Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Cruel World

Cruel World

Titel: Cruel World Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Neslihan Dadas
Vom Netzwerk:
sicher?
Unsere Gesichter waren jetzt nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt. Am liebsten hätte ich auf der Stelle meine Lippen auf seine gelegt, aber irgendetwas in mir wusste, er würde jeden Augenblick wieder zurücktreten und sich entschuldigen.
Trotzdem nebelte sein Atem meinen Verstand ein, sodass ich nicht mehr richtig denken konnte. Es schwirrten jetzt nur noch einzelne Wörter in meinem Kopf herum.
Ähm... ich denke schon.
Langsam hob er seine linke Hand, um mir damit über die Wange zu streichen. Das ist wirklich traurig.
W-Wieso?
Hmmm... bist du nicht diejenige gewesen, die einmal gesagt hat, dass man seine eigene Freude und das Glücklichsein niemals aufgeben soll, komme was wolle?
Ganz vage erinnerte ich mich.
Allerdings waren bei meiner Erinnerung auch Noah, Kelly, Teresha und Cooper dabei. Aaran war nirgendwo zu entdecken. Außerdem erkannte ich bei diesem Bild, dass wir alle junge Teenager waren und sich hinter uns ein Freizeitpark mit vielen Karussels und einem großen Riesenrad befand. War das etwa beim ehemaligen Luna Park gewesen? Ich wusste nur, dass dieser städtische Freizeitpark vor der Zerstörung kunterbunt von allen Hochhäusern rings herum herausstach und ich dort womöglich oft gewesen bin. Es lag damals am Lavender Bay, in dem das Wasser heutzutage ganz schwarz durch den vielen Dreck geworden ist.
Meinte Alex wirklich diese Szene? Das konnte unmöglich sein Ernst sein. Schließlich war er in meiner Vergangenheit nicht dabei gewesen. Woher also hätte er das wissen sollen? Hatte ich es etwa auch vor drei Monaten einmal gesagt? Warum erinnerte ich mich nicht daran?
Erlebe du mal so viel wie ich. Danach würdest du auch nicht sagen, dass du glücklich bist.
Er löste sich schmollend von mir. Also habe ich gar keine Möglichkeit, dir in den nächsten Tagen ein paar Freuden zu bereiten?
Ich blinzelte ein paar mal. Hatte er wirklich vor, mich bei sich zu behalten? Wollte er mich nicht mehr zurück nach Sydney bringen? Mein Herz machte einen so großen Luftspung, dass ich kurz auflachen musste. Oh, doch! Solange ich in deiner Nähe bin, bin ich immer glücklich. Mir recht es sogar schon, dich einfach nur ansehen zu dürfen.
Das ist gut. Ich habe nämlich ein paar Überraschungen geplant. Ich kann dir jetzt schon sagen, dass du ab morgen überglücklich sein wirst.
Ach ja? fragte ich verwirrt und überlegte, ob er doch vorhatte, mit mir zu schlafen. Seine leuchtenden Augen verrieten jedoch nichts von Erregung und Leidenschaft, sondern nur von Aufregung. Vielleicht würde er mich an einen schönen Ort bringen, der keine weiteren Erinnerungen in mir weckt.
Du wirst schon sehen. Nun solltest du wirklich schlafen.
Ich verzog das Gesicht. Er wusste schließlich nicht, dass ich es nur nicht tun wollte, weil ich Angst vor den Alpträumen hatte, die ich womöglich bekommen würde, aufgrund der Dinge, die er mir eben gerade erzählt hat. Alex...
Komm schon, Chalina-Anastasia. Tu es für mich. Ich will nicht, dass du wieder krank wirst. Dein Körper sieht ziemlich erschöpft aus.
Stöhnend ging ich zu dem Laken und ließ mich dann nieder. Das weiche Kissen unter meinem Kopf löste in mir ein wohliges Gefühl aus und als ich meine Augen schloss nahm ich nur noch am Rande wahr, wie Alex mich lachend zudeckte, denn mein Verstand war, ohne dass ich es verhindern konnte, bereits woanders gelandet. Die Bilder, die mir Dinge aus meiner Vergangenheit zeigten war mehr als nur schrecklich.
Immer wieder wurde ich angeschrieen, eingesperrt oder von meinem eigenen Vater erbarmungslos verprügelt, nur weil ich das Wort Nein benutzt hatte. Hatte meine Eltern mich überhaupt geliebt? War ich ihnen je wichtig gewesen oder wollten sie nur, dass ich am Leben blieb? Kaum stellte ich mir diese Frage, da befand ich mich auch schon in dem hübschen Einfamilienhaus, wo ich einmal gelebt habe. Alles war da, wo es immer war. Die blauen Kristallvasen auf den beiden kleinen, weißen Regalen neben der Eingangstür, die Bank neben der Treppe und auch der Kronleuchter, der den Flur, in dem ich stand erhellte.

Ich stand in einem weißen Nachtkleid hinter der Tür, die in unser schönes, großes Wohnzimmer führte. Mein Ohr war an das Holz gepresst, so, als würde ich lauschen. Da mein Gesicht und auch mein zitternder Körper zeigte, wie verzweifelt ich in dem Augenblick gewesen bin, versuchte ich näher an mich heranzukommen, was mir nicht gelang. Meine Augen blieben wo sie sind - in fünf Meter Entfernung. Dann jedoch drangen

Weitere Kostenlose Bücher