband irgendwo zu finden. Das, was ich jetzt trug, war ganz nass. Leider war keines zu finden, sodass ich beschloss, mich erst einmal in das große Handtuch einzuwickeln, nachdem ich mich abgetrocknet hatte.
Danach setzte ich mich auf das weiße Laken und wartete auf Alex, der einige Zeit später ganz vorsichtig mit umhergleitendem Blick in die Höhle kam.
Keine Sorge. Ich bin schon lange fertig mit dem Baden.
Kaum hatte ich das lachend gesagt, drehte er seinen Kopf erleichtert zu mir um.
Ah, gut. Ich dachte schon, du hättest dich vertieft und würdest mich jeden Augenblick anschreien. Meiner Meinung nach bin ich jedoch lange genug weggewesen.
Er legte die tote Kuh, deren Kopf verdreht worden ist, auf den Boden, während meine Augenbrauen nach oben glitten.
Wie hast du die denn gefunden? Es ist schließlich Winter!
Ehrlich gesagt, musste ich sie einem Clan abkapern. meinte er aufgebracht Sie hatten so viele Tiere bei sich! Es hätte nicht unbedingt zu einem Kampf kommen brauchen. Aber wenn die sich mir widersetzen, dann haben die Pech gehabt.
Mich überraschte seine Gefühllosigkeit sehr. Er hatte sich seit unserer letzten Begegnung ziemlich verändert.
Du hast alle Menschen
getötet
?
Bist du verrückt? Ich töte keine Menschen. Ehrlich gesagt, habe ich diejenigen, die sich mir widersetzt haben, nur bewusstlos geschlagen.
Alex! rief ich empört und traute meinen Ohren kaum. Das hättest du nicht tun sollen! Ich könnte auch etwas anderes essen.
Aber ich habe dir versprochen, ein Steak zu machen. Den Reis und die Erbsen habe ich auch mitgebracht. Mit einer Hand deutete auf die kleine Schale, die mit Frischhaltefolie bedeckt worden war.
Drehe dich
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