Das Flammende Kreuz
hinter uns.«
»Auch keine Regulatoren? Keine Scharfschützen? Kein Hinterhalt?«, fragte Jamie, doch Forbes schüttelte den Kopf, noch bevor er seine Fragen zu Ende formuliert hatte.
»Wir haben ein paar Regulatoren bis zum Fluss verfolgt, aber dort haben wir angehalten und sie laufen gelassen.« Forbes hielt den Hut nach wie vor zwischen den Fingern und rollte seine Krempe automatisch immer wieder ein und aus. »Mir war nicht danach, jemanden umzubringen.«
Jamie nickte schweigend.
Ich räusperte mich und hob vorsichtig die blutigen Überreste von Mortons Hemd an.
»Man hat ihn zweimal in den Rücken geschossen.« Das zweite Geschoss hatte nur seinen Oberarm gestreift, doch ich konnte deutlich erkennen, welche Richtung die Furche nahm, die es hinterlassen hatte.
Jamie schloss kurz die Augen, dann öffnete er sie wieder.
»Die Browns«, sagte er voll grimmiger Resignation.
Gerald Forbes sah ihn überrascht an.
»Brown? Das hat er auch gesagt.«
»Er hat etwas gesagt?« Jamie hockte sich neben den Verletzten und zog stirnrunzelnd seine roten Brauen zusammen. Er sah mich an, und ich schüttelte stumm den Kopf. Ich hielt Isaiah Mortons Handgelenk in der Hand und konnte spüren, wie sein Puls flatterte und stolperte. Es war nicht wahrscheinlich, dass er je wieder etwas sagen würde.
»Als sie ihn gebracht haben.« Forbes hockte sich neben Jamie und legte endlich den malträtierten Hut beiseite. »Er hat nach Euch gefragt, Fraser.
Und dann hat er gesagt, ›sagt es Ally. Sagt es Ally Brown.‹ Das hat er ein paar Mal gesagt, bevor er -« Er wies mit einer stummen Geste auf Morton, unter dessen halb geschlossenen Lidern das Weiße seiner vor Qual verdrehten Augen zu sehen war.
Jamie murmelte ganz leise etwas sehr Obszönes auf Gälisch.
»Meinst du wirklich, dass sie es gewesen sind?«, fragte ich genauso leise. Mortons Pulsschlag kämpfte hämmernd und zitternd unter meinem Daumen.
Er nickte und blickte auf Morton hinab.
»Ich hätte sie nicht gehen lassen sollen«, sagte er wie zu sich selbst. Er meinte Morton und Alicia Brown.
»Du hättest sie doch nicht aufhalten können.« Ich streckte meine freie Hand nach ihm aus, um ihn beruhigend zu berühren, doch er stand außerhalb meiner Reichweite, da ich an Mortons Puls festhing.
Gerald Forbes sah mich verwundert an.
»Mr. Morton ist mit der Tochter eines Mannes namens Brown... durchgebrannt«, erklärte ich ihm die delikate Situation. »Die Browns waren nicht besonders erfreut darüber.«
»Oh, ich verstehe.« Forbes nickte verständnisvoll. Er blickte auf Morton hinab und schnalzte mit der Zunge, ein Geräusch, in dem Tadel und Mitgefühl mitklangen. »Die Browns - wisst Ihr, zu welcher Kompanie sie gehören, Fraser?«
»Zu meiner«, sagte Jamie knapp. »Zumindest haben sie dazu gehört. Ich habe sie seit Beginn der Schlacht nicht mehr gesehen. Ich habe unter den Verwundeten nach ihnen gesucht.« Er wandte sich an mich. »Kannst du etwas für ihn tun, Sassenach?«
Ich schüttelte den Kopf, ohne jedoch sein Handgelenk loszulassen. Sein Puls hatte sich nicht verbessert, aber er hatte sich auch nicht verschlechtert.
»Nein. Ich dachte, er läge schon im Sterben, aber noch ist es nicht so weit. Die Kugel hat wohl kein wichtiges Blutgefäß getroffen. Trotzdem...« Ich schüttelte noch einmal den Kopf.
Jamie seufzte tief und nickte.
»Aye. Bleibst du vielleicht bei ihm, bis...?«
»Ja, natürlich. Gehst du dann zu unserem Zelt zurück und achtest darauf, dass dort alles unter Kontrolle ist? Falls Roger - ich meine, komm und hol mich, wenn ich gebraucht werde.«
Er nickte noch einmal und ging. Gerald Forbes trat näher und legte Morton zögernd eine Hand auf die Schulter.
»Seine Frau - ich werde dafür sorgen, dass sie Unterstützung bekommt. Werdet Ihr ihm das sagen, falls er noch einmal zu sich kommt?«
»Ja, natürlich«, sagte ich noch einmal, doch ich zögerte, und er blickte mit hochgezogenen Augenbrauen auf.
»Es ist nur so, dass er... äh... zwei Frauen hat«, erklärte ich. »Er war
schon verheiratet, als er mit Alicia Brown durchgebrannt ist. Daher die Schwierigkeiten mit ihrer Familie, versteht Ihr?«
Forbes’ Gesicht verlor auf beinahe komische Weise jeden Ausdruck.
»Ich verstehe«, sagte er und kniff die Augen zu. »Die... äh... erste Mrs. Morton. Wisst Ihr, wie sie heißt?«
»Nein, leider -«
»Jessie.«
Das Wort war kaum mehr als ein Flüstern, doch es hätte genau so gut ein Gewehrschuss sein können, so wirkungsvoll
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