Das Geheimnis des Templers - Collector's Pack
die Anwesenheit der beiden Novizen vergessen.
„Wo gehen wir bloß hin?“, fragte Fabius irritiert.
„Wirst du schon sehen, Kleiner“, erwiderte Robert, der die Frage gehört hatte. Er war stehengeblieben, um auf Gero und seinen luxemburgischen Kameraden zu warten, und klopfte ihm zuversichtlich auf die Schulter. „Kommt einfach mit uns, dann werdet ihr schon sehen.“
Fabius hob die Brauen und grinste Gero beiläufig an. „Was soll schon geschehen?“, sagte er leise, als sie ihren Weg fortsetzten. Das Verhalten der Brüder irritierte Gero zwar, aber nun wollte auch er wissen, was hinter deren Andeutungen steckte.
Außerdem hatten sie sowieso nichts Besseres zu tun, und schließlich waren die Männer gestandene Ordensritter und damit würdige Vorbilder, die stets im Angesicht Gottes handelten.
Einen Moment lang befürchtete er jedoch, dass es sich tatsächlich um eine Art Initiationsritus handelte und sie zu einer Prüfung geführt würden, die den Männern zur Belustigung diente. Er hatte schon öfter von solchen Traditionen gehört, die in Armeen, aber auch in Klöstern üblich waren und den Opfern gewöhnlich irgendetwas Ekelerregendes abverlangten, damit sie von den alteingesessenen Brüdern als gleichwertig anerkannt wurden. Aber dafür war es eigentlich noch zu früh, weil sie die offizielle und endgültige Aufnahme in den Orden noch gar nicht hinter sich hatten.
Während Gero all das durch den Kopf ging, marschierten die vier Ordensritter wortlos, ja fast andächtig durch einen Olivenhain. Von ferne sah man die Lichter der Feuerkörbe und Fackeln, die die Straßen von Nikosia am Abend erleuchteten. Sie selbst konnten den steinigen Weg, der sie nun durch eine Zypressenallee zu einem unscheinbaren Anwesen führte, kaum noch sehen. Die Männer machten schließlich vor einem breiten Holztor halt, das in die hohe Mauer eingelassen war, die ein mehrstöckiges, schlichtes Gebäude umgab. Robert betätigte den darauf befindlichen Messingklopfer, der die Form eines Löwenkopfes hatte. Auf Sichthöhe öffnete sich kurz darauf ein Fensterchen, und eine männliche Stimme verlangte nach einer Losung.
Offenbar kannte Robert das Zauberwort, denn kurz darauf öffnete sich eine Hälfte des Tores, und sie wurden eingelassen.
Während Fabius keinerlei Scheu zeigte, den Ritterbrüdern zu folgen, zögerte Gero noch. Irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass es an diesem Ort nicht mit rechten Dingen zuging.
Vor einem orientalisch anmutenden Überbau waren einige Pferde angebunden, deren Besitzer nicht eben arm zu sein schienen, wie Gero am Geschirr und an den Sätteln der Tiere erkannte. Auch das Haus selbst machte bei näherer Betrachtung einen weit besseren Eindruck, als von außen zu sehen war. Auf einer sauber gemalten Tafel stand „Taverne des Anges“ – Taverne der Engel. Gero fragte sich ernsthaft, was die Brüder hier zu suchen hatten. Aber so, wie es aussah, kamen sie nicht zum ersten Mal hierher. Am Eingang standen zwei martialisch gerüstete Wachen, die den vieren und ihren jungen Begleitern freundlich zunickten und gleichzeitig die spärlich beleuchtete Umgebung im Auge behielten.
Als sie das Innere des Hauses betraten, gelangten sie in eine geräumige Schankstube, deren schlichter Mosaikboden mit persischen Teppichen ausgelegt war. An den Wänden aufgehängte, rot leuchtende Glasampeln verbreiteten ein schummriges Licht. Der mit Fackeln beleuchtete Flur führte zu einem ebenfalls beleuchteten Innenhof, in dem ein orientalischer Brunnen plätscherte.
Auf den glattpolierten Holztischen im Schankraum hatte man rote Batistdeckchen ausgelegt und weitere, flackernde Ampeln in verschiedenen Farben aufgestellt. Auf einer goldbemalten Kommode thronte eine beeindruckend große, syrische Glaskaraffe voll Wein, mit den passenden Gläsern dazu, die man rundherum wie zur Selbstbedienung arrangiert hatte. Hinter dem Ausschank stand eine dralle Wirtin, die Robert mit einem großen Hallo begrüßte und die sich als Mafalda vorstellte. Sie trug eine kostbare Seidenrobe, türkis mit Gold durchwirkt, die ihre üppigen Rundungen schamlos zur Geltung brachten. In ihrem hochgesteckten schwarzen Haar schimmerten geschliffene Edelsteine, die das Licht der Ampeln einfingen und verführerisch glitzerten. In ihrer Begleitung befanden sich mehrere wunderhübsche junge, aber auch ältere Frauen mit offenen, langen Haaren und sündhaft durchscheinenden Gewändern, die absolut nichts von ihren Vorzügen verborgen hielten.
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