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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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unterbrach es das Gespräch.
    »Was?« Ich musste Mortons Handgelenk fester umklammert haben, denn er zuckte sacht, und ich lockerte meinen Griff.
    »Jessie...«, flüsterte er erneut. »Jeze... bei. Jessie Hatfield. Wasser?«
    »Wass - oh, ja!« Ich ließ sein Handgelenk los und griff sofort nach dem Wasserkrug. Er hätte sich am liebsten darauf gestürzt, doch ich ließ ihn vorerst nur kleine Schlücke trinken.
    »Jezebel Hatfield und Alicia Brown«, sagte Forbes vorsichtig, wahrscheinlich, um die Namen in seinem ordentlich organisierten Anwaltshirn einzusortieren. »Ist das so korrekt? Und wo leben diese Damen?«
    Morton holte Luft, hustete und unterbrach sein Husten abrupt mit einem schmerzerfüllten Aufkeuchen. Er rang einen Augenblick um Kontrolle, dann fand er die Sprache wieder.
    »Jessie - in Granite Falls. Ally ist - in Guildford.« Er atmete sehr flach und schnappte zwischen den einzelnen Worten nach Luft. Und doch hörte ich kein Blut in seiner Kehle gurgeln, sah keines aus Nase oder Mund sickern. Ich konnte immer noch das saugende Geräusch der Wunde in seinem Rücken hören. Einer Eingebung folgend, zog ich ihn ein wenig nach vorn und riss die Fetzen seines Hemdes beiseite.
    »Mr. Forbes, habt Ihr ein Blatt Papier?«
    »Aber... ja. Ich... das heißt...« Forbes hatte automatisch die Hand in seinen Rock geschoben und ein zusammengefaltetes Blatt Papier zum Vorschein gebracht. Ich riss es ihm aus der Hand, faltete es auseinander, übergoss es mit Wasser und klebte es flach auf das kleine Loch unter Mortons Schulterblatt. Die Tinte vermischte sich mit Blut und lief in kleinen, dunklen Rinnsalen über seine bleiche Haut, doch das Saugegeräusch hörte abrupt auf.
    Ich hielt das Papier mit der Hand in Position und konnte seinen Herzschlag spüren. Er war immer noch schwach, aber regelmäßige - ja, er war regelmäßiger.
    »Teufel noch mal«, sagte ich und beugte mich zur Seite, um ihm ins Gesicht zu sehen. »Ihr habt gar nicht vor zu sterben, was?«
    Der Schweiß lief ihm über das Gesicht, und die Lumpen seines Hemdes klebten ihm dunkel und nass auf der Brust, doch seine Atemzüge waren jetzt tiefer. »Ally. Das Baby kommt... nächsten... Monat. Ich habe ihr gesagt... ich bin da.«

    Ich ergriff mit der freien Hand den Rand der Decke und wischte ihm den Schweiß aus dem Gesicht.
    »Dann tun wir unser Bestes, um dafür zu sorgen, dass Ihr das auch seid«, versicherte ich ihm und blickte dann zu dem Anwalt auf, der die Vorgänge mit leicht offen stehendem Mund verfolgt hatte.
    »Mr. Forbes. Ich glaube, wir bringen Mr. Morton besser in mein Zelt. Würdet Ihr ein paar Männer suchen, die ihn tragen können?«
    Er schloss abrupt den Mund.
    »Oh. Ja. Natürlich, Mrs. Fraser. Sofort.« Doch er setzte sich nicht sogleich in Bewegung, und ich sah, wie sein Blick zu dem nassen Papier huschte, das an Mortons Rücken klebte. Ich sah es mir genauer an. Ich konnte zwar nur ein paar undeutliche Worte zwischen meinen Fingern lesen, aber diese reichten aus, um mir klar zu machen, dass Jamie wahrscheinlich Unrecht hatte, wenn er Forbes beiläufig als Sodomiten beleidigte. »Meine liebste Valencia«, begann der Brief. Ich kannte nur eine einzige Frau namens Valencia in der Gegend von Cross Creek - oder überhaupt in der Kolonie North Carolina. Farquard Campbells Frau.
    »Tut mir Leid um Euer Blatt Papier«, sagte ich und sah zu Forbes auf. Während ich ihm direkt in die Augen sah, fuhr ich sorgsam mit der Hand über den Papierbogen und verrieb alle Worte darauf unwiderruflich zu einem Geschmier aus Blut und Tinte. »Es ist leider völlig ruiniert.«
    Er holte tief Luft und setzte sich den Hut wieder auf.
    »Das macht nichts, Mrs. Fraser. Wirklich nicht. Ich... gehe dann jetzt ein paar Männer holen.«
     
    Der Abend brachte nicht nur Erleichterung von der Hitze, sondern auch von den Fliegen. Angezogen von Schweiß, Blut und Pferdemist, waren sie im Lager ausgeschwärmt und hatten alle Welt mit ihren Bissen und Stichen, ihrem Krabbeln und Summen zum Wahnsinn getrieben. Selbst als sie fort waren, schlug ich mir noch weiter geistesabwesend auf Arme und Hals, weil ich mir einbildete, von Insektenfüßen gekitzelt zu werden.
    Doch sie waren endlich fort. Ich sah mich in meinem kleinen Königreich um, überzeugte mich, dass alle Beteiligten atmeten - mit einer erstaunlichen Vielzahl an Klangeffekten - und trat gebückt aus dem Zelt, um meinerseits frische Luft zu schnappen.
    Eine vollkommen unterschätzte Tätigkeit, das Atmen.

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