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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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für Mortons Gesundung. Sie war noch keine Stunde da, als er bereits aufrecht im Bett saß, bleich, aber in Hochstimmung, mit abstehenden Haaren, die Hände liebevoll auf die zappelnden Beulen gepresst, unter denen sein ungeborenes Kind steckte.
    Bei Roger standen die Dinge anders. Er war nicht schwer verletzt, wenn man von den Quetschungen an seiner Kehle absah - die allerdings massiv waren. Die Brüche an seinen Fingern waren nicht kompliziert; ich hatte sie geschient, und sie würden problemlos heilen. Die Blutergüsse waren ziemlich schnell von kräftigen Rot- und Blautönen in einen spektakulären Regenbogen aus Purpur, Grün und Gelb übergegangen, so dass er aussah wie jemand, der eine Woche nach seinem Tod wieder exhumiert worden war. Seine Lebenszeichen waren exzellent. Seine Lebenslust war es nicht.
    Er schlief sehr viel, was eigentlich ein gutes Zeichen hätte sein sollen. Doch sein Schlummer war nicht erholsam; er hatte etwas Verstörendes an sich, so als strebte er geradezu sehnsüchtig nach der Bewusstlosigkeit, und hatte er
sie einmal erreicht, klammerte er sich mit einer Sturheit daran fest, die mir mehr Sorgen bereitete, als ich mir eingestehen mochte.
    Brianna, die ihre eigene Art von Sturheit besaß, hatte die Aufgabe, ihn alle paar Stunden wachzurütteln, damit er etwas zu sich nehmen konnte und das Röhrchen und der Einschnitt gereinigt und versorgt werden konnten. Während dieser Prozedur wandte er den Blick ab und starrte finster ins Nichts. Wenn man ihn ansprach, nahm er kaum merklich Notiz davon. Wenn er fertig versorgt war, schlossen sich seine Augen, und er sank auf sein Kissen zurück, die verbundenen Hände über der Brust gefaltet wie eine Grabfigur, und das Einzige, was von ihm zu hören war, war das leise Atempfeifen aus dem Röhrchen in seinem Hals.
    Zwei Tage nach der Schlacht von Alamance traf Jamie kurz vor dem Abendessen im Haus der Sherstons in Hillsborough ein. Er war müde von seinem langen Ritt und mit rötlichem Staub bedeckt.
    »Ich habe mich heute mit dem Gouverneur unterhalten«, sagte er und nahm den Becher mit Wasser entgegen, den ich ihm mitgebracht hatte. Er leerte ihn in einem Schluck und seufzte, während er sich mit dem Rockärmel den Schweiß aus dem Gesicht wischte. »Er war furchtbar beschäftigt und kaum bereit, über die Ereignisse nach der Schlacht nachzudenken - aber ich war auch nicht bereit, die Sache auf sich beruhen zu lassen.«
    »Dann hatte er ja wohl kaum eine Chance«, murmelte ich, während ich ihm half, sich aus seinem staubigen Rock zu schälen. »William Tryon ist ja nicht einmal Schotte, geschweige denn ein Fraser.«
    Das entlockte ihm ein zögernd angedeutetes Lächeln. »Stur wie Felsblöcke«, so hatte man mir den Fraser-Clan vor Jahren zutreffend beschrieben - und ich hatte seitdem keinerlei Grund zu der Annahme gehabt, dass diese Beschreibung fehlerhaft war.
    »Aye, nun ja.« Er zuckte mit den Achseln und reckte sich genüsslich. Nach dem langen Ritt knackten seine Wirbel. »Oh, Himmel. Ich habe Hunger; gibt es etwas zu essen?« Er entspannte sich und schnüffelte hoffnungsvoll.
    »Gebackenen Schinken und Süßkartoffelpastete«, sagte ich überflüssigerweise, da beide Speisen die Luft mit ihrem honiggetränkten Aroma erfüllten. »Was hat der Gouverneur denn gesagt, nachdem du ihn anständig zurechtgewiesen hattest?«
    Bei dieser Beschreibung seiner Unterredung mit Tryon blitzten seine Zähne auf, doch an der leisen Genugtuung, die er ausstrahlte, konnte ich erkennen, dass sie nicht ganz unzutreffend war.
    »Oh, eine ganze Reihe von Dingen. Aber zunächst habe ich darauf bestanden, dass er mir die Umstände wiederholte, unter denen Roger Mac ergriffen wurde; wer ihn ausgeliefert hat und was dabei gesagt wurde. Ich wollte der Sache auf den Grund gehen.« Er zog sich den Lederriemen aus dem Haar und schüttelte seine feuchten, schweißdunklen Locken aus.
    »Und hat er sich auf dein Drängen hin an irgendetwas erinnert?«

    »Aye, sogar mehr als das. Tryon sagt, es waren drei Männer, die Roger Mac gefangen genommen hatten; einer von ihnen hatte eine Marke meiner Kompanie dabei, also hat er ihn natürlich für einen meiner Männer gehalten. Sagt er«, fügte er ironisch hinzu.
    Das war natürlich eine nahe liegende Annahme des Gouverneurs gewesen, dachte ich - doch für Vernunftargumente war Jamie nun einmal nicht zu haben.
    »Es muss Rogers Marke gewesen sein, die der Mann hatte«, sagte ich. »Der Rest deiner Kompanie ist mit dir

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