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Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rebecca Gablé
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Tugomir.
    »Aber wenn es um Henning geht, müsste Siegfried mit dem König verhandeln, oder nicht?«
    »Vielleicht hofft er, dass Otto ein gutes Wort einlegt?« mutmaßte Rada.
    »Gut möglich«, räumte Tugomir ein. »Und all das kann uns im Grunde gleich sein, nicht wahr? Es gibt wichtigere Neuigkeiten, die uns betreffen.« Und er erzählte ihnen von Wenzels Ermordung.
    Rada schlug entsetzt die Hand vor den Mund. »Sein eigener Bruder? Oh, bei allen Göttern, das ist schrecklich.«
    Semela spielte versonnen mit einem der neuen Tonkrüge. »Auf jeden Fall ist dieser Boleslaw ein Mann, der weiß, was er will, und der den Mut hat, es sich zu nehmen. Vielleicht kein besonders netter Kerl. Aber womöglich die letzte Hoffnung der slawischen Völker.«
    »Und was für eine Hoffnung soll das sein, die ein Brudermörder verheißt?«, entgegnete Tugomir. Es klang schärfer, als seine Absicht gewesen war, gerade weil Semela nur aussprach, was ihm selbst durch den Kopf gegangen war.
    Der junge Daleminzer schaute ihm einen Moment ins Gesicht und antwortete achselzuckend: »Wir können es uns nicht leisten, wählerisch zu sein, oder?«
    Otto wies nach rechts, wo sich ein Erdwall Richtung Flussufer erstreckte, gekrönt von einem Zaun aus angespitzten Baumstämmen. »Allein die Palisade ist zwölf Fuß hoch«, erklärte er stolz. »Das sollte wohl reichen. Und wir werden mit der Verlegung des Kaufmannsviertels erst weitermachen, wenn die Wallanlage fertig ist.«
    »Du meinst, um die ganze Stadt herum?«, fragte Hermann Billung erstaunt.
    Otto nickte. »Eine Stadtbefestigung mit drei Torhäusern wie diesem hier.« Das hölzerne Stadttor war eine Fachwerkkonstruktion mit einer Wachkammer über der eigentlichen Toranlage. Die beiden jungen Männer standen unter dem halbfertigen Obergeschoss, das ihnen Schutz vor dem unablässigen Regen bot. »Ich denke, in Zeiten wie diesen ist man gut beraten, eine Stadt erst zu schützen, bevor man sie ausbaut«, fuhr Otto fort. »Die Menschen von Magdeburg sollen sich sicher fühlen. Genauer gesagt, sie sollen sicher sein . Nur dann können Handwerk und Handel gedeihen.«
    Sein Freund nickte, offenbar beeindruckt, aber auch ein wenig verwirrt.
    »Was?«, fragte Otto grinsend. »Denkst du, ich habe mir zu viel vorgenommen?«
    »Oh nein, mein Prinz«, antwortete Hermann Billung mit Nachdruck. »Ich weiß, dass du die erstaunlichsten Dinge vollbringen kannst, wenn du dir eine Sache einmal in den Kopf gesetzt hast. Aber offen gestanden … Was hast du davon, wenn Handwerk und Handel gedeihen? Kann dir doch gleich sein, oder? Wenn eine Stadt oder Burg einen Hof nicht mehr ernähren kann, zieht man eben weiter.«
    Otto schüttelte den Kopf. »Aber mit welchem Recht können wir von einer Stadt oder Burg fordern, uns zu ernähren, wenn wir keine Gegenleistung erbringen?«
    »Recht?«, wiederholte Hermann verständnislos.
    »Gott hat die Menschen in drei Gruppen eingeteilt, Hermann: die Priester, die das Bindeglied zwischen Gott und den Menschen sind und uns sein Wort erklären. Die Bauern, Handwerker und so weiter, die uns ernähren und kleiden. Und die Krieger, die die anderen beiden Gruppen beschützen. Das sind wir.«
    »Lass mich raten. Das hast du von deiner Frau.«
    Das leugnete Otto nicht. »Editha hat es sich nicht ausgedacht, aber sie hat es mir vorgelesen. Aus dem Buch eines sehr gelehrten Mannes. Und es ist wahr, oder nicht? Wir können nicht sagen: ›Priester, bete für mein Seelenheil, und du, Bauer, gib mir die Feldfrüchte, die du dem Boden im Schweiße deines Angesichts abgerungen hast‹, ohne irgendetwas zurückzugeben.«
    Hermann Billung bedachte ihn mit einem mitleidigen Kopfschütteln. »Es ist nicht gut für einen Mann, sich von seinem Weib und ihren Büchern Flausen in den Kopf setzen zu lassen, glaub mir. Die Starken nehmen, und die Schwachen geben. Das ist die Ordnung der Welt, Otto.«
    »Dann werde ich sie ändern!«, brauste der Prinz auf.
    Sein fünf Jahre älterer Freund schwieg einen Moment verblüfft. Er war ein Bär von einem Kerl mit braunem Zottelhaar und -bart und immer zu einer Rauferei aufgelegt, aber jetzt wirkte er ein wenig erschreckt. »Diese Sache scheint dir wirklich am Herzen zu liegen«, sagte er schließlich langsam.
    Otto packte ihn ungeduldig am Ärmel und zog ihn aus dem halbfertigen Torhaus. Mit einer weit ausholenden Geste wies er auf die strohgedeckten Katen entlang des Flussufers, die sich unter dem bleigrauen Himmel zu ducken schienen. »Du hast

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