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Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rebecca Gablé
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Ausdruck wirkte eher nachdenklich, vielleicht gar eine Spur melancholisch. Es schien immerhin möglich, dass mit ihm zu reden war.
    »Ich komme mit rund zwei Dutzend Männern vom Volk der Daleminzer«, berichtete Tugomir. »Mit ihren Frauen ebenso wie der meinen und mit meiner Schwester, deiner Tante Dragomira. Ich nehme an, du erinnerst dich an sie?«
    »Besser als an dich«, bekannte Dragomir freimütig.
    »Das ist kein Wunder. Ich war schon Priesterschüler, als du zur Welt kamst, und fast immer im Tempel. Sie war hier.«
    Der junge Mann nickte und schlug sich dann vor die Stirn. »Wo hab ich meine Gedanken? Nimm Platz, Onkel. Wer sind deine Freunde?«
    »Semela und Dervan.«
    Dragomir schenkte ihnen ein strahlendes Lächeln. »Seid auch ihr willkommen.« Er klatschte zweimal in die Hände, und aus den Schatten hinter dem Feuer trat ein Sklave herbei und verneigte sich vor ihm.
    Beim Anblick des Sklaven verspürte Tugomir einen schmerzhaften Stich in den Eingeweiden und ein plötzliches Frösteln im Rücken, doch es gelang ihm, sich nichts anmerken zu lassen. Semela indes hatte bis heute noch nicht gelernt, dass es manchmal von Vorteil war, seine Gefühle für sich zu behalten. »Asik!«, rief er verblüfft, schlug sogleich die Hand vor den Mund, warf Tugomir einen schuldbewussten Blick zu und murmelte dem Sklaven dann auf Sächsisch zu: »Du hast schon besser ausgesehen, Mann.«
    »Semela«, wies Tugomir ihn scharf zurecht. Ein freundliches Wort an einen sächsischen Sklaven zu richten war schon heikel, es auf Sächsisch zu tun, war unverzeihlich.
    »Tut mir leid, tut mir leid«, murmelte der Gescholtene nicht sonderlich zerknirscht und winkte ab.
    »Ihr kennt ihn?«, fragte Dragomir. Es klang amüsiert.
    »Flüchtig«, antwortete Tugomir in einem Tonfall, der besagte, dass Asik nicht von Belang sei. Dabei war er das sehr wohl. Asik, der einst der Schultheiß von Magdeburg gewesen war, war Geros Vetter. Alle in Sachsen hielten ihn für tot – gefallen auf dem glücklosen Feldzug der Sachsen gegen Boleslaw von Böhmen –, aber wenn sie erfuhren, dass er noch lebte, mochte Asik ein sehr wertvoller Gefangener werden. Eine Geisel , dachte Tugomir. Wie rasant schnell in dem großen Spiel um die Macht doch manchmal die Rollen vertauscht wurden. Aber all das musste er jetzt erst einmal aus seinen Gedanken verbannen, ebenso wie sein Unbehagen beim Anblick der Narben auf Asiks Gesicht, seines geschorenen Kopfes und des gehetzten Ausdrucks in seinen Augen.
    »Schick mir Bogdan und Radomir her«, befahl Dragomir. »Und dann hol uns Met. Nein, Wein! Bring den besten Tropfen, den wir haben. Diese Heimkehr muss gefeiert werden!«
    Mit einem verstohlenen Blick in Tugomirs Richtung ging Asik zur Tür.
    Bogdan und Radomir erschienen im Handumdrehen und hießen Tugomir deutlich kühler willkommen, als Dragomir es getan hatte. Das war nicht verwunderlich. Auch sie hatten zu Boliluts Kumpanen gezählt, und vor allem der hünenhafte Bogdan war sich nie zu schade gewesen, sich an den grausamen Streichen zu beteiligen, die Bolilut seinem jüngeren Bruder gelegentlich gespielt hatte. Bis Tugomir eines Tages genug hatte und Bogdan eine ganz besondere Kräutermischung in den Met geschmuggelt hatte, die dem tapferen Krieger so fürchterliche Bauchkrämpfe bescherte, dass man sein Heulen hinter den Bretterwänden des Aborts in der ganzen Burg hören konnte …
    »Bogdan«, begann der junge Fürst. »Am anderen Ufer wartet das Gefolge meines Onkels. Sorg dafür, dass sie alle herübergeschafft und irgendwo untergebracht werden.«
    »Wie du wünschst, mein Fürst«, antwortete Bogdan, und als er sich abwandte, streifte er Tugomir mit einem abschätzigen Blick.
    »Radomir, du sorgst dafür, dass die Köche sich sofort an die Arbeit machen. Ich will ein Festmahl für meinen heimgekehrten Onkel und meine Tante und alle, die ihnen angehören.«
    »Ein Festmahl?«, fragte eine scharfe Stimme in Tugomirs Rücken. »Denkst du nicht, wir sollten erst einmal hören, was dein Onkel uns zu sagen hat, ehe wir deinen besten Ochsen schlachten?«
    Tugomir wandte den Kopf. Sein Gehör hatte ihn nicht getrogen. Selbst nach all den Jahren erkannte er diesen Mann mühelos an der Stimme. »Tuglo.« Wieder hob er die vier Finger der Rechten zum Göttergruß.
    Der Hohepriester des Triglav erwiderte die Höflichkeit nicht. »Du bist also zurückgekehrt.«
    »Wie du siehst.«
    »Mit einem sächsischen Weib und einem sächsischen Christenpriester, wie ich

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