Das Flammende Kreuz
nicht im Zustand des Aufruhrs und der Rebellion hinterlassen - obwohl ich dies von Rechts wegen hätte tun können.«
Er holte tief Luft und trat einen Schritt zurück, wobei er seine geballten Fäuste angestrengt löste.
»Ihr habt doch Erfahrung mit dem Krieg, Mr. Fraser, und mit der Pflicht. Und wenn Ihr ehrlich seid, werdet Ihr auch wissen, dass auf beiden Gebieten Fehler gemacht werden - und zwar oft. Es geht gar nicht anders.«
Er sah Jamie direkt in die Augen, und sie standen schweigend da und musterten einander.
Meine Aufmerksamkeit wandte sich ruckartig von dieser Konfrontation
ab, weil ich in einiger Entfernung ein Baby weinen hörte. Ich drehte mich erhobenen Kopfes um, und im selben Moment trat Brianna hinter mir mit raschelnden Röcken aus dem Zelteingang.
»Jemmy«, sagte sie. »Das ist Jemmy.«
Er war es tatsächlich. Vom anderen Ende des Lagers näherte sich Stimmengewirr, das schließlich die runde, zappelige Gestalt Phoebe Sherstons annahm, die mit ängstlicher, aber entschlossener Miene daher kam, gefolgt von zwei Sklaven: einem Mann, der zwei große Körbe trug, und einer Frau, die ein eingewickeltes Bündel im Arm hatte, das sich heftig wand und einen fürchterlichen Lärm machte.
Brianna schoss auf das Bündel zu wie eine Kompassnadel, die nach Norden schwingt, und zog Jemmy aus seiner Decke hervor. Sein Haar stand in roten Büscheln ab, und seine Füße zuckten krampfhaft vor freudiger Erleichterung. Mutter und Kind verschwanden prompt im Dunkel unter den Bäumen. Es folgte eine gewisse Verwirrung, während Mrs. Sherston einer wachsenden Menge interessierter Zuhörer in unzusammenhängenden Bruchstücken erklärte, sie habe sich solche Sorgen gemacht, als sie die Berichte von der Schlacht gehört habe, so furchtbar, und sie habe gefürchtet... doch Mr. Rutherfords Sklave sei gekommen und habe gesagt, dass alles gut sei... und sie habe gedacht, vielleicht... und daher... und das Kind habe nicht aufgehört zu kreischen... also...
Jamie und der Gouverneur, die sich aus ihrem Tête-à-tête gerissen sahen, hatten sich ebenfalls in die Dunkelheit zurückgezogen; ich konnte sie sehen, zwei starre Schatten, die - der eine groß, der andere kleiner - dicht beieinander standen. Doch das Element der Gefahr war aus ihrer Konfrontation gewichen; ich konnte sehen, dass Jamie Tryons Schatten den Kopf zugeneigt hatte und ihm zuhörte.
»...etwas zu essen mitgebracht«, sagte Phoebe Sherston gerade zu mir, und ihr rundes Gesicht war rot vor wichtigtuerischer Aufregung. »Frisches Brot und Butter, Brombeermarmelade und kaltes Huhn und...«
»Essen!«, sagte ich und erinnerte mich abrupt an das Paket, das ich unter dem Arm trug. »Bitte entschuldigt mich!« Ich lächelte sie kurz und strahlend an und wandte mich ab. Sie blieb mit offenem Mund vor dem Zelt zurück.
Abel MacLennan war noch dort, wo ich ihn zurückgelassen hatte, und wartete geduldig unter den Sternen. Als ich mich entschuldigte, winkte er ab und dankte mir für die Lebensmittel und den Krug mit Bier.
»Kann ich irgendetwas -?«, begann ich, dann brach ich ab. Was sollte es sonst geben, was ich für ihn tun konnte?
Und doch gab es anscheinend etwas.
»Der Junge, Hugh Fowles«, sagte er, während er das Paket ordentlich unter dem Kutschbock verstaute. »Ich habe gehört, dass er gefangen genommen wurde. Glaubt - glaubt Ihr, Euer Mann würde vielleicht ein gutes Wort für ihn einlegen? So wie er es für mich getan hat?«
»Ich gehe davon aus. Ich werde mit ihm sprechen.«
Es war still hier, denn wir waren so weit vom Lager entfernt, dass die Geräusche der Gespräche im Gesang der Frösche und Heimchen und dem Rauschen des Flusses untergingen.
»Mr. MacLennan«, sagte ich, einer Eingebung folgend, »wohin werdet Ihr gehen? Wenn Ihr Joe Hobson heim gebracht habt, meine ich?«
Er zog seinen Hut ab und kratzte sich am Kopf, der allmählich kahl wurde, doch die Geste drückte keine Verwunderung aus, sondern war nur die Einleitung zu einer Erklärung, die in seinem Kopf bereits feststand.
»Ach«, sagte er. »Ich hab’ nicht vor, irgendwo hinzugehen. Da sind schließlich die Frauen, aye? Und die Kinder. Sie haben keinen Mann, jetzt wo Joe tot und Hugh gefangen ist. Ich bleibe dort.«
Dann verneigte er sich vor mir und setzte den Hut auf. Ich schüttelte ihm die Hand - was ihn überraschte -, dann stieg er auf den Wagen, schnalzte mit der Zunge, und sein Pferd setzte sich in Bewegung. Er hob zum Abschied die Hand, und als ich jetzt
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