Das Geheimnis des Templers - Collector's Pack
verantwortlich zu machen.
„Ich bin eingeschlafen, genau wie du“, schimpfte Fabius. „Der Teufel soll sie alle holen. Ich bin mir sicher, die Hure hat mir was in den Wein gekippt.“
„Den Eindruck hatte ich auch“, bestätigte Gero. „In solchen Häusern sollte man vorsichtig sein, mit dem, was man trinkt, und mit dem, was in den Räucherpfannen abgebrannt wird. Außerdem sollte man nichts von politischer Bedeutung erzählen.“
„Wie meinst du das?“, fragte Fabius außer Atem, weil Gero in einen Laufschritt übergegangen war.
„Ich habe erfahren, dass dort noch mehr Ordensmänner ein und aus gehen, und wenn die sich alle so einwickeln lassen wie wir, wissen die Huren bald mehr als Jacques de Molay und der König. Allein deshalb solltest du mit niemandem über unseren kleinen Ausflug sprechen.“
„Denkst du, der Teufel beherrscht dieses Haus und hat uns in Versuchung geführt?“ Fabius war die Panik anzusehen, die er unvermittelt empfand.
Gero unterdrückte ein Grinsen. „Ich denke, wir sind noch mal davongekommen.“
„Meine Hure war großartig“, schwärmte Fabius mit versonnenem Blick. „Sie hat mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas möglich ist.“
„Der Teufel hat viele Gesichter“, gab Gero ihm mit einem Seufzer zu verstehen.
„Die Frauen sahen aber nicht so aus, wie man sich den Teufel allgemein vorstellt“, bemerkte Fabius mit einem treuen Blick.
„Der Teufel sieht nie aus wie der Teufel“, erwiderte Gero und lächelte schwach. „Sonst wäre er nicht imstande, uns zu verführen. Jedenfalls meint das mein Vater.“
„Und? Glaubst du, was er sagt?“
„Nein.“ Nun lachten beide, obwohl ihnen kaum Atem blieb, weil sie inzwischen durch die menschenleeren Gassen rannten, um noch rechtzeitig zum Morgenappell und zur Frühmesse zu kommen, was ihnen aber nicht gelang.
Als sie das Tor zum Haupthaus erreichten, war Odo de Saint-Jacques schon zur Stelle. Breitbeinig stand er da und erwartete sie allem Anschein nach bereits.
„Der Teufel hat doch ein Gesicht“, flüsterte Fabius, bevor sie den Kommandeur erreichten.
„Meine Herren Novizen, wir haben euch schmerzlich bei der Laudes vermisst. Um darüber nachzudenken, welchen Kummer ihr uns damit bereitet habt, werdet ihr eine Woche lang die Schweineställe ausmisten und die Latrinen putzen. Außerdem verhänge ich ein achtwöchiges Ausgangsverbot, damit ihr lernt, was es bedeutet, wenn ich pünktliches Erscheinen anordne.“ Er grinste hämisch. „Was, wenn ich fragen darf, hat euch davon abgehalten, meinen Regeln zu folgen?“
„Wir haben die freie Zeit genutzt, um die Umgebung der Stadt ein wenig zu erkunden“, log Fabius überraschend dreist. „Dabei haben wir uns in der Dunkelheit verirrt. Wir wollten warten, bis es hell ist, um zurückzukehren. Dann sind wir wohl versehentlich eingeschlafen.“
Das war die dümmste Ausrede, die einem einfallen konnte, dachte Gero. Wie sollte man Männern ein Ordenskleid anvertrauen, die noch nicht einmal in der Lage waren, sich in einer Stadt zu orientieren, geschweige denn die Sterne gut genug kannten, um sich mitten in einer Wüste zurechtzufinden?
Aber etwas Besseres wäre ihm wohl auch nicht eingefallen.
Dass der Teufel tatsächlich seine Hand im Spiel haben musste, erkannte Gero daran, dass im gleichen Moment Bruder Hugo über den Hof eilte und ein Grinsen über sein Gesicht huschte, als er gewahrte, dass sich seine Mitstreiter offenbar in Schwierigkeiten befanden. Im Gegensatz zu Gero und Fabius trug er bereits seinen weißen Mantel und seinen Schwertgurt, war also anscheinend rechtzeitig von diesem denkwürdigen Ausflug zurückgekehrt.
Wenigstens blieb er nicht stehen und verriet Odo die Hintergründe ihrer Verfehlung. Stattdessen legte er, von Odo unbemerkt, einen Zeigefinger auf seine Lippen als Zeichen strikter Verschwiegenheit und lief weiter, als ginge ihn die Standpauke Saint-Jacques’ nicht das Geringste an.
Saint-Jacques zog die Brauen hoch und betrachtete Fabius wie ein seltenes Tier. Ihm war anzusehen, dass er ihnen nicht glaubte. „Du hast da ein merkwürdiges Mal“, raunte er und deutete auf die linke Halsbeuge von Fabius, wo sich eine unregelmäßige dunkelrote Stelle befand.
Mit einem Seitenblick erkannte Gero, dass es sich eindeutig um einen Kussfleck handelte.
„Vielleicht solltest du zu unserem Medikus gehen und dich von ihm untersuchen lassen. Nicht, dass dich eine Schlange gebissen hat oder es der
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