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Das Exil Der Königin: Roman

Das Exil Der Königin: Roman

Titel: Das Exil Der Königin: Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Cinda Williams Chima
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Es gab keine einfachen, billigen Plätze, wo sie die Nacht verbringen konnte. Es war genauso aussichtslos, als hätte er versucht, direkt vor Fellsmarch Castle eine Gang ins Leben zu rufen.
    Sie mussten irgendwie dafür sorgen, dass es auch so funktionierte.
    Die Glocken im Turm von Mystwerk läuteten einmal. Es war Zeit, sich auf den Weg zu machen.
    Han schob sein Buch in seine Schultertasche und prüfte noch einmal deren Inhalt. In der Tasche befand sich das Buch mit Zaubersprüchen, das Elena ihm gegeben hatte, und ein anderes, dickes Buch mit Zaubersprüchen von einem gewissen Kinley, das er von Blevins bekommen hatte, sowie ein Stapel blankes Papier und sein Kästchen mit Schreibutensilien. In der Tempelschule von Southbridge hatte er nie irgendein Buch mit zum Unterricht genommen, weil er gar keins besessen hatte. Ebenso wenig wie Papier, Bleistifte, Federn und Tinte. Er hatte alles von Jemson in der Schule bekommen.
    In Southbridge hatte sich niemand außer Jemson darum geschert, ob er auftauchte oder nicht. Und er hatte kein Problem damit gehabt, sich zu behaupten. Die anderen Schüler waren auch von der Straße gekommen und hatten genauso gesprochen wie er – im grellen Slang der Straße, mit dem sie alle aufgewachsen waren.
    Aber das hier war etwas anderes. Seine Studienkameraden waren in blaublütigen Amulettschwinger-Familien aufgewachsen. Sie hatten mit Zaubersprüchen und Beschwörungen zu tun gehabt, seit sie Lýtlings gewesen waren. Vermutlich waren sie bereits in Magie ausgebildet worden, bevor sie auch nur die Erlaubnis erhalten hatten, ein Amulett zu tragen, und besaßen Zugang zu sämtlichen Bibliotheken, die sich der Magie widmeten.
    »Wir werden zu spät kommen!«, durchbrach Dancer den Sorgennebel, der Han umhüllte. Dancer trug sein neues Schulgewand und hatte sich seine Tasche über die Schulter gehängt.
    »Ich komm ja schon.« Han streifte sich das rote Gewand über den Kopf, schob die Arme durch die Ärmel und zog es herunter, sodass es seine andere Kleidung vollständig bedeckte. Es gefiel ihm, dieses Gewand zu tragen – es verstärkte das Gefühl, dazuzugehören.
    Sie stiegen die Treppe hinunter. Han hielt den Saum des Gewands hoch, damit er nicht darüberstolperte. Es würde etwas dauern, bis er sich ganz daran gewöhnt hatte.
    Es war ein frischer, klarer Morgen, noch immer ziemlich warm, aber weniger feucht als am Tag zuvor. Das Sonnenlicht stand schräg über den Wiesen und glitzerte auf dem von Tau benetzten Gras. Auf den Gehwegen tummelten sich die Studenten in ihren bunten Gewändern, während sie sich noch den Schlaf wegblinzelten und gähnten. Han aß sein Brötchen im Gehen weiter.
    Der Unterricht fand in einem Klassenzimmer im zweiten Stock von Mystwerk House statt, von dem aus man Ausblick auf den Tamron hatte. Mehrere ansteigende Sitzreihen zogen sich in einem Halbkreis um ein in der Mitte errichtetes Podium herum. Als Han und Dancer den Raum erreichten, nahmen die anderen Studenten bereits Platz und kramten Bücher und Papier aus ihren Taschen. Es waren insgesamt fünfzehn Leute, die wie Pralinen in einem Holzkästchen wirkten, alle fein säuberlich aufgereiht und in das gleiche rote Papier eingewickelt.
    Han blieb im Türrahmen stehen und ließ seinen Blick über die Studenten streifen. Er sah Bayar und die Mander-Brüder in der hinteren Reihe auf der linken Seite.
    Micah saß lässig auf seinem Platz; eine Hand lag auf dem Sitz vor ihm, und er hatte den Kopf nach hinten gebogen, während sich der Blick seiner schwarzen Augen auf Han heftete. Sein Falkenamulett hing deutlich sichtbar über seinem Gewand.
    Gut, dachte Han. Zumindest waren alle hier, und es durchsuchte nicht irgendeiner von ihnen sein Zimmer nach dem Zauberstück, das er ihnen abgenommen hatte.
    Aber selbst wenn sie nachsahen, würden sie nichts finden. Han war schließlich nicht umsonst in den Straßen von Ragmarket aufgewachsen. Er wusste, was Vorsicht hieß. Er trug seine Geldbörse immer bei sich. Das Zauberstück hatte er sich um den Hals gehängt, und seine Bücher waren in seiner Tasche.
    Han lächelte, nickte und winkte Micah zu, sodass es beinahe so aussah, als würde er ihm eine Kusshand zuwerfen. Er fand rechter Hand in der zweiten Reihe einen Platz, von dem aus er Micah im Blick hatte. Dancer setzte sich neben ihn.
    Die meisten Studenten der gesamten Akademie kamen vermutlich aus den Flatlands. So weit Han erkennen konnte, ohne dass er die Möglichkeit hatte, sich an der Kleidung zu

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