Cruel World
hob eine Augenbraue. Woher willst du das wissen? Du hast mich noch nie mit einem Tier kämpfen sehen.
Na und? Ich bin mir ziemlich sicher, dass Vampire die stärksten Wesen auf dieser Welt sind.
Kaum hatte er seinen Mund geöffnet, um etwas zu sagen, da hielt er auch schon inne und schaute nervös zu Boden. Na ja... das stimmt nicht ganz. Es gibt eine Person, die stärker und viel mächtiger als alle anderen Wesen ist, die auf der Erde verweilen.
Wirklich?, fragte ich ungläubig, Wer oder was ist es? Kennst du die Person?
Natürlich! Niemand kennt sie besser als ich!, rief er argwöhnisch und ballte die Hände zu Fäusten. Wieder wirkte sein Lächeln verkrampft. Vielleicht weißt du auch, wer sie ist. Kennst du die Frau, die sich als Kelly Broun ausgibt?
Ich erstarrte und traute meinen Ohren kaum. Wie bitte? Kelly ist die mächtigste Person auf der ganzen Welt?
Du sprichst von ihr ja so, als ob-
Sie ist Mitglied in meinem Clan., unterbrach ich ihn und verzog das Gesicht, Aaran und eure Cousine, Emma, haben mich bereits vor ihr gewarnt. Aber das hier hätte ich nun wirklich nicht erwartet. Soll das heißen, dass man sie gar nicht töten kann?
Ich beschloss auf eine andere Weise herauszubekommen, was für ein Wesen sie ist. Es konnte auf jeden Fall nichts Gutes sein. Wenn sie jedoch wirklich auf der richtig bösen Seite war, warum hatte sie Noah und mir, obwohl wir so viel Zeit zusammen verbracht haben, nichts angetan? Weshalb hatte sie sich mit Noah angefreundet? Kannten die beiden sich etwa doch schon länger? Stellte Noah für mich ebenfalls eine Bedrohung dar? Ich wollte auch das nicht wahrhaben? Wieso hätte er mir diese Freundschaft vorspielen sollen? Machte er sich die ganze Zeit wirklich Sorgen um mich? Suchte er mich auch jetzt gerade? Weshalb hatte er so oft - auch vor drei Monaten in dem Turm der Harbour Bridge - sein Leben für mich riskiert? Irgendwie ergab das alles keinen Sinn.
Doch, es gäbe da schon eine Möglichkeit.
Welche?
Er sah ziemlich überfordert aus und schien sich bedrängt zu fühlen, doch ich dachte jetzt gar nicht daran, locker zu lassen. Wenn meine Freunde in Gefahr waren, dann würde ich alles tun, um sie zu retten. Dazu gehörte auch Noah, weil ich keine Beweise hatte, dass er wirklich böse sei. Vielleicht hat Aaran das bloß gesagt, weil er wusste, dass ich mir darüber den Kopf beinahe zerbrechen würde.
Frage Aaran, nicht mich. Er ist der Allwissende von uns beiden. Ich weiß nur, dass Kelly nicht von dieser Welt stammt.
Ich schluckte laut, ehe er mich plötzlich auf seinen Rücken zog und ohne ein weiteres Wort zurück zur Glory Cole Have rannte.
Kapitel 12
Meine Hand tat zwar schon seit einer Woche nicht mehr weh, aber ich wusste, wenn ich das zugebe, würde Alex mich zurück nach Sydney bringen wollen. Auf keinen Fall wollte ich wieder mehrere Monate warten müssen, um bei ihm zu sein. Das könnte ich nicht ertragen. Der Drang in mir, der sich noch bei Teresha entschuldigen, Noah ein paar Fragen stellen und meinen Clan warnen musste, wurde von Tag zu Tag kleiner, was mir sehr gefiel. Allerdings wusste ich nicht, wie lange ich mit dieser Lüge durchkommen konnte. Alex wusste sicherlich auch, dass eine Verrenkung höchstens drei Wochen andauerte und der Knochen danach wieder Ordnung war. Die ganze Zeit wollte ich ihn fragen, was er von der Idee halten würde, mit mir für immer hier zu bleiben, wo uns niemand finden und etwas Schlimmes antun könnte, doch irgendetwas hielt mich zurück. Immer, wenn ich die passende Möglichkeit dazu hatte, verließ mich der Mut und Zweifel machten sich in mir breit. Er hatte zwar behauptet, dass er sich am liebsten bis in alle Ewigkeit um mich kümmern würde, obwohl sich das meiner Meinung nach eher nach einem Geständnis anhörte, aber ich wusste nicht, ob das ganz der Wahrheit entsprach. Vielleicht hatte er mich damit nur aufmuntern wollen. Was, wenn er mich gar nicht so unglaublich gern hatte, wie ich ihn? Allein der Gedanke bereitete mir unglaubliche Schmerzen. War es vielleicht sogar möglich, dass ich für diesen Vampir mehr empfand, als ich eigentlich sollte? Wie könnte ich das am Besten herausfinden? Wollte ich das überhaupt? Hätten wir denn eine Chance gemeinsam?
Wenn ich ihn auch nur mit den Fingerspitzen jetzt berührte, würde er es sofort merken und womöglich aufwachen. Da ich das nicht wollte, weil ich ihn nachts doch so gerne betrachtete und nachdachte, ließ ich es bleiben. Sein Gesicht sah so friedlich und ohne
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