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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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Handrücken. Sie erhoben sich summend und ließen sich außerhalb meiner Reichweite wieder nieder.
    »Habt Ihr in der Schlacht mitgekämpft?«, fragte ich, ohne Abel MacLennan anzusehen. Er musste auf der Seite der Regulatoren gewesen sein, doch er roch nicht nach Schießpulver.
    »Nein«, sagte er leise hinter mir. »Mir war nicht nach Kämpfen zumute. Ich war mit Joe Hobson, Mr. Hamilton und den anderen gekommen - doch als es so aussah, als würde es zum Kampf kommen, bin ich zur Mühle am anderen Ende des Ortes gefahren. Und als Joe dann bei Sonnenuntergang immer noch nicht aufgetaucht war... bin ich zurückgekommen«, schloss er schlicht.
    »Was jetzt?«, fragte ich. Wir sprachen beide leise, als könnten wir den Schlummer des Toten stören. »Sollen wir Euch helfen, ihn zu begraben? Mein Mann -«
    »Ach, nein«, unterbrach er mich leise. »Ich bringe ihn nach Hause, Mrs. Fraser. Aber ich danke Euch für die Freundlichkeit. Wenn Ihr vielleicht etwas Wasser oder etwas Essbares für die Fahrt entbehren könntet...«
    »Natürlich. Wartet hier - ich hole es.«
    Ich eilte zu unserem Zelt zurück und überlegte dabei, wie weit es von Alamance bis nach Drunkard’s Creek war. Vier Tage, fünf, sechs? Und die Sonne brannte so heiß, und die Fliegen... aber ich wusste, wie ein Schotte klingt, der sich etwas in den Kopf gesetzt hat, und entfernte mich ohne Widerspruch.
    Ich machte einen kurzen Abstecher, um nach den beiden Männern zu sehen;
sie atmeten beide. Geräuschvoll und unter Schmerzen - aber sie atmeten. Ich hatte das nasse Papier auf Mortons Verletzung durch ein Stück ölgetränktes Leinen ersetzt, das ich an den Rändern mit Honig festgeklebt hatte, so dass es die Wunde exzellent versiegelte. Es drang nichts heraus; sehr gut.
    Brianna saß nach wie vor bei Roger. Sie hatte einen Holzkamm gefunden und kämmte ihm das verworrene Haar, entfernte vorsichtig Kletten und Zweige und entwirrte langsam und geduldig die Knoten. Sie sang leise vor sich hin - » Frère Jacques«. Auf dem Mieder ihres Kleides zeichneten sich feuchte Kreise ab. Sie war im Lauf des Tages ein- oder zweimal nach draußen gegangen, um den wachsenden Druck der Milch zu lindern, doch offenbar war es wieder Zeit. Auch meine Brüste schmerzten bei diesem Anblick, denn ich konnte mich an das Gefühl erinnern.
    Sie hob den Kopf, und ich sah sie an. Ich fasste mir kurz an die Brust, zog eine Augenbraue hoch und wies kopfnickend zum Zelteingang. Sie nickte mir mit einem kleinen, tapferen Lächeln zu, das wohl beruhigend gedacht war, doch ich konnte die Trostlosigkeit in ihren Augen sehen. Ich ging davon aus, dass ihr klar war, dass Roger zwar möglicherweise überleben würde, er aber wahrscheinlich nie wieder singen - oder vielleicht auch nur sprechen - würde.
    Ich hatte einen solchen Kloß im Hals, dass ich nichts sagen konnte; ich nickte ihr nur zu und huschte ins Freie, das Paket unter dem Arm.
    Eine Gestalt trat vor mir aus der Dunkelheit, und beinahe wäre ich mit ihr zusammengeprallt. Ich bremste mich mit einem Aufschrei und hielt das Paket an meine Brust gedrückt.
    »Verzeihung, Mrs. Fraser. Mir war nicht bewusst, dass Ihr mich nicht gesehen habt.« Es war der Gouverneur. Er trat noch einen Schritt weiter in den Lichtschein vor dem Zelt.
    Er war allein und sah furchtbar müde aus. Die Haut in seinem Gesicht war faltig und schlaff. Er roch nach Alkohol; seine Berater und die Milizoffiziere hatten sicher auf seinen Sieg angestoßen. Doch sein Blick war klar und seine Schritte fest.
    »Euer Schwiegersohn«, sagte er und richtete den Blick auf das Zelt in meinem Rücken. »Ist er -«
    »Er lebt«, sagte eine sanfte, tiefe Stimme hinter dem Gouverneur. Er fuhr mit einem unterdrückten Ausruf herum, und ich riss den Kopf hoch.
    Ich sah einen Schatten, der sich bewegte und Gestalt annahm, und Jamie erhob sich langsam aus der Nacht; er hatte am Fuß eines Hickorybaumes gesessen, unsichtbar in der Dunkelheit. Wie lange war er wohl schon dort?, fragte ich mich.
    »Mr. Fraser.« Der Gouverneur hatte sich erschrocken, doch er biss die Zähne zusammen und hielt die Hände an seinen Seiten zu Fäusten geballt. Er war gezwungen, den Kopf zurückzulegen, um zu Jamie aufzublicken, und
ich konnte sehen, dass ihm das sehr widerstrebte. Jamie konnte es ebenfalls sehen, und es war ihm offenbar vollkommen gleichgültig. Er stand dicht vor Tryon und überragte ihn. Sein Gesichtsausdruck hätte die meisten Menschen erschüttert.
    Er schien auch Tryon zu

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