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Das Erbe der Pilgerin

Das Erbe der Pilgerin

Titel: Das Erbe der Pilgerin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ricarda Jordan
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der Herstellung sicher genauso teuer wie ein großes«, murrte Pierre de Montalban über die Pläne. »Die wirklich guten schießen sechshundert Ellen weit, das schafft dieses Spielzeug doch nie!«
    Miriam wollte scharf etwas erwidern, aber Salomon, der weitaus Geduldigere, gebot ihr mit einem Blick Schweigen.
    »Monseigneur, wir müssen keine sechshundert Ellen weit schießen«, erklärte er stattdessen gelassen. »Schaut, die üblichen Modelle sind Angriffswaffen, Belagerungswaffen. Da will man nicht auf Pfeilschussweite an die Burg heran, deshalb sind große Reichweiten sinnvoll. Wir dagegen wollen eine Festung verteidigen. Das heißt, die Leute rennen gegen uns an, die laufen und reiten dem Katapult entgegen. Unsere Blide muss also eher hoch als weit schießen, wenn wir sie innerhalb unserer Mauern belassen wollen. Und sie muss sich leicht transportieren lassen – zum Beispiel auf die Zinnen Eurer Burg, auf die Stadtmauer. Deshalb haben wir ein kleines und möglichst leichtes Modell konzipiert, eine Mangonel. Damit schrecken wir sie ab, Monseigneur, wir bringen sie dazu, Abstand zu halten. Das vereinfacht einen Ausfall, wenn wir einen machen wollen – und es sichert den Rückzug, falls er misslingt.«
    »Aber man brauchte doch mehrere von den Dingern«, brummte Montalban, »wenn sie die gesamte Stadtmauer abdecken sollen.«
    Miriam nickte. »Das wäre sinnvoll«, sagte sie. »Bedenkt, dass wir diese kleinen Maschinen tarnen können. Der Feind wird nicht wissen, woher er beschossen wird. Und wir können die Mangonels bewegen! Denkt nach, Monseigneur, der Feind wird heute nicht wieder da angreifen, wo ihm gestern die Kugeln um die Ohren geflogen sind. Aber sobald wir sehen, wo er anzugreifen gedenkt, schaffen wir eine Mangonel dorthin und schießen erneut.«
    »Wie weit würden die Dinger denn überhaupt schießen?«
    Der Burgvogt war nach wie vor nicht bereit, von der Vorstellung abzugehen, die Reichweite der Blide sei entscheidend.
    Salomon zuckte die Schultern. »Unser kleines Modell kommt etwa sechs Ellen weit, aber es ist natürlich viel kleiner als die bekannten Belagerungsmaschinen. Unsere Pläne sehen vor, die Mangonel etwa halb so groß zu bauen, wir könnten also von einer Reichweite von um die dreihundert Ellen ausgehen. Immer noch hundert mehr als jeder Pfeil.«
    »Und auf diese Entfernung kann man sehr genau zielen!«, fügte Miriam begeistert hinzu. »Das ist auch wichtig.«
    »Ich weiß dennoch nicht …«, brummte Montalban.
    Miriam seufzte. »Ich werde Geneviève ansprechen«, sagte sie, als sie schließlich mutlos abwartete, bis Salomon sich die Treppen von Montalbans Räumen in den Burghof heruntergeschleppt hatte. »Sie muss das Geld herausgeben, das der Graf ihr dagelassen hat. Seit sie sich ein bisschen gefangen hat, betrachtet sie es wohl wieder als sündig und hortet es sonst wo, aber jetzt wird es gebraucht. Ob sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren kann oder nicht.«
    Sophia rang mit ihrem Gewissen, als die Ritter sich zum Abritt im Burghof sammelten. Flambert sah ihr mit geradezu verzweifelt sehnendem Blick entgegen, als sie schließlich zu ihnen trat.
    »Meine Dame, wie schön Ihr seid! Wisset, dass sich meinen Augen Euer Anblick einbrennen wird. Sollte ich sterben, so wird der Engel, der mich ins Paradies leitet, Eure Züge tragen.«
    Geneviève, die neben Sophia herging, schaute missmutig. Ein Paradies, wie Flambert es sich vorstellte, sah ihr Glaube eigentlich nicht vor, erst recht nicht für Ritter. Der Kampf galt schließlich als sündig. Immerhin sagte sie nichts, und auch Sophia sprach das Thema nicht an, sondern lächelte huldvoll.
    »Ihr werdet nicht fallen, Herr Flambert, meine Gebete werden Euch schützen«, erklärte sie ohne Rücksicht darauf, dass Geneviève noch missmutiger guckte. »Und die Eurer gesamten Gemeinde«, beeilte sich Sophia hinzuzufügen. »Und hier«, sie nestelte ein Tuch aus ihrem Ausschnitt, »hier gebe ich Euch mein Zeichen.«
    Flambert zog den zarten Seidenstoff an seine Lippen. »Und der Kuss?«, fragte er dann sehr leise.
    Sophia war nah an sein Pferd herangetreten, um das Geschenk zu übergeben. Jetzt war ihr erster Impuls zu fliehen. Aber andererseits … Flamberts sanfte Augen flehten um ihre Liebe, sie rührten an ihr Herz. Tatsächlich wollte sie diesen Ritter umarmen, wollte ihn trösten und schützen – und küssen.
    Sophia nickte kaum merklich und hob ihm den Kopf entgegen. Als Flambert sich zu ihr herabneigte, küsste sie ihn leicht auf die

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