DARKNET
jetzt gerade war. Auf einem Beobachtungsposten in den Bergen? Mit einem Konvoi unterwegs? Sie hatten schon fast einen Monat nichts mehr von ihm gehört, was normalerweise bedeutete, dass er auf einen abgelegenen Beobachtungsposten abkommandiert worden war.
Was würde sein Sohn von all den Veränderungen auf der Farm halten? Und den Veränderungen in der Stadt? Dennis hatte nie die geringste Neigung gezeigt, hier in der Nähe zu bleiben. Na ja, wer wollte es ihm verübeln? Fossen hatte seinen Kindern von klein auf eingeimpft, dass sie aufs College gehen und etwas Besseres werden sollten. Als sein Sohn sich dann mit ihm hingesetzt und ihm erklärt hatte, er wolle zum Militär gehen, damit sie keinen Kredit für sein Studium aufnehmen müssten … tja, da war Fossen beschämt und gleichzeitig stolz gewesen. Beschämt, weil sein Sohn eine solche Entscheidung treffen musste, und stolz, weil er sie getroffen hatte.
Fossen betete, dass seinem Sohn nichts passieren würde – obwohl er nicht sonderlich gläubig war, wandte er sich manchmal doch an Gott.
Draußen begannen die Hunde zu bellen. Fossen kannte das Muster. Einen Waschbär, ein Stinktier oder ein Opossum würden sie schnell verscheuchen. Streunende Hunde waren ein anderes Kaliber, aber seine Hunde waren im Zwinger. Da waren sie sicher.
Das Bellen ließ aber nicht nach.
Fossen setzte sich im Bett auf. Die gesamte Außenbeleuchtung war aus. Auch die Bewegungsmelderlampen an der Scheune.
Merkwürdig
. Aber die Hunde drehten durch. Die Arbeitskräfte und Studenten im Fertigbau mussten diesen Krach doch gehört haben. Er schlug die Decke zurück und horchte genauer. Da war irgendwas unten im Haus. Stufenknarren.
War das Jenna?
Da würden die Hunde sich nicht so aufführen.
Adrenalin schoss durch seine Adern wie heißes Wasser, und er glitt aus dem Bett. Bückte sich nach der Remington-Repetierflinte unter der Bettstatt.
Plötzlich verstummte das Gebell. Stille.
Dann hörte er aus der Diele einen panischen Schrei.
«Daddy!»
Als er sich gerade mit der Flinte wieder aufrichten wollte, flog die Schlafzimmertür auf, und blendend weißes Licht drang ihm in die Augen. Etwas Hartes, Stumpfes traf ihn in die Magengrube. Er krümmte sich. Bekam keine Luft mehr.
Er hörte seine Frau schreien, während ihm die Flinte aus den Händen gerissen wurde. Leute trampelten in seinem Schlafzimmer herum und brüllten in einer fremden Sprache.
«La Pamant! La pamant!»
«Acum! Fa-o, acum!»
Noch immer nach Luft ringend und von dem Licht geblendet, hörte Fossen Gerangel und das Klirren von Glas. Dann wurde er von starken Händen zu Boden geworfen.
Paramilitärische Einheiten
. Die Worte waren in seinem Kopf.
Greeley hatte doch angeblich ein Frühwarnsystem entwickelt. Aber nachts im Bett war er ja auch nicht mit dem Darknet verbunden gewesen. Er kannte niemanden, der das machte.
Er hörte Schreie im Haus. Und bekam schließlich genug Luft, um sprechen zu können. «Jenna! Lynn!»
Die starken Hände bogen ihm die Arme auf den Rücken, und er fühlte, wie eine Plastikfessel um seine Handgelenke gezurrt wurde. Sein Sehvermögen kam gerade wieder, als ihm jemand den Mund mit Klebeband verschloss und einen Sack über den Kopf zog.
Jetzt hörte er von weiter weg Schreien und Gebrüll. Er wurde roh an den Armen hochgehievt und offenbar aus dem Zimmer geschleppt. Er fühlte seine Füße über die Treppenstufen und über den Wohnzimmerboden schleifen, dann spürte er plötzlich die Nachtluft an Armen und Beinen. Er hatte ja nur Boxershorts und ein Unterhemd an. Es war eine warme Sommernacht.
Er hörte Weinen und Wimmern, dann wurde ihm jäh der Sack vom Kopf gerissen. Was er sah, war ein Schock.
Dutzende schwerbewaffneter Männer in schwarzen Skimützen, Jeans und T-Shirts umringten ihn im Mondlicht. Sie hatten Kalaschnikows umhängen und trugen über den Kleidern Schutz- und Munitionswesten. Sie hatten Nachtsichtbrillen auf.
Die Männer hatten ihre Gefangenen in den Hof hinter dem Farmhaus gebracht, und Fossen sah seine Frau, seine Tochter, drei Arbeitskräfte und die vier Studenten ein Stück weiter gefesselt und geknebelt im Gras knien. Er selbst stand inmitten der Bewaffneten. Hinter ihnen sah er seine Hunde, Blackjack, Licorice und Hurley, reglos in ihrem Zwinger liegen. Tot.
Ein bulliger, maskierter Mann baute sich vor Fossen auf, die Kalaschnikow in der Armbeuge. Er sprach mit einem starken Akzent.
«Mr.Fossen. Sie haben hübsche Farm.» Er bückte sich und packte
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