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Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rebecca Gablé
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Moment.
    Doch wenn er eines gewöhnt war, dann allein und verwundbar zu sein. »Mit dem Recht des Vorrangs in der Erbfolge«, antwortete er seinem Neffen nüchtern. »Ich weiß, dass du diese Aufgabe sehr früh schultern musstest, und ich zweifle nicht daran, dass du sie mit Ehre und Tapferkeit gemeistert hast. Darum ist es auch nicht meine Absicht, dich zu verdrängen. Ich will dich ablösen. Denn der Fürstenthron steht mir zu und nicht dir. Das sind die Tatsachen. Und wenn du dir nicht darüber im Klaren warst, dass du lediglich mein Statthalter bist, solange ich lebe, dann hast du versäumt, dir diese Tatsachen vor Augen zu führen. Oder irgendwer hat dir Sand in die Augen gestreut«, fügte er mit einem Blick auf den Triglav-Priester hinzu. »Beides kann gefährlich sein für einen Fürsten.«
    Daran hatte Dragomir eine Weile zu kauen. Mit einer nervösen Geste strich er sich die Haare aus der Stirn, dann lehnte er sich in seinem Sessel zurück. Verstohlen glitt sein Blick zu Tuglo, dann zurück zu seinem Onkel, schließlich richtete er ihn auf einen farbenfrohen Wandbehang und dachte nach. Aber er kam offenbar zu keinem befriedigenden Ergebnis. Das Schweigen zog sich in die Länge.
    Tugomir beobachtete Tuglo aus dem Augenwinkel, und als der Priester im Begriff war, das Wort zu ergreifen, stand er auf und kam ihm zuvor. »Hab Dank für dein Willkommen, Dragomir. Ich sollte jetzt gehen und meiner Gemahlin ihr neues Zuhause zeigen. Einstweilen überlasse ich dich deinen Gedanken und deinen Ratgebern, und wir sprechen heute Abend darüber, wie es weitergehen soll.«
    »Was soll es da zu besprechen geben?«, fragte ein weiterer Neuankömmling von der Tür, kam mit langen Schritten näher, betrachtete Tugomir einen Augenblick konzentriert und schloss ihn dann in die Arme. »Die Götter sind gut. Sie haben meine Gebete erhört. Willkommen, Tugomir.«
    »Hab Dank, Slawomir.« Tugomir befreite sich unauffällig aus der innigen Umklammerung, die ihm nicht nur die Luft abschnürte, sondern obendrein peinlich war. Dann begutachteten sie einander mit unverhohlener Neugier. Slawomir war Fürst Vaclavics jüngerer Bruder, und genau wie Tugomir war er als Priesterschüler in den Jarovit-Tempel eingetreten, weil das in ihrer Familie eben Tradition war. Aber in seinem Herzen war Slawomir immer nur Krieger gewesen, niemals Priester. Keinem Kommandanten folgten die Krieger der Heveller lieber als ihm, und Tugomirs Vater hatte dem Rat seines Bruders immer großes Gewicht beigemessen.
    Jetzt drosch Slawomir dem Heimkehrer auf die Schulter, dass Tugomir Mühe hatte, sich auf den Beinen zu halten, und eröffnete ihm: »Viele Männer hier haben nie die Hoffnung aufgegeben, dass du eines Tages zurückkommst. Und nie wurdest du dringender gebraucht, Tugomir. Hast du gehört, was Gero getan hat, diese verfluchte sächsische Schmeißfliege?«
    Tugomir nickte. »Er hat deinen Sohn ermordet. Es tut mir leid, Onkel.«
    »Und dreißig weitere«, fügte Slawomir hinzu. Tugomir sah Zorn in seinen Augen, Bitterkeit, aber nicht den Schmerz, den er erwartet hätte.
    »Ich weiß.« Er wies auf Dervan. »Er war dabei.«
    Nicht nur Slawomir, sondern auch Tuglo und der junge Fürst starrten Dervan an, als hätte Tugomir ihnen eröffnet, er könne fliegen.
    »Du warst dort und hast überlebt ?«, fragte Slawomir.
    Der junge Daleminzer senkte den Blick und nickte. »Als …« Er musste sich räuspern. »Als Einziger, glaub ich.«
    »Er hat sich zu mir durchgeschlagen und es mir erzählt«, erklärte Tugomir, um Dervan von den staunenden Blicken zu erlösen, die ihn verlegen machten. »Das ist es letztlich, was mich nach Hause gebracht hat.«
    »Wie darf ich das verstehen?«, fragte Slawomir.
    Aber Tugomir schüttelte den Kopf. »Später, Onkel. Wir haben Dringliches zu bereden, du hast recht, aber erst muss ich mich um meine Leute kümmern.« Und er wollte sich mit Widukind beraten, ehe er vor den führenden Männern der Heveller seinen Anspruch auf den Fürstenthron geltend machte. »Sagen wir, wir treffen uns bei Sonnenuntergang hier wieder.«
    Slawomir nickte bereitwillig. »Einverstanden.«
    Als sie sich ein gutes Stück von der Halle entfernt hatten, murmelte Dervan: »Seine Freude über deine Heimkehr wird genau so lange andauern, bis er erfährt, dass du im Einvernehmen mit dem König hier bist, Prinz.«
    »Und wenn sie erfahren, wer der Vater deiner Frau ist, werden sie alles daran setzen, sie zu töten«, prophezeite Semela grimmig.
    »Was habt

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