Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Cruel World

Cruel World

Titel: Cruel World Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Neslihan Dadas
Vom Netzwerk:
so dermaßen glänzte, dass ich für einen Moment wirklich dachte, er wäre nass, bis hin zu den Mosaikfenstern darstellte.
    Es befanden sich auf jeder Seite fünf Sitzbänke. Da ich annahm, dass hier seit längerer Zeit niemand mehr gewesen war, wunderte es mich ziemlich, dass hier nichts verstaubt aussah. Die untere Hälfte der Wand war nicht auch weiß, sondern grau und ich erkannte sogar, dass verschieden aussehende Engel hineingemeißelt worden waren. Die einen hielten Musikinstrumente in ihren Händen, die anderen widerum hatten ihre Arme Richtung Himmel ausgestreckt. Über jedem Kopf befand sich ein Heiligenschein. Ihr Anblick bereitete mir Gänsehaut.
    Alex ging mit mir weiter nach vorne, wo sich zwischen zwei Säulen das Podest befand, das in mir aus irgendeinem Grund plötzlich Panik hervorrief. Unauffällig zuckte ich zusammen, weil ich für einen Moment das Gefühl hatte, mein Körper würde irgendwo gegen geschlagen werden. Gleich darauf verschwomm meine Sicht. Da ich jedoch nicht schon wieder ein Bild meiner Vergangenheit sehen wollte, schüttelte ich heftig meinen Kopf, woraufhin Alex stehenblieb und verwirrt die Augenbrauen zusammenzog.
    Meine Taten brachten jedoch nichts. Ich hatte meine Hand losgerissen und trampelte nun verzweifelt mit geschlossenen Augen umher, doch immer wieder spürte mein Körper einen schmerzhaften Druck. Und dann erstarrte ich. Die ganze Welt um mich herum schien stehenzubleiben. Jedes Gefühl wich aus meinen Adern, während mir etwas Furchtbares klar wurde.
    Ungefähr zehn Sekunden lang konnte ich mich nicht bewegen. Diese Erkenntnis trieb mir Tränen in die Augen und ließ mich auf die Kniee fallen.
    Alex wollte mir sofort helfen aufzustehen, doch ich hob eine Hand, sodass er es sein ließ und mich weiterhin verwirrt anschaute.
    Chalina, was ist los mit dir?
    Ich schluckte laut und sagte mit zittriger Stimme, In dieser Kirche hatte man mich verheiratet.
    Seine Augen weiteten sich schlagartig, während er schnell tief Luft holte. Aus den Augenwinkeln nahm ich wahr, wie er mit reuevollem Blick den Kopf senkte und sein Atem sich ein wenig beschleunigte.
    Neugierig betrachtete ich ihn nun genau, was kein Problem darstellte, denn er sah mich schließlich nicht an.
    Sein Körper zitterte, selbst seine Lippen bewegten sich auf unerklärliche Weise.
    Hatte er es etwa gewusst? Warum hatte er mich dann hierhergebracht? Wollte er etwa, dass ich diese Erkenntnis bekam? Mein Herz wollte das einfach nicht wahrhaben. Ich wusste aus irgendeinem Grund, dass mein Hochzeitstag der schlimmste Tag meines Lebens gewesen ist. Deshalb hatte ich mich eben gerade so sehr vor der Erinnerung gefürchtet. Erst jetzt stellte ich überrascht fest, dass ich es tatsächlich geschafft habe zu verhindern, dass sie in meinem Kopf erschien. All die Erinnerungen, die mir genommen wurden, sollten bloß wegbleiben. Mir war es lieber, im Ungewissen zu sein. Aaran konnte sie ruhig für immer bei sich behalten.
    Du... was hast du gesehen?
    Ich presste für einen kurzen Augenblick meine Lippen fest aufeinander. In meinem Hals hatte sich ein Kloß gebildet, der höllisch wehtat. Langsam erhob ich mich und ließ meine Tränen laufen.
    Nichts. Ich konnte es in der letzten Sekunde verdrängen.
    Woher-
    Ich weiß es einfach, Alex. Hier wurde ich verheiratet. Da bin ich mir ganz sicher. Ein paar Minuten lang herrschte Stille. Dieser wunderschön aussehende Ort kam mir plötzlich total unheimlich vor. Trotzdem wollte ich mich meiner Angst stellen. Es wäre nicht richtig, wegzulaufen. So etwas taten nur Feiglinge und das war ich nun einmal nicht!
    Also trat ich, nachdem ich einmal tief durchgeatmet hatte, schweren Herzens nach vorne und kniete mich vorsichtig mit geschlossenen Fersen zuerst mit dem rechten, dann mit dem linken Bein nieder, während mein Körper aufrecht blieb und ich meine Hände faltete. Dann senkte ich reuevoll meinen Kopf und schloss die Augen. Ganz vage nahm ich davor noch wahr, wie Alex dasselbe tat, ohne den Blick jedoch von mir abzuwenden.
    Vater Unser im Himmel-, begann er plötzlich laut zu beten, -Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Die unglaubliche Ehrfurcht in seiner Stimme wunderte

Weitere Kostenlose Bücher