Das Geheimnis des Templers - Collector's Pack
hielt mit ihm mit, und Gero ahnte, dass er sich wohl nicht eher zufriedengeben würde, bis er ihm eine Antwort erteilte.
„Eine ziemlich genaue Karte des mittelländischen Meeres, wenn mich nicht alles täuscht“, vermerkte er mit einem Seufzer und blieb für einen Moment stehen.
„Ich habe noch nie im Leben eine solch feingezeichnete Karte gesehen“, erwiderte Fabius. „Es schien mir das reinste Teufelswerk zu sein. Diese feinen Linien, die exakte Schrift und die genaue Lage der Orte und Meere.“
„Ja, sie war besser als alles, was ich bisher gesehen habe“, erklärte Gero, von der Hartnäckigkeit seines Kameraden genervt, „aber deshalb muss es noch lange kein Teufelswerk sein. Der Orden hat gute Kontakte zu arabischen Gelehrten, auch nach dem Verlust des Heiligen Landes. Vielleicht haben sie die Karte für teures Geld von einem persischen Künstler gekauft.“
Damit war das Thema für Gero erledigt. Vielmehr fragte er sich, was er mit seiner unerwarteten Freiheit anfangen sollte. Immer noch schwirrte ihm der Grund für sein zweimonatiges Ausgangsverbot durch den Kopf. Warda. Eine zypriotische Hure, mit der er in einem Anfall von waghalsigem Schwachsinn das Lager geteilt hatte und in deren Armen er zu allem Übel eingeschlafen war. Im Nachhinein konnten er und Fabius, dem es ähnlich ergangen war, von verdammtem Glück reden, dass der wahre Grund ihres Zuspätkommens ihren Brüdern und Vorgesetzten bisher verborgen geblieben war. Bis auf Hugo d’Empures und seinen vermaledeiten Kameraden Robert „Rob“ le Blanc, die sie zu diesem verfluchten Abenteuer verführt hatten. Deren Verrat konnte sie die endgültige Aufnahme in den Orden kosten. Womit aber nicht zu rechnen war, weil Hugo und Robert sich damit nur ins eigene Fleisch schneiden würden. Den Ordensrittern war es nach den Regeln noch nicht einmal erlaubt, eine Frau auch nur anzuschauen, geschweige denn zu einer Hure zu gehen.
Nur mit Gottes Nachsicht hatten Gero und Fabius am darauffolgenden Fest des heiligen Johannes ihre Wappenbücher mit dem Stempel für Novizen des Templerordens zurückerhalten, der ihre vorläufige Aufnahme bei den „Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis“ bestätigte – kurz der „Armen Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem“, wie es auf Deutsch hieß.
„Und wie willst du nun deinen freien Abend verbringen?“ Fabius warf Gero einen treuherzigen Blick zu. Fest stand, dass sie als zukünftige Templer – genau wie die bereits initiierten Brüder – nur zu zweit ausgehen durften. Wenn der Luxemburger also in die Stadt gehen wollte, war er auf einen oder mehrere Begleiter angewiesen. Allem Anschein nach hatte er bereits eine konkrete Vorstellung, was er mit seinem Abend anfangen wollte. „Ich dachte, wir könnten ja … wir müssen ja nicht wieder einschlafen. Die kleine Rothaarige meinte, sie würde sich freuen, mich wiederzusehen …“
„Vergiss es“, erklärte Gero entschlossen. „Ich habe keine Lust, mich am Ende doch noch mit den Huren erwischen zu lassen. Da musst du dir einen anderen suchen.“
„Spielverderber“, murrte Fabius und warf ihm einen missmutigen Blick zu. Gero ersparte sich eine Retourkutsche. In Wahrheit hegte er ganz andere Absichten, war aber nicht bereit, sie mit Fabius zu teilen. Acht lange Wochen hatte er nun auf eine günstige Gelegenheit gewartet, Warda um Vergebung bitten zu können. Dafür, dass er sie wie ein Tier bestiegen hatte. Dafür, dass er jegliche Vernunft hatte fahren lassen und sie ohne Sinn und Verstand mehrmals genommen hatte und dass er ihr darüber hinaus nicht das geben konnte, was ihm nach einem solchen Vorgehen als angemessen erschien.
Er besaß kein Geld, und selbst wenn er welches gehabt hätte, wäre er als zukünftiger Ordensritter nicht imstande, ihr das heilige Sakrament der Ehe anzutragen. Und genaugenommen wollte er es auch gar nicht. Obwohl sie trotz ihres Alters eine ausnehmend schöne und kluge Frau war, mit einem großen Herz für hoffnungslos verlorene Seelen. Sie hatte in jedem Fall etwas Besseres verdient, als jedermanns Hure zu sein. Es tat ihm leid, dass sie ihren Vater und ihren Geliebten an den Templerorden verloren hatte und ein Kind, das sie mit dem abtrünnigen Ordensritter zu einer Familie hätte vereinen sollen.
Natürlich hatte sie eine Mitschuld an der ganzen Misere getragen, indem sie sich wie ihre Mutter in den falschen Mann verliebt hatte.
Auch erschien es Gero nicht ratsam,
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