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Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rebecca Gablé
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blass waren wie die ihres Vaters, sondern braun, und auch wenn das fiebrige Glimmen verschwunden war, lag jetzt ein natürlicher Glanz darin.
    »Wer … seid Ihr?«, fragte sie.
    »Tugomir, Vaclavics Sohn.«
    »Der Hevellerprinz.«
    Er nickte und rechnete damit, dass sie angewidert den Kopf abwenden würde – schließlich war sie die Tochter ihres Vaters. Stattdessen lächelte sie. »Und wenn ich Euch etwas frage, werdet Ihr mir die Wahrheit sagen, Prinz Tugomir?«
    Er kannte ihre Frage. Er hörte sie oft, und er antwortete immer mit der Wahrheit. »Ihr werdet an diesem Fieber nicht sterben, auch wenn es sich vermutlich so anfühlt. Nicht heute und nicht nächstes Jahr, und wenn Ihr den Bernstein immer tragt, Tag und Nacht, vielleicht niemals.«
    Sie sah blinzelnd zu den Deckenbalken hinauf, tastete, fand und ergriff Tugomirs Hand. Es war eine Geste kindlicher Unbefangenheit, und dennoch hoffte er inständig, dass Gero nicht ausgerechnet diesen Moment wählen würde, um zurückzukommen. Denn sie war kein Kind mehr. Sie war auch noch keine Frau. Sie stand an der Schwelle.
    »Ihr solltet versuchen zu schlafen«, riet er. »Das Fieber zehrt an den Kräften.«
    »Aber ich hab doch die ganze Zeit geschlafen«, widersprach sie matt. »Ich habe … von meinem Hund geträumt.«
    Tugomir nickte. »Sira. Ihr habt von ihr gesprochen. Es tut mir leid, dass sie gestorben ist.«
    Ihr Blick war immer noch nach oben gerichtet, aber er sah eine Träne aus dem Augenwinkel rinnen und über dem Ohr in ihrem Haar verschwinden. »Sie ist nicht einfach gestorben«, sagte sie. »Mein Vater hat sie aufgehängt.«
    Otto half seiner Gemahlin aus dem Sattel. »Und? Was sagst du?«
    »Oh, sie ist herrlich!« Editha schlang lachend die Arme um seinen Hals – was ziemlich untypisch war, denn für gewöhnlich übte sie in der Öffentlichkeit immer Zurückhaltung. Doch die Begeisterung über die feurige kleine Schimmelstute, die Otto ihr geschenkt hatte, war wohl selbst für sie zu viel. »Hast du gesehen, wie schnell sie ist? Und so gut zu handhaben. Ich meine, sie hat schon einen eigenen Kopf, aber wenn man sie wissen lässt, was man will, ist sie ganz leicht zu führen.«
    Thankmar legte die Hände um Egvinas Taille, hob sie aus dem Sattel, und während er sie auf die Füße stellte, flüsterte er ihr zu: »Genau wie Otto.«
    Egvina nahm die Unterlippe zwischen die Zähne und gluckste.
    Das Wetter hatte sich gebessert, und sie hatten nach dem Frühstück einen Ausritt gemacht, um den trockenen Herbsttag zu genießen und bei der Gelegenheit Edithas neues Pferd zu erproben. Bis auf die Wachen waren sie allein gewesen, denn Henning war bei Tagesanbruch nach Memleben aufgebrochen. Und wenn wir Glück haben, hält seine Mutter ihn bis Weihachten dort , dachte Thankmar. Von mir aus auch bis nächstes Jahr Weihnachten  …
    Sie übergaben die Pferde den Stallknechten und schlenderten zur Halle hinüber. Editha hatte sich bei Otto eingehängt und redete immer noch voller Enthusiasmus von ihrem neuen Gaul, als sich plötzlich eine Gestalt aus dem Schatten des Backhauses löste und auf sie zu stürzte.
    Thankmar zog das Schwert, schob Egvina hinter sich und sah aus dem Augenwinkel, dass Otto genauso reagierte. Mit gezückten Klingen standen die Brüder Schulter an Schulter, als sie erkannten, dass der vermeintliche Meuchelmörder eine dicke junge Frau war. Sie wechselten einen verwunderten Blick. Verblüffend behände schlug die Frau einen Haken um die beiden Prinzen, fiel vor Editha auf die Knie und umklammerte den Saum ihres Mantels. »Bitte, edle Herrin … bitte helft mir.«
    Udo und Walo, die sie begleitet hatten, eilten herbei, und Udo packte sie an der Schulter. »Was fällt dir ein, Weib …«, knurrte er und riss sie zurück.
    »Moment«, sagte Editha in diesem ruhigen, abgeklärten Tonfall, von dem einem wirklich mulmig werden konnte.
    Thankmar bedeutete dem stiernackigen Haudegen, die Bittstellerin loszulassen. »Ich nehme an, die Prinzessin meint, ›Danke für deine wackere, wenn auch reichlich verspätete Hilfe, aber mit diesem Problem werden wir ausnahmsweise alleine fertig‹.«
    Udo – von dem jeder Hohn abperlte – nickte und trat einen Schritt zurück.
    Otto folgte Thankmars Beispiel und steckte sein Schwert ein. »Was ist dir geschehen?«, fragte er die Frau. »Lass die Prinzessin los, steh auf und sprich.«
    Er sagte es nicht unfreundlich, aber sie warf einen nervösen Blick in seine Richtung und duckte sich dann von ihm

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