Cruel World
bitte um. Ich weiß, wie sehr es dich anekelt mit anzusehen, wie ich das Tier auseinandernehme.
Da hatte er vollkommen recht. Bei kleineren Tieren machte es mir nichts aus, aber einem solch großen Geschöpf konnte mir sehr schnell übel werden. Das wollte ich auf keinen Fall, also tat ich sofort, was er sagte.
Das Wetter ist heute im Gegensatz zu anderen Tagen ziemlich gut. Wir können uns sofort, nachdem du aufgegessen hast, auf den Weg zu der Kirche machen. Ich bin mir sicher, sie wird dir gefallen.
Beinahe hätte ich mich an meiner eigenen Spucke verschluckt. Er schien das tatsächlich ernst zu meinen! Ich hatte gestern gedacht, er würde scherzen.
Das Wetter kann gar nicht besser sein als sonst, es sei denn die Sonne scheint.
Da muss ich dich leider enttäuschen. Ich vermisse sie genauso wie jeder andere.
Ein lautes Knacken drang mir in die Ohren, woraufhin ich zusammenzuckte. Alex hatte bestimmt gerade den Hals vom Körper abgetrennt und holte nun die Gliedmaßen heraus. Obwohl ich versuchte das widerliche Bild in meinem Kopf zu verdrängen, so ließ es sich trotzdem nicht ganz vermeiden. Gerade noch so konnte ich mir ein Aufwürgen unterdrücken.
Es ist wirklich schade, dass unsere Erde so traurig ist. sprach er seufzend weiter Ich würde die Sonne liebend gerne wiedersehen und ihre Wärme nur ein einziges mal auf meiner Haut spüren.
Ich hielt inne. Er hatte das, was ich ihm am Tag unserer ersten Begegnung erzählt hatte, geglaubt? Wie leichtsinnig konnte man bloß sein? Das war wirklich unglaublich. Einen kurzen Augenlick lang überlegte ich, ob dieser Vampir jemals eine Schule besucht hat. Schließlich hatte ich ihn mit dem, was ich gesagt hatte, bloß provozieren wollen.
Ähm... na ja, wenn die Grausamkeiten auf der Welt ein für allemal beendet werden, würde sie vielleicht hinter den Wolken hervorkommen, um uns eine Freude zu bereiten.
Zu meiner Überraschung nickte er auch noch. Vielleicht.
Ich musste mir für einen Moment die Hand auf den Mund pressen, um nicht loszulachen. Er war einfach zu witzig. Da das meiner Meinung nach jedoch niemals geschehen wird, müssen wir wohl auf ewig den Regen und die Kälte ertragen.
Wenn wir schon davon reden... du kannst nachher deine neuen Klamotten anziehen. Sie sind ziemlich warm, wenn du mich fragst. Ich hoffe, sie werden passen.
Vielen Dank. Das ist echt lieb von dir. Lächelnd schaute ich zu Boden. Alex, bin ich der einzige Mensch, mit dem du je so viel Zeit verbracht hast?
Ja. Du bist auch der erste Mensch, den ich wirklich tief in mein Herz geschlossen habe. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich dich jemals wieder hinauslassen kann.
Bei seinen Schmeicheleien wurde mir warm ums Herz. Am liebsten hätte ich mich jetzt umgedreht und ihn in meine Arme geschlossen. Das tat ich unglaublich gerne. Nicht, weil allein seine Nähe oder sein Duft berauschend auf mich wirkte, sondern weil ich mich bei ihm einfach nur vollkommen fühlte und dadurch die Welt da draußen oftmals völlig vergaß. Alex brachte mich immer wieder auf andere,
schöne
Gedanken.
Weißt du was? Ich glaube, ich verdiene es gar nicht, mit dir befreundet zu sein. meinte ich stöhnend, was ihn zu verwirren schien.
Wie meinst du das? Willst du unsere Freundschaft etwa beenden?
Nein, nein! Niemals, Alex. Ich kann ohne dich überhaupt nicht leben. Und genau das ist der Grund, weshalb ich dich nicht verdiene. Du bist, obwohl du ein Vampir bist, zu gut für mich. Dies ist schon das zweite mal, das du mir das Leben gerettet hast. Ich dagegen habe noch gar nichts für dich getan.
Das stimmt doch gar nicht. Plötzlich stand er vor mir und knieete sich nun nieder. Chalina-Anastasia, du hast sehr wohl etwas für mich getan. Durch dich hat mein Leben wieder angefangen, einen Sinn zu machen. Es gab einen Grund, weshalb ich weiterleben wollte. Eigentlich könnte ich mir sofort das Leben nehmen, weil ich sowieso nie wieder ein normales Leben führen werde. Du jedoch hast mir mit deiner unglaublichen Stärke und deinem Mut bewiesen, dass es einen Grund gibt, weshalb jeder von uns hier auf dieser Welt verweilt. Nur wegen dir habe ich mich entschlossen, weiterzukämpfen. Du allein hast mich dazu gebracht. Hör auf, dir solche Vorwürfe zu machen.
Ich erschrak ein bisschen bei seinen Worten. Er hatte sich wirklich umbringen wollen?
Entschuldige. Ich... ich wusste das alles nicht. Also bin ich doch eine Lebensretterin?
Auf jeden Fall. Er atmete einmal tief durch und strich mit seinen Fingerspitzen über meine linke
Weitere Kostenlose Bücher