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Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rebecca Gablé
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Erzbischofs von Köln an ein Kloster im Mülgau.« Sie zeigte unfein mit dem Finger auf den Reliquienhändler. »Ich nehme an, er hat sie gestohlen.«
    Der Beschuldigte sprang erschrocken von der Bank auf. »Aber edle Herrin, wie könnt Ihr nur denken …«
    Thankmar hatte eine der Holzschachteln geöffnet und spähte hinein. Was sie enthielt, war eindeutig ein Tierknochen. »Was soll das sein?«, erkundigte er sich. »Die Rippe eines heiligen Schafs vielleicht? Aus der Herde der Hirten von Bethlehem?«
    Der Priester starrte ihn an, öffnete den Mund und brachte keinen Ton heraus.
    Otto seufzte. »Was ist heute nur los mit der Welt? Wache!«
    Die beiden Soldaten, die den Eingang flankierten, eilten herbei.
    »Nehmt ihn mit und sperrt ihn ein.« Und zu dem betrügerischen Priester sagte er: »Ich schätze, der Bischof von Halberstadt wird wissen, wie mit Euch zu verfahren ist, Vater. Falls Ihr das überhaupt seid.«
    »Aber … Aber mein Prinz, ich versichere Euch …« Seine gestammelten Beteuerungen wurden leiser, als die Wachen ihn nach draußen brachten.
    »Da hol mich doch der Teufel«, brummte Hermann. »Ich hätte beinah eine gekauft.« Angewidert zeigte er mit einer seiner Pranken auf die ›Reliquien‹. »Gero erzählt, er will sich ein Haus hier in Magdeburg bauen mit einer eigenen Kapelle, für die er schon eine Reliquie hat.«
    Thankmar rief nach Wein und Brot und kaltem Wildbret, und sie setzten sich zu den anderen an die Tafel.
    »Großartig, Gero!« Otto strahlte. Er war jedem dankbar, der seine hochfliegenden Pläne für Magdeburg unterstützte.
    »Ich sag’s doch«, murmelte Thankmar. »Sie werden aus diesem Misthaufen mit Königspfalz noch ein Rom des Nordens machen.«
    Das erntete Gelächter, aber Ottos Miene nahm einen beinah verklärten Ausdruck an. »Ein Rom des Nordens …«, murmelte er.
    »Das war ein Scherz, Bruder«, erklärte Thankmar mit einem Seufzer überstrapazierter Geduld.
    »Ich weiß«, gab Otto zurück und hob grinsend die Schultern. »Aber es klingt nicht übel.«
    »Nun, bevor du Magdeburg mit steinernen Klosterkirchen und heiligen Reliquien schmückst, solltest du vielleicht erst einmal dafür sorgen, dass es genügend Brot hat.«
    »Ach, richtig«, Otto wurde schlagartig ernst und erklärte Gero und Siegfried: »Ich schätze, ihr wisst, dass ich euren Vetter Asik zum Schultheiß ernannt habe? Ich hatte ihn gebeten, die Bäcker zu überprüfen und ihre Brote nachzuwiegen, aber es sieht so aus, als wäre ein Pfund in Magdeburg nicht das gleiche wie dort, wo Asik seine Gewichte beschafft hat. Bei euch daheim in Merseburg, nehm ich an.«
    »Aber ein Pfund ist ein Pfund«, widersprach Siegfried verdattert.
    »Ja, das dachte ich auch. Doch wie es aussieht, haben wir uns getäuscht.« Otto berichtete von den seltsamen Vorfällen in der Stadt. »Der König sollte dafür sorgen, dass in allen Städten einheitliche Gewichte verwendet werden«, schloss er. »Das gilt natürlich besonders für Silber. Es kann nicht angehen, dass die Münzen, die in Magdeburg geprägt werden, mehr oder weniger Silber enthalten als die aus Köln oder Mainz.« Er verstummte, stützte das Kinn auf die Faust und dachte nach.
    Der Wein und die Speisen wurden aufgetragen, und Thankmar neigte sich zu Egvina und flüsterte: »Tu mir einen Gefallen: Finde heraus, was Tugomir zu Judith gesagt hat.«
    »Warum fragst du ihn nicht einfach?«
    »Weil er so verdammt diskret ist. Wer wüsste das besser als du und ich?«
    Sie nickte, wandte sich an Geros Gemahlin, die an ihrer anderen Seite saß, und verwickelte sie in ein Gespräch. Thankmar wusste, Judith war nicht auf den Kopf gefallen. Und sie hatte todsicher nicht vergessen, dass Gero ihr verboten hatte, Tugomirs Diagnose auszuplaudern. Aber Egvina würde es trotzdem herausbekommen. Sie bekam alles heraus. Das war eines ihrer vielen Talente …
    »Wechselfieber«, sagte er zu Otto, als sie zwei Stunden später Seite an Seite die Ufergasse entlangritten. Uferschlammsuhle traf es besser, befand Thankmar.
    Otto schüttelte den Kopf. »Also keine geeignete Braut für Henning.«
    »Nein.«
    »Das gefällt dir nicht?«
    »Von mir aus könnt ihr Henning mit einer aussätzigen Ungarin verheiraten, das ist mir völlig gleich«, gab Thankmar unwirsch zurück. »Aber mir gefällt nicht, dass Alveradis das Wechselfieber hat.«
    »Natürlich. Sie ist deine Cousine.«
    »Nicht nur das. Sie ist ein bezauberndes Mädchen.«
    »Wenn du dergleichen ohne Hohn sagst, muss es

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