Das Flammende Kreuz
einem verschlagenen Kopfnicken auf das Schwert.
»Elegant ist es ja nicht«, pflichtete ihm ein ehemaliger Soldat in den mittleren Jahren bei. »Aber es ist eine anständige Waffe, das steht fest.«
Roger streckte den Arm aus, sprang mit einem Satz auf die Tür der Schmiede zu und verfehlte dabei nur knapp den Schmied, der gerade ins Freie trat, um die Qualität seiner Waren zu verteidigen. Moore sprang mit einem Schreckensruf beiseite, und die Menge johlte.
Rogers Entschuldigung wurde von einer lauten, näselnden Stimme in seinem Rücken unterbrochen.
»Hier, Sir! Wie wär’s mit einem Gegner, der Eures Stahls würdiger ist als ein unbewaffneter Schmied!«
Roger wirbelte herum und sah sich Dr. Fentiman gegenüber, der eine lange, dünne Klinge aus dem Knauf seines schmuckvollen Spazierstocks zog. Der Doktor, der nur halb so groß war wie Roger, schwang kühn sein Rapier. Offenbar durch ein freizügiges Mittagessen erwärmt, glühte seine Nasenspitze wie eine elektrische Weihnachtsbaumkerze.
»Ein Wettstreit, Sir?« Der Doktor schwang sein Schwert hin und her, so dass die schmale Klinge sirrend die Luft durchschnitt. »Wer als Erster den Gegner trifft und Blut vergießt, ist der Sieger, was sagt Ihr?«
»Oh, ein unfairer Vorteil für den Doktor! Verdient Ihr nicht Euer Geld damit, das Blut anderer Leute zu vergießen?«
»Ha, ha! Und wenn Ihr ihn durchbohrt, anstatt ihn nur anzuritzen, werdet Ihr das Loch kostenfrei zuflicken?«, rief ein anderer Zuschauer. »Oder seid Ihr nur auf Kundenfang, alter Blutsauger?«
»Hüte deine Zunge, junger Mann! Am Ende verpasst er dir noch ein Klistier, sobald du ihm den Rücken zudrehst!«
»Lieber ein Klistier im Hintern als eine Klinge!«
Der Doktor ignorierte diese und andere, vulgäre Anmerkungen und hielt seine Klinge senkrecht bereit. Roger schoss Jamie, der mit belustigter Miene an der Wand lehnte, einen fragenden Blick zu. Jamie zog eine Augenbraue hoch und zuckte sacht mit den Achseln.
»Versuch, wie es sich anfühlt«, hatte Jamie gesagt. Nun, wahrscheinlich gab es schlechtere Testmethoden als ein Duell mit einem betrunkenen Zwerg.
Roger hob sein Schwert und fixierte den Doktor mit einem Drohblick.
»En garde«, sagte er, und aus dem Pulk der Zuschauer erscholl Beifallsgebrüll.
»Gardez-vous«, erwiderte der Doktor prompt und stürzte nach vorn. Roger fuhr auf dem Absatz herum, und der Doktor schoss an ihm vorbei, das Rapier wie eine Lanze vor sich hingestreckt. Moore, der Schmied, hechtete unter saftigen Flüchen zum zweiten Mal gerade noch rechtzeitig beiseite, um nicht aufgespießt zu werden.
»Was bin ich eigentlich, eine verdammte Zielscheibe?«, brüllte er und schüttelte seine Faust.
Ohne Notiz von seinem Beinahe-Malheur zu nehmen, fand der Doktor sein Gleichgewicht wieder und schoss erneut auf Roger zu, wobei er sich mit großem Gebrüll selbst Mut machte.
Es war ganz so, als würde man von einer Wespe attackiert, dachte Roger. Wenn man nicht in Panik geriet, stellte man fest, dass es möglich war, dem Gegner zu folgen und ihn abzuwehren. Vielleicht war der Doktor ja in nüchternem Zustand ein ordentlicher Fechter; in seiner gegenwärtigen Verfassung waren seine hektischen Schwertstöße und sein wildes Gewedel leicht abzuwehren - solange Roger gut aufpasste.
Ihm war schon bald klar, dass er den Wettstreit jederzeit beenden konnte, indem er das schmale Rapier des Doktors mit der Kante seiner viel schwereren Klinge kreuzte. Doch allmählich begann die Sache, ihm Spaß zu machen, und er achtete darauf, mit der flachen Seite des Breitschwertes zu parieren.
Nach und nach verlor Roger bis auf die blitzende Spitze des Rapiers alles aus dem Blick; die Rufe der Menge verhallten zu Bienengesumm, der Staub der Gasse und die Wand der Schmiede waren kaum zu sehen. Er schürfte sich den Ellbogen an der Wand auf, trat wieder an seinen Platz, bewegte sich im Kreis, um mehr Raum zu gewinnen, und das alles ohne einen bewussten Gedanken.
Das Rapier hieb auf seine breitere Klinge ein, blieb hängen und rutschte mit einem metallischen Kreischen ab. Ein Scheppern, ein Klicken, das Sausen der Luft und das klingende Hämmern, das bei jedem Schwerthieb des Doktors in seinen Handgelenken vibrierte.
Beobachte den Hieb, folge ihm, wehre ihn ab. Er hatte keine Ahnung, was er eigentlich tat, doch er tat es trotzdem. Der Schweiß lief ihm in die Augen; er schüttelte den Kopf, um sich von den Tropfen zu befreien. Fast übersah er dabei einen niedrig gezielten Hieb
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