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Das Lied der alten Steine

Das Lied der alten Steine

Titel: Das Lied der alten Steine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Barbara Erskine
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sagt.
    Er ist lustig. Er ist anziehend…«
    »Trauen Sie ihm nicht, Anna. Nicht rückhaltlos.« Zu ihrer Überraschung packte Serena sie plötzlich am Arm. »Seien Sie vorsichtig, bitte. Sie haben schon genug Probleme, und er ist genau die Art Mensch, der die Energien, die zur Zeit um Sie herumwirbeln, verschlimmern könnte.« Sie hielt inne. »Sie haben wahrscheinlich bemerkt, dass wir uns nicht allzu gut verstehen. Seit er mit Charley zusammen ist, versucht er, sich auch in mein Leben einzumischen. Er hat Ihnen vermutlich gesagt, dass er mich für durchgedreht hält.« Sie beobachtete Annas Miene. »Ja, das sehe ich Ihrem Gesicht an. Na ja, vielleicht stimmt es. Aber wenigstens versuche ich Gutes zu tun.
    Andy ist engstirnig, habgierig und grausam, und seit wir in Ägypten sind, kommt es mir aus irgendeinem Grund so vor, als würde er jede Minute aggressiver und raubgieriger! Also passen Sie bitte auf sich auf!« Sie drehte sich um und ging davon.
    Anna starrte ihr hinterher. »Serena?«
    Serena schüttelte den Kopf, ohne sich umzuwenden. Sie entfernte sich rasch von der Gruppe und ging mit hängenden Schultern den Damm entlang.
    »Lassen Sie sie gehen.«
    Anna fuhr zusammen. Andy war unbemerkt zurückgekommen.
    Er legte ihr die Hand auf den Arm. »Sie wird schon wieder. Das ist immer so. Sie hat ein sehr sonniges Gemüt, unsere Serena.«
    Sie blickte zu ihm auf. »Haben Sie gehört, was sie gesagt hat?«
    Er schüttelte den Kopf. »Wenn Sie ihr erzählt haben, was ich über sie gesagt habe, dann war sie wohl sehr grob.«
    Sie runzelte die Stirn. »Sie halten mich also nicht für sonderlich taktvoll.«
    »Verzeihen Sie mir.« Er legte wie zufällig seinen Arm um ihre Schultern. »Kommen Sie, stellen Sie sich da drüben hin. Ich will ein Foto von Ihnen machen.« Er dirigierte sie zur Mauer. »Wenn Sie hier stehen, kriege ich den Damm in ganzer Länge drauf.«
    Er verstummte und machte ein besorgtes Gesicht. »Was ist, Anna? Was ist los?«
    Sie hörte ihn nicht. Sie starrte geradeaus, mit aufgerissenem Mund, den Körper vor Schreck angespannt, und nahm auf einmal ihre Umgebung nicht mehr wahr.
    Nur zehn Meter von ihr entfernt stand der Priester Anhotep und sah sie an. Mit erhobener Hand deutete er auf ihr Herz.

8
    Was fest verschlossen war, ist geöffnet…
    Heil dir, der du die Herzen fortträgst.
    Heil dir, der du die Herzen stiehlst und zerstampfst Die Legende hat sich gehalten. Der Sand wird verweht und nur ein Schatten verrät, was einst dort war. Erinnerungen werden geweckt. War dies das Grab der Priester? War dies das Grab, an das die Geschichte sich erinnerte, das sie dann aber wieder vergaß? Diesmal sind die Räuber besser ausgerüstet. Sie sind kräftiger. Die Wächter der Pharaonen gibt es schon lange nicht mehr. Als die Tür einbricht und herausgehebelt wird, ist niemand da, der den Inhalt des Grabes beschützen könnte.
    Wo ist das Gold? Wo sind die kostbaren Edelsteine, Zier der Männer, die den Göttern dienten? Die Mumien werden auf den Sand hinausgetragen. Sie werden aufgeschlitzt, entheiligt, in Staub verwandelt. Die Kanopengefäße werden zerschlagen.
    Da ist kein Schatz. Keine Vorkehrungen für das Leben nach dem Tode. Diese Männer waren von den Göttern zurückgewiesen worden.
    Versteckt in ihrer Ecke finden Sie die Flasche. Sie bringen sie hinaus in die Wüste, werfen einen Blick darauf und werfen sie

    weg. Glas ist inzwischen etwas Gewöhnliches. Es hat für Goldsucher keinen Wert.
    Sie lassen das Grab offen zurück. Die Geister der Toten nähren sich vom Sonnenlicht und dem Silbersegen des Wüstenmonds und werden kräftiger.
    Doch in der Nacht begegnen die Männer, die ihre unheilige Hand an verbotene Orte gelegt haben, den Dienern von Anubis und Sobek. Die Götter werden immer die heilige Phiole mit den Tränen der Isis beschützen, und die Räuber werden sterben wie alle, die sie berühren. Ihre Leichen werden von Schakalen und Krokodilen gefressen, wie der Richtspruch der Götter es bestimmt.

    »Das ist eine Fata Morgana, Anna. Nur eine Lichtspiegelung.«
    Andy hielt sie fest an sich gedrückt, als sie stammelnd hervorbrachte, was sie gesehen hatte. »Kommen Sie, wir gehen in den Schatten. Wir stehen hier oben einfach viel zu sehr in der Sonne.« Er führte sie langsam zum Ende des Damms, wo ein paar Bäume einen Flecken Schatten spendeten.
    »Andy! Anna! Wartet!« Serena hatte sich endlich umgeschaut und erkannt, dass etwas nicht stimmte. »Was ist los? Was ist passiert?« Sie eilte

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