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Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rebecca Gablé
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bin?«
    »Doch, Herr, keine Bange. Ich hab ein Halbpfund.«
    »Dann fürchtest du, ich verschwinde auf Nimmerwiedersehen? Was soll ich dir als Pfand dalassen?« Er überlegte einen Moment. »Zwei Pfennige?«
    Das feiste Gesicht des Kornhändlers erstrahlte vor Erleichterung. »Zu gütig, edler Herr.«
    Das Geschäft kam schnell zum Abschluss, und Otto borgte ein weiteres Pfundgewicht, dieses Mal von einem Magdeburger Händler, der es ihm auch ohne Pfand freudestrahlend überließ, weil er wusste, wer Otto war. Der Prinz sprach noch einen Moment mit ihm, und der Mann nahm ihm das Bleigewicht wieder aus der Hand, wies darauf und erklärte irgendetwas, aber Thankmar konnte nicht verstehen, was er sagte.
    »Du hast dazugelernt«, bemerkte er, als sie zum Haus des Schultheiß neben der Johanniskirche hinüberritten. »Du führst Geld mit dir und weißt, was es wert ist. Wenigstens ungefähr.«
    »Wenn du so gönnerhaft bist, liebe ich dich am allermeisten, Bruder«, gab Otto zurück.
    »Ja, darauf wette ich.« Thankmar grinste zerknirscht. »Sag, Otto, ist dir schon mal der Gedanke gekommen, dass Vater dir Magdeburg geschenkt hat und dich hier seit Jahren praktisch unbehelligt schalten und walten lässt, damit du schon mal ein bisschen üben und König spielen kannst?«
    »Ja, stell dir vor, der Gedanke ist mir gekommen.« Otto saß ab und band sein Pferd an die Holzreling vor dem Haus des Schultheiß’.
    Thankmar folgte seinem Beispiel. »Mir scheint, die Idee war nicht dumm.«
    Asik, Geros und Siegfrieds junger Cousin, saß am Tisch in der kleinen Halle und zählte zusammen mit seinem Schreiber die Münzen, die sie heute von den Markthändlern eingenommen hatten. Als er die Schritte hörte, sah er auf und lächelte: »Ah, das trifft sich gut, mein Prinz. Ich wollte Euch gleich die Wocheneinnahmen bringen. Ein Schluck Wein?«
    Otto schüttelte den Kopf. »Nein, danke.«
    »Immer her damit«, antwortete Thankmar, und der Schreiber, ein hagerer Mönch mit einer Hasenscharte, brachte ihm lächelnd einen gut gefüllten Becher. Das Lächeln war schauderhaft und der Wein ebenso. Aber Thankmar beklagte sich nicht.
    »Ich bin hier wegen der seltsamen Sache mit den Bäckern, Asik«, sagte Otto.
    Der Schultheiß stand auf und nickte. »Tja. Das war eine böse Überraschung. Und ein lohnender Gedanke, die Halunken zu überprüfen, mein Prinz.«
    »Es gibt vier Bäckermeister in Magdeburg, ist das richtig?«, fragte Otto.
    »Ganz recht.«
    »Und der vierte, der unschuldig ist, ist zugewandert?«, tippte Otto.
    »Woher wisst Ihr das?«, fragte der Schultheiß überrascht. »Es stimmt, er kommt aus Herford. Offenbar ist er einer Magd im Gefolge der Königin … Eurer verehrten Mutter, sollte ich wohl sagen, gefolgt, als sie damals den König heiratete. Die Königin, meine ich, nicht die Magd.« Asik bekam rote Ohren und schüttelte über sich selbst den Kopf. Er war noch ein junger Mann – ungefähr in Ottos Alter, schätzte Thankmar –, aber er war ein heller Kopf, und er brannte vor Eifer, seine Sache hier gut zu machen.
    Otto schmunzelte, wurde aber gleich wieder ernst. »Wir haben uns gefragt, ob die drei Männer wirklich Halunken sind, oder ob es etwas mit dem hier üblichen Pfundgewicht zu tun hat. Du hast sie hinter Schloss und Riegel?«
    Asik nickte. Das Haus des Schultheiß’, das Otto vor vier Jahren hatte errichten lassen, hatte einen niedrigen Keller mit einem Kerker, denn er hatte gewusst, dass eine wachsende Stadt einen Ort brauchte, wo man Missetäter verwahren konnte.
    »Lass sie herbringen.«
    Als die Büttel die drei verängstigten Männer hereinführten, saß Otto flankiert von seinem Bruder und Asik an der Tafel, das blanke Schwert vor sich auf dem Tisch, damit jeder auf einen Blick sah, dass er als Richter hier war.
    Die Büttel versetzten den drei Beschuldigten einen Stoß in die Nierengegend, aber das wäre gar nicht nötig gewesen. Ganz von selbst fielen sie vor dem Prinzen auf die Knie. Vermutlich machte ihre Furcht besagte Knie wacklig. Thankmar konnte ihnen keinen Vorwurf machen. Er beobachtete seinen Bruder aus dem Augenwinkel und fand, dass man wirklich Angst vor ihm bekommen konnte, wenn er so streng und erhaben dreinschaute.
    »Wie ist dein Name?«, fragte Otto den älteren der drei Männer.
    »Eilhard, mein Prinz.« Er hielt den Blick gesenkt, aber seine Stimme bebte nicht.
    »Du bist Gundulas Vater?«
    Eilhard nickte. Sein Haar war bereits grau und stand in unordentlichen Zotteln vom Kopf ab,

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