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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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gegen seinen Oberschenkel, doch er stoppte ihn in letzter Sekunde und schleuderte das Rapier von sich.
    Der Doktor verlor das Gleichgewicht und stolperte, und wilde »Jetzt! Gib’s ihm! Stich zu! «-Rufe hallten durch die staubige Luft. Er sah die breite Fläche der bestickten Weste des Doktors, ungeschützt, voll silberner Schmetterlinge, und erstickte das heftige Bedürfnis, darauf loszugehen.
    Von der Intensität dieses Bedürfnisses erschüttert, trat er einen Schritt zurück. Der Doktor, der eine Schwäche roch, stürzte brüllend mit gezückter Klinge auf ihn zu. Roger trat einen halben Schritt beiseite, und der Doktor schoss an ihm vorbei und ritzte das Sprunggelenk des Zugpferdes an, das ihm im Weg stand.
    Das Pferd wieherte entrüstet auf und beförderte den Fechter samt seinem Schwert prompt in die Luft, so dass sie gegen die Front der Schusterwerkstatt prallten. Der Doktor fiel inmitten von Leisten und verstreuten Schuhen zu Boden wie eine zerquetschte Fliege.
    Roger stand reglos da und keuchte. Sein ganzer Körper pulsierte mit jedem Herzschlag, vom Kampf erhitzt und erregt. Am liebsten hätte er noch weitergemacht, gelacht, auf etwas eingeschlagen. Am liebsten hätte er Brianna an die nächste Wand gedrückt, und zwar sofort.
    Jamie hob ihm sanft die Hand und löste seine Finger vom Griff des Schwertes. Er hatte völlig vergessen, dass er es in der Hand hatte. Ohne das Schwert fühlte sich sein Arm zu leicht an, als könnte er ganz von selbst zum Himmel entschweben. Er hatte es so fest umklammert gehabt, dass seine Finger steif waren, und als er sie jetzt reflexiv krümmte, spürte er es kribbeln, als das Blut zurückkehrte.
    Sein Blut kribbelte überall. Er hörte das Gelächter kaum, die Einladungen
auf ein Bier, und genauso wenig spürte er die schulterklopfenden Gratulationen.
    »Ein Klistier, ein Klistier, gebt ihm ein Klistier!«, rief eine Gruppe von Lehrjungen, die die Nachhut bildete, als man den Doktor zu Erste-Hilfe-Maßnahmen in das nächste Wirtshaus trug. Der Besitzer des Pferdes kümmerte sich besorgt um seinen kräftigen Braunen, der eher einen verwirrten als einen verletzten Eindruck machte.
    »Schätze, er hat gewonnen. Er hat schließlich als Erster Blut vergossen.« Roger realisierte erst, dass er gesprochen hatte, als er seine eigene Stimme hörte, die sich seltsam ruhig anhörte.
    »Ist es brauchbar?« Jamie sah ihn fragend an und hatte dabei das Schwert auf den Handflächen liegen.
    Roger nickte. Die Gasse war hell und mit weißem Staub bedeckt, der unter seinen Augenlidern knirschte und zwischen seinen Zähnen, wenn er den Mund schloss.
    »Aye«, sagte er. »Es ist brauchbar.«
    »Gut«, sagte Jamie. »Du auch«, fügte er beiläufig hinzu und wandte sich ab, um den Schmied zu bezahlen.

ACHTER TEIL
    Auf, auf zum fröhlichen Jagen

89
    Die Jupitermonde
    Ende November 1771
    Zum vierten Mal in ebenso vielen Minuten sagte sich Roger, dass es medizinisch unmöglich war, an sexueller Frustration zu sterben. Es bezweifelte sogar, dass sie langfristige Schäden hervorrufen würde. Andererseits war sie auch nicht besonders wohltuend, auch wenn er sich Mühe gab, sie als Übung für seinen Charakter zu betrachten.
    Er ließ sich vorsichtig auf den Rücken zurücksinken, damit die Matratze nicht raschelte, und starrte zur Decke. Das nützte auch nichts; durch einen Riss in der Fensterbespannung fiel die frühe Morgensonne auf das Bett, und aus dem Augenwinkel konnte er das Gesäß seiner Frau wie von einem goldenen Scheinwerfer erleuchtet sehen.
    Sie lag auf dem Bauch, das Gesicht in ihrem Kissen vergraben, und das leinene Betttuch war ihr über die Pobacken gerutscht, so dass sie vom Nacken bis zur Pofalte entblößt dalag. Sie lag so dicht neben ihm in dem engen Bett, dass sein Bein das ihre berührte und die Wärme ihres Atems ihm über die nackte Schulter strich. Sein Mund war trocken.
    Er schloss die Augen. Auch das half nicht; prompt hatte er die Bilder der vergangenen Nacht vor sich: Brianna im gedämpften Licht eines glimmenden Feuers, die Flammen ihres Haars, die im Dunklen aufblitzten, das Licht, das unvermittelt auf der Rundung ihrer nackten Brust aufschimmerte, als sie sich das weiche Leinen von den Schultern gleiten ließ.
    Trotz der späten Stunde und seiner Müdigkeit hatte er sie heftig begehrt. Doch es hatte noch jemanden gegeben, der sie heftiger begehrte. Er öffnete sein Augenlid einen Spaltbreit und erhob sich so weit, dass er über Briannas verworrene Locken hinweg zu

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