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DARKNET

DARKNET

Titel: DARKNET Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Daniel Suarez
Vom Netzwerk:
rettet?»
    «Was hat Sie denn am Ende bewogen, dem Darknet beizutreten?»
    «Haben Sie je von einem Hexenmeister namens Loki gehört?»
    Sebeck schüttelte den Kopf.
    «Er ist der vielleicht mächtigste lebende Daemon-Agent. Er hätte mich beinah getötet. Und er hat so ziemlich alle getötet, mit denen ich zusammengearbeitet habe.»
    «Und das hat Sie dazu gebracht, dem Darknet
beizutreten
? Da hätte ich doch die gegenteilige Reaktion erwartet.»
    «Wenn dieses Netzwerk eine Zukunft haben soll, darf es nicht von blutgierigen Soziopathen wie Loki beherrscht werden. Und dann war da jemand in dieser Taskforce – ein Mann, den sie den Major nannten –, durch den ich begriffen habe, dass die bestehende Ordnung noch schlimmer ist.»
    Sebeck nickte. «Der Major ist mir ein Begriff. Die Leute suchen überall nach diesem Kerl. Er hat Roy Merritt erschossen – den Brennenden Mann.»
    «Ich kannte Roy. Habe mit ihm zusammengearbeitet. Er war derjenige, der mich in dieses Regierungsteam geholt hat. Der Major hat uns beide verraten.»
    Sebeck zog die Augenbrauen hoch. «Dann haben Sie also mächtige Feinde.»
    «Ich will Ihnen sagen, was mir Sorge macht, Pete: Das Darknet ist ein verschlüsseltes drahtloses Netzwerk, das sich ständig verändert, aber es braucht auch Elemente, die es erhalten, und ich befürchte, dass einige fähige Köpfe daran arbeiten, sich in den Daemon einzuhacken und ihn unter Kontrolle zu bringen.»
    «Halten Sie das für möglich?»
    Er nickte. «Wenn das gelingen sollte, könnte dieser neue Frühling der Freiheit bald vorbei sein. Und das wäre nicht mein erster falscher Frühling.»
    «Und dieser Major ist …»
    «Teil eines Finanzsystems, das hinter den Kulissen die Strippen zieht. Diese Leute wissen, dass die Weltwirtschaft wankt, und sie scheinen den Daemon als Mittel zu sehen, sie wieder in den Griff zu kriegen. Darknet-Feeds verzeichnen einen Anstieg repressiver Gewalt in aller Welt – gerichtet gegen resiliente Darknet-Communities. Sie wollen nicht, dass Menschen so leben …» Er zeigte auf die Stadt.
    «Sie meinen, autark?»
    «Genau. Wirkliche Demokratie ist etwas verdammt Seltenes. Überall wird von Demokratie geredet, aber das sind bloß Leerhülsen. Sie nennen es nur Demokratie. Sie benutzen das Vokabular, die Requisiten, aber es ist nichts weiter als Theater. Was
eure
Gründerväter getan haben, das war handfest und echt. Aber das Problem an Demokratien ist, dass sie schwer aufrechtzuerhalten sind. Besonders angesichts hochentwickelter Technologien. Wie soll man sich seine Freiheit bewahren, wenn die Mächtigen Softwarebots einsetzen können, um abweichende Meinungen aufzuspüren, und wenn sie Unruhestifter mit Drohnen ausschalten können? Menschen werden immer unnötiger, um in der modernen Welt Macht auszuüben.»
    «Laney nennt das ‹Neofeudalismus›.»
    Vom anderen Tischende kam Price’ Stimme. «Und es ist schon im Gange, Sergeant, ich sag’s Ihnen.»
    Ross drehte sich zu Price. «Wie meinen Sie das?»
    «Schauen Sie, im mittelalterlichen Europa konnte ein gepanzerter Ritter zu Pferd jede Menge einfaches Fußvolk besiegen.» Er stach mit einer Gabel in Ross’ Richtung. «Mit den modernen Elitekriegern ist es ganz ähnlich – sie können mit überlegener Technologie Massenheere von gewöhnlichen Wehrpflichtigen niedermähen. Und was passiert, wenn kleine Elitetrupps ganze Bürgerheere bezwingen können? Der Feudalismus zieht wieder ein – landlose Leibeigene und eine dauerhaft herrschende Klasse. Nehmen Sie nur mal die befestigten Luxuswohnanlagen, die überall hochgezogen werden, mit eigenen Sicherheitskräften. Das ist Neofeudalismus, Mann.»
    Ross wandte sich wieder Sebeck zu. «Ich werde nie begreifen, wie wir das zulassen konnten.»
    «Demokratie erfordert aktive Beteiligung, und früher oder später ist irgendjemand so aufopferungsvoll, anzubieten, einem die ganzen komplizierten Entscheidungsprozeduren abzunehmen, wo man doch sowieso schon so ein stressiges Leben hat. Das Darknet hingegen lädt den Menschen diese Entscheidungen wieder auf. Es verankert Demokratie in der DNA der Zivilisation. Man stimmt mehrmals am Tag über Dinge ab, die sich unmittelbar auf das eigene Leben und das Leben der Menschen um einen herum auswirken – nicht nur alle paar Jahre einmal über Dinge, die zu beeinflussen man sowieso nicht den Hauch einer Chance hat.»
    Sebeck trank seinen Espresso aus. «Hören Sie, ich sehe ja, dass verteilte Demokratie in Holons wie diesem hier

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