Das Kapital (Gesamtausgabe)
der Wert der Waren gesunken, also dieselbe Nachfrage zu niedrigerem Preis befriedigt werden kann. Warum soll im letzten Fall der Zinsfuß sinken? Weil der Profit wächst? Wenn, weil weniger Geldkapital nötig, um dasselbe produktive oder Warenkapital zu erhalten, so bewiese dies nur, daß Profit und Zins in umgekehrtem Verhältnis zueinander stehn. Jedenfalls ist der allgemeine Satz des "Economist" falsch. Niedrige Geldpreise der Waren und niedriger Zinsfuß gehören nicht notwendig zusammen. Sonst müßte in den ärmsten Ländern, wo die Geldpreise der Produkte am niedrigsten, auch der Zinsfuß am niedrigsten, und in den reichsten Ländern, wo die Geldpreise der Agrikulturprodukte am höchsten, auch der Zinsfuß am höchsten stehn. Im allgemeinen gibt der
"Economist" zu: fällt der Wert des Geldes, so übt das keinen Einfluß auf den Zinsfuß. 100 Pfd.St. bringt nach wie vor 105 Pfd.St.; sind die 100 weniger wert, so auch die 5 Zins. Das Verhältnis wird nicht affiziert durch Wertsteigerung oder Entwertung der Originalsumme. Als Wert betrachtet, ist ein bestimmtes Warenquantum gleich einer gewissen Geldsumme. Steigt sein Wert, so ist er gleich einer größern Geldsumme; umgekehrt, wenn er fällt. Ist er = 2.000, so 5% = 100; ist er = 1.000, so 5% = 50. Dies ändert aber nichts am Zinssatz. Das Rationale an der Sache ist nur, daß mehr Geldakkommodation erheischt, wenn 2.000 Pfd.St.
nötig, um dasselbe Quantum Waren zu verkaufen, als wenn nur 1.000 Pfd.St. nötig. Aber dies zeigt hier nur umgekehrtes Verhältnis zwischen Profit und Zins. Denn der Profit wächst mit der Wohlfeilheit der Elemente des konstanten und variablen Kapitals, und der Zins fällt. Aber das Umgekehrte kann auch der Fall sein und ist häufig der Fall. Baumwolle z.B. kann wohlfeil sein, weil keine Nachfrage für Garn und Gewebe besteht; sie 1123
DAS KAPITAL
kann relativ teuer sein, weil großer Profit in der Baumwollindustrie große Nachfrage für sie erzeugt. Andrerseits kann der Profit der Industriellen hoch sein, grade weil der Preis von Baumwolle niedrig ist. Die Liste von Hubbard beweist, daß der Zinsfuß und die Warenpreise durchaus voneinander unabhängige Bewegungen vollführen; während die Bewegungen des Zinsfußes sich genau den Bewegungen des Metallschatzes und der Wechselkurse anpassen.
"Sind Waren daher im Überfluß vorhanden, so muß der Geldzins niedrig sein".
sagt der "Economist". Grade das Umgekehrte findet statt in den Krisen; die Waren sind überschüssig, inkonvertibel in Geld, und daher der Zinsfuß <603> hoch; in einer andren Phase des Zyklus herrscht große Nachfrage nach Waren, daher leichte Rückflüsse, aber zugleich Steigen der Warenpreise" und wegen der leichten Rückflüsse niedriger Zinsfuß. "Sind sie" (die Waren) "selten, so muß er hoch sein." Wieder findet das Umgekehrte statt in Zeiten der Abspannung nach der Krise. Waren sind selten, absolut gesprochen, nicht mit Rücksicht auf die Nachfrage; und der Zinsfuß ist niedrig.
Daß, ad (4), bei überführtem Markt ein Warenbesitzer wohlfeiler losschlagen wird - wenn er überhaupt verkaufen kann - als bei voraussichtlich rascher Erschöpfung der vorhandnen Vorräte, ist ziemlich klar. Weniger aber, weshalb deswegen der Zinsfuß fallen soll.
Ist der Markt mit der importierten Ware überführt, so mag der Zinsfuß steigen infolge gesteigerter Nachfrage nach Leihkapital von seiten der Eigner, um die Waren nicht auf den Markt werfen zu müssen. Er mag fallen, weil die Flüssigkeit des kommerziellen Kredits die Nachfrage für Bankkredit noch relativ niedrig hält.
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Der "Economist" erwähnt die rasche Wirkung auf die Kurse 1847 infolge der Erhöhung des Zinsfußes und andern Drucks auf den Geldmarkt. Aber es ist nicht zu vergessen, daß trotz der Wendung der Kurse das Gold fortfuhr abzufließen bis Ende April; die Wendung tritt hier erst ein mit Anfang Mai.
Am 1. Januar 1847 war der Metallschatz der Bank 15.066.691 Pfd.St.; Zinsfuß 31/2%; Dreimonatskurs auf Paris 25.75; auf Hamburg 13.10; auf Amsterdam 12.31/4. Am 5. März war der Metallschatz gefallen auf 11.595.535 Pfd.St.; Diskonto gestiegen auf 4%; der Wechselkurs fiel auf Paris 25.671/2, Hamburg 13.91/4, Amsterdam 12.21/2. Goldabfluß dauert fort; s. folgende Tabelle:
Datum
Edelmetall- Geldmarkt
Höchste Dreimonatskurse
1847
schatz
Paris
Hamburg Amster-
der Bank
dam
von
England
Pfd.St.
März 20.
11.231.630
Bankdiskont 4% 25.671/2
13.093/4
12.21/2
April
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